Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Körper repariert Arthrose selbst
Knorpelartige Vorläuferzellen in erkranktem Gewebe entdeckt
Arthrose entsteht, wenn Knorpel in den Gelenken schwindet. Doch offenbar hat unser Körper für diesen Fall Reparaturvorgänge in der Hinterhand. Denn Göttinger Forscher haben jetzt einen möglichen Weg entdeckt: Im Knorpelgewebe von Patienten mit späten Stadien der Kniegelenks-Arthrose fanden sie eine bisher unbekannte Population von stammzellartigen Vorläuferzellen.

Arthrose
Arthrose
© Jochen Lengerke / gemeinfrei Arthrose
„Diese Stammzellen bieten neue Ansatzpunkte, um das Heilungsvermögen von Knorpelgewebe zu beeinflussen. Da diese Zellen knorpelähnliches Ersatzgewebe produzieren, könnten sie der Grundstein für eine neue zellbiologische Behandlungsform der Arthrose sein“, sagt Professor Dr. Nicolai Miosge von der Universitätsmedizin Göttingen im Fachjournal „Cell Stem Cell“.

Knorpelartige Vorläuferzellen
„Knorpelartige Vorläuferzellen“ nennen die Göttinger Wissenschaftler die Zellen, die sie im Knorpelgewebe von Patienten mit späten Stadien der Arthrose entdeckt haben. Die Zellen sind reifen Knorpelzellen schon sehr ähnlich. Sie produzieren knorpelartiges Gewebe und sind befähigt zu wandern. Im gesunden Knorpel kommen diese Zellen nicht vor.

„Die genaue Herkunft dieser Zellen ist noch unklar. Aber es ist durchaus möglich, dass sie aus dem Knochenmark in das erkrankte Knorpelgewebe eingewandert sind“, erklärt Miosge. Vorherige Untersuchungen legten nahe, dass erkrankter Knorpel Zellen enthält, die Reparaturvorgänge im Gewebe bewirken können. Miosge: „Es besteht die Möglichkeit, dass stammzellartige Zellen aus dem Knochenmark angelockt werden.“

Zellen mit Stammzellcharakter
Dieser Idee sind Miosge und sein Forscherteam auf den Grund gegangen. Sie haben untersucht, ob es Zellen im erkrankten Knorpelgewebe gibt, die Stammzellcharakter haben und so mobil sind, dass sie ins Knorpelgewebe einwandert sein können. Gefunden und beschrieben haben die Göttinger Grundlagenforscher eine bisher unbekannte Vorläuferzellpopulation, die es offenbar nur im erkrankten Knorpelgewebe gibt. Diese Entdeckung könnte der Ausgangspunkt für eine mögliche zellerneuernde Therapie bei Arthrose sein.

„Wir hoffen, dass diese knorpelartigen Vorläuferzellen so verändert werden können, dass sie wieder gesundes Knorpelgewebe herstellen“, sagt Miosge. Doch der Weg zu einer möglichen Zelltherapie der Arthrose ist noch lang.

Untergang von Knorpelzellen
Arthrose oder Osteoarthrits ist eine chronisch degenerative Erkrankung besonders der großen Gelenke. Sie ist durch den fortschreitenden Untergang von Knorpelzellen und der Zersetzung des die Zellen umgebenden Geflechtes von großen Biomolekülen, insbesondere von Kollagenen, gekennzeichnet. Dadurch verschlechtert sich die Fähigkeit des Knorpelgewebes dem Druck, der auf ihm durch das Körpergewicht lastet, standzuhalten.

Dies führt nach einigen Jahren zu einer vollständigen Zerstörung des Gelenkes. Osteoarthritis ist die häufigste Erkrankung des Skelettsystems von älteren Patienten. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass Arthrose im Jahr 2020 die vierthäufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit sein wird.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Arthrose, Knie, Krankheit, Medizin, Zellen, Knorpel, Gewe, Knochenmark
Weitere News zum Thema
Gängige Schmerzmittel erhöhen Schlaganfallrisiko (04.02.2011)
Erhöhtes Risiko bei dauerhafter Einnahmen von Ibuprofen, Diclofenac und Etoricoxib
Rheuma erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall (14.09.2010)
Chronische Entzündungen fördern Arteriosklerose
Frühwarnsystem für Ausdauersportler (05.05.2008)
Radiologen erkennen Schädigungen an Gelenken und Muskeln schon im Frühstadium
Magenverkleinerung lässt Dicke länger leben (17.12.2007)
Neue Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Adipositas-Chirurgie
Knorpel-Pillen versagen bei schwerer Arthrose (18.10.2007)
Neue Studie widerlegt Wirksamkeit von Chondroitin
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Stammzellquellen gesucht
Auf vier Wegen zurück zum „Alleskönner“
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
News des Tages
Schimpansen tauschen Fleisch gegen Sex
Quantensprung von „drei“ nach „vier“
Arktischer Meteoritenkrater wird angebohrt
Miniteilchen spielen Schwarm
Körper repariert Arthrose selbst
Nanoröhren sammeln Uran ein
Forstmaschine als Hürdenläufer
Bücher zum Thema
Wunder Mensch
Eine Reise durch unseren Körper von Alexander Tsiaras und Barry Werth
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Forschung an embryonalen Stammzellen
von Gisela Badura-Lotter
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Was treibt das Leben an?
Eine Reise in den Mikrokosmus der Zelle von Stephan Berry
Lehrbuch der Molekularen Zellbiologie
von Lutz Nover und Pascal von Koskull-Döring
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes