Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Wirbelstürme heizen Stratosphäre auf
Zyklone katapultieren große Mengen Wasserdampf in obere Atmosphäre
Tropische Wirbelstürme werden nicht nur durch den Klimawandel intensiviert, sie wirken auch ihrerseits verstärkend auf die globale Erwärmung: Sie schleudern große Mengen Wasserdampf hoch hinauf in die Stratosphäre. Da Wasserdampf ein Treibhausgas ist, trägt diese positive Rückkopplung dazu bei, die Erde zu erwärmen, berichten amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“.

Zyklon Nargis über Myanmar
Zyklon Nargis über Myanmar
© NASA/ MODIS/ GSFC/ Jeff Schmaltz/ Jesse Allen Zyklon Nargis über Myanmar
Rätselhafte Wasserdampfzunahme in der Stratosphäre
Den Anstoß für die aktuelle Studie gaben Daten, die auf eine Vermehrung des Wasserdampfs in der Stratosphäre, der oberen Atmosphärenschicht, hindeuten. In den letzen 50 Jahren nahm die Konzentration des Treibhausgases um rund 50 Prozent zu. Bisher war unklar, warum das so ist. David M. Romps und Zhiming Kuang, Wissenschaftler an der Harvard Universität untersuchten nun, ob Tropische Wirbelstürme, deren Wolkentürme hoch hinauf in die Atmosphäre reichen, damit zu tun haben könnten.

Die Forscher analysierten Infrarot-Satellitendaten der Jahre 1983 bis 2006 und ermittelten die Wolkenhöhen und die Entwicklung von tausenden von Wirbelstürmen, viele davon nahe den Philippinen und in Mittelamerika. Es zeigte sich, dass ein Zyklon tatsächlich schmale, aber kilometerhohe Wolkentürme so explosiv in die Höhe katapultieren kann, dass sie bis in die Stratosphäre reichen.

Explosive Wolkentürme durchbrechen Grenzschicht
Normalerweise kann nur sehr wenig Wasser durch die untere Grenze der Stratosphäre, die Tropopause, hindurch gelangen. Denn diese kälteste Atmosphärenschicht wirkt wie eine Barriere für den aufsteigenden Wasserdampf. Die langsam aufsteigende Feuchtigkeit friert aus und fällt als Eis wieder in tiefere Schichten hinab bevor sie die wärmere Stratosphäre erreichen kann.

Doch sehr ausgedehnte Wolken wie in einem Wirbelsturm dringen so schnell durch die Tropopause hindurch, dass ihre Feuchtigkeit zwar gefriert, die Eispartikel aber weiter mit hochgerissen werden und in die Stratosphäre gelangen. Mit bis zu 65 Kilometern pro Stunde explodieren diese Wolken förmlich durch die Grenzschicht hindurch. Hier verdampfen sie wieder und bilden dann die stratosphärischen Wolken.

Positive Rückkopplung zwischen Klima und Wirbelstürmen
„Weil Wasserdampf ein wichtiges Treibhausgas ist, könnte eine Erhöhung seiner Konzentration in der Stratosphäre die Oberfläche der Erde erwärmen“, erklärt Romps. „Unsere Entdeckung, dass Tropische Zyklone für viele der stratosphärischen Wolken verantwortlich sind, eröffnet die Möglichkeit, dass diese Stürme nicht nur durch den Klimawandel stärker und häufiger werden, sondern auch selbst die Erwärmung beeinflussen.“

Nach den neuesten Daten ist die Wahrscheinlichkeit bei Tropischen Wirbelstürmen zweimal so groß wie bei normalen Stürmen, bis zur normalerweise wolkenfreien Stratosphäre durchzudringen und sogar viermal so hoch, Eispartikel tief in diese Atmospärenschicht zu injizieren. „Die hier präsentierten Ergebnisse etablieren die Möglichkeit einer positiven Rückkopplung zwischen Tropischen Zyklonen und dem globalen Klima“, so Romps und Kuang in ihrer Studie. Wenn die Stürme mehr werden, weil sich das Klima erwärmt, schleudern sie auch mehr Wasserdampf in die Stratosphäre und tragen damit weiter zur Erwärmung bei.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Wirbelstürme, Zyklone, Naturkatastrophen, Klimawandel, globale Erwärmung, Treibhausgase, Wasserdampf, Stratosphäre
Weitere News zum Thema
Luftverschmutzung macht Wirbelstürme intensiver (03.11.2011)
Aerosol-Wolke schwächt hemmende Winde über dem Arabischen Meer ab
El Nino bleibt auch bei Klimaerwärmung stabil (15.09.2011)
50 Millionen Jahre alte Muschelschalen belegen Existenz des Phänomens auch in der letzten Warmzeit
Motor des Monsuns enthüllt (03.08.2011)
Forscher enthüllen Motor des Monsuns
Ozeanversauerung lässt Korallenriffe verarmen (03.06.2011)
Kohlendioxid-Quellen im Meer zeigen zukünftige Folgen der Versauerung des Meerwassers
Gigantische Stürme fegen Galaxien leer (11.05.2011)
Mögliche Ursache für Verschwinden molekularen Gases und Stopp von Sternbildung identifiziert
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Stürme
Klimawandel in Deutschland
Klimaforschung
Dossiers zum Thema
Hurrikans
Zerstörerische Wirbelstürme im Aufwind?
Tornados
Wirbelnde Winde
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Streit ums Klima
Klimawandel unter Beschuss?
S.O.S. - Ist das Klima noch zu retten?
Klimakonferenz 2006: Zukunft Verhandlungssache
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Klimawandel in Deutschland
Wie verändert sich unser Klima bis 2100?
Winterstürme
Stürmische Zeiten für Mitteleuropa?
Aerosole
Würzstoffe in der Klimaküche
News des Tages
Wirbelstürme heizen Stratosphäre auf
Natur: Forscher "outen" Top-Eindringlinge
Smalltalk verführt zum Kauf
Oxidativer Stress schuld an Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Kohlendioxid als Kohlenstoffquelle
L’Aquila-Erdbeben: Wiederaufbau könnte zehn Jahre dauern
Sehr gute Noten für deutsche Tunnel
Bücher zum Thema
Globaler Wandel
Die Erde aus dem All von Stefan Dech, Rüdiger Glaser und Robert Meisner
Wetterkatastro- phen und Klimawandel
Sind wir noch zu retten? von Hartmut Grassl u. a.
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Wetter, Klima und Klimawandel
Wissen für eine Welt im Umbruch von Nadja Podbregar, Harald Frater und Karsten Schwanke
Warnsignal Klima
Gesundheitsrisiken: Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen von Jose L. Lozan, Walter Maier, Hartmut Graßl, Gerd Jendritzky, Ludwig Karbe und Karsten Reise
Sturmjäger
Im Auge des Tornados von Mike Hollingshead und Eric Nguyen
Das Jahrtausend der Orkane
Entfesselte Stürme bedrohen unsere Zukunft von Joachim Feyerabend
Naturkatastrophen
Wirbelstürme, Beben, Vulkanausbrüche - Entfesselte Gewalten und ihre Folgen von Inge Niedek und Harald Frater
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes