Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 19.03.2010
Kometen als Lebensbringer
Belegt die Edelgaszusammensetzung der Atmosphäre frühe Kometentreffer?
Kometen galten früher als Glückszeichen oder Unglücksboten. Heute sehen einige Wissenschaftler sie als mögliche Lebensbringer, denn sie könnten der Urerde die Elemente geliefert haben, die die Entstehung von Leben erst ermöglichten. Eine neue chemische Analyse liefert nun für diese These erneut positive Argumente.

Komet
Komet
© Tel Aviv University
Kometen sind im Prinzip nichts als staubige Schneebälle: Große Eisbrocken, deren Temperaturen bei eisigen minus 200 bis minus 250 Grad liegen. Sie entstanden fern von der Sonne in den Außenbereichen des jungen Sonnensystems, in einer Region, in der Wasserdampf direkt zu Eisklumpen kondensierte. Aus solchen knapp einen Kilometer großen Brocken bildeten sich nach und nach größere Körper – die Kometen.

Kometen als Träger organischer „Nutzlast“
Was jedoch außer dem Eis in den Kometen noch enthalten ist, haben Forscher erst in den letzen Jahren begonnen zu enträtseln. Einer von ihnen ist Akiva Bar-Nun, Professor für Geowissen an der Tel Aviv Universität. Klar ist, dass Kometen neben Gasen und Eis auch organische Verbindungen enthalten. „Als Kometen vor vier Milliarden Jahren die Erdatmosphäre trafen, lieferten sie der jungen Erde eine Nutzlast von organischen Materialien“, so Bar-Nuns Theorie. „Diese Materialien verbanden sich mit dem erdeigenen Reservoir der organischen Substanzen und führten letztlich zur Entstehung des Lebens.“

Argon, Krypton und Xenon als Indizien
Um herauszufinden, ob in der Frühzeit der Erde tatsächlich Kometen mit ihrer Organik-Fracht auf sie gestürzt sein könnten, simulierte Bar-Nun zunächst den bekannten Aufbau von Kometen im Labor. Dann konzentrierte er sich auf drei bestimmte Edelgase, Argon, Krypton und Xenon, gefangen im Kometeneis. Diese Gase verbinden sich nicht mit anderen Elementen und werden auch nicht durch den Sauerstoff der Erdatmosphäre zersetzt. Seine Frage dabei war: Könnte das heutige Verhältnis dieser Edelgase in der Erdatmosphäre möglicherweise zum Teil aus den Kometentreffern der Vergangenheit stammen?

„Wenn wir uns diese Elemente in der Atmosphäre der Erde anschauen und in Meteoriten, sehen wir bei beiden ein anderes Verhältnis als in der Sonne“, so der Forscher. „Zudem unterschieden sich die Verhältnisse in der Atmosphäre deutlich von denen in den Meteoriten.“ Seiner Ansicht zufolge können daher die irdischen Edelgase weder aus dem ursprünglichen „Rohmaterial“ des Sonnensystems stammen noch nachträglich durch Asteroidentreffer geliefert worden sein. „Wir brauchen daher eine weitere Quelle von Edelgasen, die gemeinsam mit den Meteoriten die erdspezifische Zusammensetzung erklären könnte. Und diese sind die Kometen“, so Bar-Nun.

Edelgas-Verhältnis verrät vorzeitliche Treffer
Während der Kometenbildung im äußeren Sonnensystem schloss das poröse Eis Gase und organische Verbindungen des Weltraums ein. „Das Muster des eingefangenen Gases im Eis ergibt ein bestimmtes Verhältnis von Argon zu Krypton zu Xenon. Und genau dieses Verhältnis – gemeinsam mit dem der Meteoriten – ergibt das Verhältnis, wie wir es in der Atmosphäre der Erde beobachten“, erklärt der Forscher.

Für Bar-Nun belegt dies, dass in der Frühzeit der Erde immer wieder auch Kometen eingeschlagen haben müssen. Diese zerbrachen und setzten damit nicht nur die Edelgase frei, sondern auch die organischen Verbindungen. Diese lösten sich mit der Zeit im Meer und begannen den langen Prozess, der schließlich zur Entstehung des Lebens auf der Erde führte.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Kometen, Asteroiden, Weltraum, All, Universum, Kosmos, Sonnensystem, Erde, Leben, Eis, Gase, Atmosphäre
Weitere News zum Thema
Asteroiden-Kollision erzeugt „Pseudo-Komet“ (04.02.2010)
Erste Beobachtung der unmittelbaren Nachwehen einer Kollision zweier Asteroiden
Jupitermonde: Bombardement schuf „ungleiche Zwillinge“ (25.01.2010)
Frühzeit des Sonnensystems erklärt rätselhafte Unterschiede zwischen Ganymed und Callisto
Asteroid Steins: Fliegende Schutthalde in Diamantform (08.01.2010)
Raumsonde Rosetta enthüllt Gestalt des Kleinplaneten
Lebensfreundliche Bedingungen auf Enceladus und Europa? (30.12.2009)
Forscher fordert Ausweitung der Definition für die „Zone des Lebens“
Junge Planeten sind “hyperaktiv” und chaotisch (11.11.2009)
Taumelnde Bahnen bewirken Kollisionen von Materieresten
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Kometenstaub
Extrasolare Planeten
Die Dawn-Mission
Sonnenforschung
Dossiers zum Thema
Kometen
Rätselhafte Vagabunden im Weltraum
Meteoriten
Gefahr aus dem All
Kosmischer Staub im Nano-Labor
Ein Blick in die Kinderstube des Sonnensystems
Rosetta
Auf der Jagd nach dem Kometen
Dawn – auf dem Weg zum Asteroidengürtel
Start der Weltraummission zur Erkundung von Vesta und Ceres
Sonderfall Erde
Warum nur unser Planet so ist, wie er ist
Planeten des Lebens
Erdzwillingen auf der Spur
Sturm von der Sonne
Höllenfeuer im Lichtgestirn
Am Puls der Sonne
Schallwellen verraten solare Geheimnisse
Aus für die Ursuppe?
Rätsel um die Entstehung des Lebens
News des Tages
Kometen als Lebensbringer
Klimaschutz: CO2-Budget bald verbraucht?
Sterne speien rätselhaftes Röntgenlicht
Schweinegrippe: Forscher warnt vor Panik
Multiple Sklerose: Graue Substanz in Gefahr
Wärmster April seit 120 Jahren
Gen macht Pflanzen fit gegen Blattläuse
Bücher zum Thema
Chaos im Universum
Astereoiden und Kometen - Fremde Welten - Theorien über das Chaos von Joachim Bublath
Der Schweif des Kometen
Irrtümer und Legenden über das Universum von Neil F. Comins
Armageddon
Der Einschlag von Nadja Podbregar, Ralf Blasius, Harald Frater und Stefan Schneider
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Das Universum
"Die Schöpfung" und "Die Sterne"
Abenteuer Evolution
Die Ursprünge des Lebens von Walter Kleesattel
Das ist Evolution
von Ernst Mayr
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Top-Clicks der Woche
1. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
2. Licht verbiegt Materie
3. Gehirn liebt keine Überraschungen
4. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte
5. Neue Belege für “Schneeball Erde”