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Sonntag, 22.01.2017
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Deutsche Jugendliche sind Europameister im Rauchen

Spitzenplatz auch für Mobbing und Schlägereien

Deutsche Jugendliche sind Europameister im Rauchen und liegen auch beim Alkoholkonsum im vorderen Viertel. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Studie hervor, für die mehr als 160.000 Jugendliche aus 35 europäischen Ländern, den USA und Kanada befragt wurden.
"Die gesundheitliche Situation der deutschen Jugendlichen ist im internationalen Vergleich nicht schlecht", so Projektleiter Prof. Klaus Hurrelmann und die beiden Gesundheitswissenschaftler Matthias Richter und Anja Langness, die die deutsche Studie an der Universität Bielefeld durchgeführt haben.

Rauchen und die Folgen

Rauchen und die Folgen

"Aber beim Konsum von Zigaretten sind die deutschen Jugendlichen Europameister. Bei den 15-jährigen gehören 25 Prozent der Jungen und 27 Prozent der Mädchen zu den täglichen Konsumenten. Diese Zahlen sind ungewöhnlich hoch. In ihnen schlägt sich der hohe Druck wider, sich als eine interessante Persönlichkeit zu profilieren. Im Unterschied zu anderen Ländern spiegelt sich aber auch die unklare und unglaubwürdige Tabakpolitik von Bundes- und Landesregierungen. Angesichts der verheerenden gesundheitlichen Folgen des täglichen Zigarettenkonsums sind dringend überzeugende Präventionsprogramme und klare Rechtsgrundlagen erforderlich", so die Bielefelder Gesundheitswissenschaftler.

Die Untersuchungen in den 35 beteiligten Ländern werden jeweils zum gleichen Zeitpunkt mit einem identischen Erhebungsinstrumentarium durchgeführt. Auf diese Weise war es möglich, die Gesundheitsdaten der 11- bis 15-jährigen Jugendlichen in allen Ländern miteinander zu vergleichen.


Alkoholkonsum hoch


Auch beim Konsum von Alkohol fallen deutsche Jugendliche unangenehm auf. Sie liegen hinter den Briten, Holländern und Dänen im oberen Viertel. So berichten 15 Prozent der 13-Jährigen und 46 Prozent der 15-Jährigen von wöchentlichem Alkoholkonsum. Das Einstiegsalter für Alkoholkonsum liegt in Deutschland bei 13 Jahren; der erste Alkoholrausch findet mit durchschnittlich 14 Jahren statt. Auch diese Werte sind im europäischen Vergleich hoch.

Ernährungsverhalten zufriedenstellend


In vielen anderen Bereichen schneiden die deutschen Jugendlichen hingegen gut ab. Täglicher Obst- und Gemüsekonsum ist in allen beteiligten Ländern relativ niedrig und nimmt darüber hinaus mit zunehmendem Alter ab. Nur etwa 38 Prozent der 11-Jährigen, 33 Prozent der 13-Jährigen und 29 Prozent der 15-Jährigen essen täglich Obst. In allen Altersgruppen essen zudem Mädchen häufiger täglich Obst als Jungen. In Bezug auf Gemüsekonsum ist ein ähnliches Muster festzustellen. Für Deutschland zeigt sich damit ein relativ zufrieden stellendes Ergebnis.

Jungen sind in allen Ländern signifikant häufiger übergewichtig als Mädchen. Im Durchschnitt aller Länder ist etwa jeder fünfte Junge übergewichtig, allerdings steigt diese Zahl in den USA, dem Land mit den höchsten Raten an Übergewichtigen, auf über ein Drittel an. In Deutschland sind durchschnittlich 11 Prozent der 13- und 15-Jährigen von Übergewicht und Adiositas betroffen. Jugendliche aus Deutschland finden sich mit anderen Mittel- bzw. Westeuropäischen Ländern (wie z.B. Frankreich, Österreich und Belgien) in der Mitte der Länderrangfolge wieder.

In Deutschland finden sich unabhängig vom Geschlecht und Alter im internationalen Vergleich mit die höchsten Raten von Kindern und Jugendlichen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind. Durchschnittlich 34 Prozent der Jugendlichen machen zur Zeit eine Diät oder sind der Meinung, eine Diät machen zu müssen. In Bezug auf die körperliche Aktivität befindet sich Deutschland in allen Altersgruppen eher im unteren Bereich. Eine noch geringere körperliche Aktivität findet sich nur unter 11- und 13-Jährigen in Frankreich, Belgien und Estland.

Weit vorne bei Mobbing und Schlägereien


Die Studie zeigt weiter, dass Mobbing und die Beteiligung an Schlägereien unter den 11- bis 15-Jährigen verbreitet ist. Jeder dritte Jugendliche gibt an, im vergangenen Jahr an mindestens einer Form aggressiven Verhaltens beteiligt gewesen oder ihr zum Opfer gefallen zu sein. Jedoch schwanken auch diese Zahlen deutlich im Ländervergleich. Deutschland befindet sich bei den 13- und 15-Jährigen unter den ersten vier Ländern, die besonders hohe Mobbingraten aufweisen. Dies trifft auch auf wiederholtes Mobbing von Mitschülern zu.

Auch bei Mobbing-Opfern weist Deutschland hohe Raten auf und befindet sich bei den 13- und 15-Jährigen unter den zehn Ländern mit den jeweils höchsten Raten. Deshalb sind nach Auffassung der Bielefelder Wissenschaftler dringend Präventionsmaßnahmen an deutschen Schulen gefordert. Inzwischen berichten 30 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen, dass sie in den letzten 12 Monaten in eine Schlägerei verwickelt waren.
(Universität Bielefeld, 07.06.2004 - NPO)
 
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