Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Lebenserwartung steigt – auch bei Quantenzuständen
Wichtiger Schritt zur Datenverarbeitung durch optoelektronische Chips gelungen
Erstmals ist jetzt die Messung und Kontrolle der Lebensdauer von Quantenzuständen gelungen, die für optoelektronische Chips von entscheidender Bedeutung sein werden. Die Wissenschaftler berichten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“.

Zeit für Entspannung
Zeit für Entspannung
© Patrick Rauter Zeit für Entspannung
Konkret haben die Linzer Forscher in Silizium-Germanium-Strukturen (SiGe) die so genannte Intersubband-Relaxationszeit von Ladungszuständen gemessen, die im Bereich von Pikosekunden liegt. Gleichzeitig konnten sie diese experimentell kontrollieren und verlängern. Damit sind die Physiker einen entscheidenden Schritt weiter gekommen auf dem Weg zu einer Datenverarbeitung durch optoelektronische Chips.

Informationen per Lichtquanten (Photonen) zu versenden ist nichts Neues. In jedem Glasfaserkabel geschieht dies mit hoher Effizienz. Doch was über große Distanzen rasend schnell und zuverlässig funktioniert, scheitert im Kleinen. Eine chip-to-chip-Kommunikation mittels Photonen ist derzeit für die Datenverarbeitung noch nicht machbar. Das Problem: die Photonenquelle.

Das heutige Ausgangsmaterial für Computerchips - Silizium - erlaubt aufgrund seiner Halbleiterstruktur keine Erzeugung von Photonen auf konventionellem Weg. Unkonventionell könnte es aber schon gehen - und an genau dieser Lösung arbeitet ein Team des Instituts für Halbleiter- und Festkörperphysik der Universität Linz.

Laser on a Chip
Eine mögliche Lösung des Problems stellt der Quantenkaskadenlaser auf Basis einer Silizium-Germanium-Heterostruktur (SiGe) dar, der die Erzeugung von Laserlicht im Infrarotbereich durch quantenphysikalische Effekte erlauben könnte.

„Derzeit gibt es noch viele grundlegende Fragen zur Wirkungsweise und zur Kontrolle von SiGe-Heterostrukturen zu klären“, erläutert Patrick Rauter, der im Team von Thomas Fromherz an der Nutzung dieser Strukturen arbeitet. Ein wesentlicher Parameter dabei ist die so genannte Intersubband-Relaxationszeit. Diese gibt den Zeitraum an, in dem angeregte Ladungsträger des SiGe auf einem höheren Energieniveau verbleiben, bevor sie in den Ausgangszustand zurückkehren.

Die Länge dieses Zeitraums gilt als wichtige Größe für den Quantenkaskadenlaser, da die Verweildauer der Ladungsträger im angeregten Zustand mit der Möglichkeit zur Emission von Licht eng zusammenhängt.

Rauter gelang es nun mit Kollegen, diesen Zeitraum exakt zu messen. Dabei unterstützte sie auch die Foundation for Fundamental Research Matter - FOM im niederländischen Rijnhuizen mit ihrem Freie-Elektronen-Laser FELIX. Dessen Laser-Strahl kann in Pikosekundenlänge gepulst werden und ermöglicht dadurch die Messungen von sehr schnellen Vorgängen.

Bruchteile von Bruchteilen von Sekunden
Tatsächlich konnten die Forscher in ihrem experimentellen Design messen, dass die Intersubband-Relaxationszeit zwischen zwölf und 25 Pikosekunden dauert, also zwölf bis 25 billionstel Sekunden. Zur Messung dieser kurzen Zeiträume wurde der Laser-Strahl von FELIX gesplittet. Ein Strahl wurde zum Anregen der Ladungsträger im SiGe verwendet, der andere diente - mit einer Zeitverzögerung - der eigentlichen Messung.

Gemessen wurde dabei ein photoelektrischer Strom, der in Abhängigkeit zur Intersubband- Relaxationszeit steht. Zu den Messungen meint Rauter weiter: „Wir konnten die intersubband relaxation lifetime sogar kontrolliert verlängern. Dazu legten wir ein äußeres elektrisches Feld an die Probe an, dessen Veränderung es uns erlaubte, die Relaxationszeit zwischen zwölf und 25 Pikosekunden stufenlos zu regulieren. Tatsächlich konnten wir die Relaxationszeit verdoppeln, ein vielversprechendes Ergebnis.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Quantenzustände, Chips, Datenverarbeitung, Ladungszustände, Laser, Licht, Laserstrahl, Silizium, Photonen
Weitere News zum Thema
Glasfaser zählt Atome (08.12.2011)
Forscher entwickeln extrem empfindliche Methode zum Detektieren von Atomen
Hat der Mensch doch einen Magnetsinn? (22.06.2011)
Protein in der menschlichen Netzhaut reagiert auf das Magnetfeld
Erste elektrische Falle für Elektronen (11.05.2011)
Prinzip der Paul-Falle erstmals auf Elektronen angewendet
Quanten-Zwillinge aus dem Atomchip (02.05.2011)
Forscher erzeugen durch ausgeklügelte Atom-Chips quantenphysikalisch verknüpfte Atom-Zwillinge
Informationsaustausch am Quantenlimit (02.05.2011)
Einzelnes Photon überträgt Geheimnis auf einzelnes Atom
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Quantencomputer
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Dossiers zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Duell in der Quantenwelt
Wie Quanten Information verarbeiten
Quantencomputer
Tops und Flops beim Rechnen mit den kleinsten Teilchen
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Glas
Ein schwer durchschaubarer Stoff
News des Tages
Gleiche Regeln für Reflexe in der Kaffeetasse und Linsen im Kosmos
Lebenserwartung steigt – auch bei Quantenzuständen
Heidelbeeren helfen gegen Parkinson
Vögel setzen Intelligenz unterschiedlich ein
40 Prozent der Fische gehen als Beifang ins Netz
Mit AIDA Weltraumschrott auf der Spur
Zellwanderung bringt Körpersymmetrie durcheinander
Bücher zum Thema
Sie irren, Einstein!
Newton, Einstein, Heisenberg und Feynman diskutieren die Quantenphysik von Harald Fritzsch
Abschied von der Weltformel
Die Neuerfindung der Physik von Robert B. Laughlin
Einsteins Spuk
Teleportation und weitere Mysterien der Quantenphysik von Anton Zeilinger
Laser
von Fritz K. Kneubühl und Markus W. Sigrist
Das Wunder des Lichts
DVD der BBC
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Nanotechnologie und Nanoprozesse
Einführung, Bewertung von Wolfgang Fahrner
Donnerwetter - Physik
von Peter Häußler
Skurrile Quantenwelt
von Silvia Arroyo Camejo
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes