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Mittwoch, 18.01.2017
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Hyänenkinder gucken sich sozialen Status ab

Studie an „adoptierten“ Junghyänen widerlegen Testosteron-Hypothese

Soziales Ansehen und sozialer Status ist nicht nur in der menschlichen Gesellschaft sondern auch im Tierreich wichtig. Bei den Tüpfelhyänen wird der Status von den Müttern an die Kinder nicht über Gene oder Hormone weitergegeben, sondern die Jungen schauen sich ihre Position in der Rangfolge von der Mutter ab. Das berichtet ein internationales Forscherteam jetzt in der online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Behavioral Ecology“.
Tüpfelhyäne

Tüpfelhyäne

Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin und der Universität Sheffield, Großbritannien untersuchten die seltenen Fälle von Adoption unter Hyänen in der Serengeti und dem Ngorongoro-Krater in Tansania. Dadurch konnten sie ausschließen, dass physiologische Einflüsse im Mutterleib oder gentische Faktoren eine Rolle spielen. Sie werteten Beobachtungen aus über 20 Jahren aus und wendeten die aktuellsten molekulargenetischen Methoden zum Nachweis der genetischen Mutterschaft an.

Junge „lernen“ Status der Mutter


Die Studie zeigt, dass junge Tüpfelhyänen während des Heranwachsens aufgrund des Verhaltens ihrer Mutter bei Auseinandersetzungen mit anderen Gruppenmitgliedern erkennen und lernen, welche Mitglieder sie dominieren können. "Dies ist für die Jungtiere enorm wichtig, da in den hoch entwickelten Tiergesellschaften wie den Tüpfelhyänen sozialer Status für die eigene biologische Fitness, also das Überleben und den Fortpflanzungserfolg, wichtiger ist als Umweltfaktoren, Fressfeinde oder Krankheitserreger" erläutert Professor Heribert Hofer vom IZW.

Wenn sie erwachsen sind, verteidigen sie die erlangte Rangposition. Besonders profitieren die Nachkommen hochrangiger Mütter von der Weitergabe des sozialen Status - sie sind als Erwachsene ähnlich privilegiert wie ihre Mütter.


"Jungtiere werden von den Adoptivmüttern kurz nach der Geburt adoptiert. Adoptierte Tüpfelhyänen hatten als erwachsene Tiere immer einen ähnlichen Rang wie die Adoptivmutter, meist waren sie nur gerade einen Rang tiefer gestellt als die Adoptivmutter. Im Gegensatz dazu bestand kein Zusammenhang zwischen dem Rang adoptierter Nachkommen und dem Rang der genetischen Mutter" sagt Marion East vom IZW. "Das zeigt, dass mütterliche Verhaltensunterstützung zur Weitergabe des sozialen Ranges führt."

Testosteron-Hypothese widerlegt


Die Ergebnisse der Studie stehen im Widerspruch zu zwei anderen Ideen zur Weitergabe des sozialen Status bei Säugetiergesellschaften, die häufig diskutiert werden. Die erste dieser Ideen lautet, dass Mütter ihrem Nachwuchs Gene vererben könnten, die den Nachwuchs genauso wettbewerbsfähig machen wie die Mutter. eine zweite Idee besagt, dass der mütterliche soziale Status die Konzentration von mütterlichen Sexualhormonen (Testosteron) bestimmen könnte, die sie an den Fötus während der Schwangerschaft weitergibt.

Das mütterliche Testosteron sollte also den noch ungeborenen Nachwuchs genauso wettbewerbsfähig machen könnte wie die Mutter. "Diese Hypothesen würden einen engen Zusammenhang zwischen dem Rang der adoptierten Jungtiere und ihrer genetischen Mutter vorhersagen. Aber in der Studie gab es für eine derartige Beziehung keine Anhaltspunkte" erklärt Oliver Höner vom IZW.

Der in dieser Studie identifizierte Mechanismus der "Rangvererbung" über mütterliche Verhaltensunterstützung könnte auch bei anderen sozialen Arten wirken, denn das Phänomen der "Rangvererbung" wurde bereits bei vielen Säugetierarten, inklusive mehreren Primatenarten, beschrieben.
(Forschungsverbund Berlin e.V., 26.02.2009 - NPO)
 
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