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Dienstag, 28.03.2017
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Geheimnis der Voyager-Sonde gelüftet

Widerspruch der Sonnenwindmessungen mit Theorie aufgeklärt

Mit einem neuen 3D-Modell zur Energiesimulation sind Wissenschaftler jetzt dem "physikalischen Geheimnis" der Voyager auf der Spur. Bereits vor über 30 Jahren entdeckte das Raumschiff Partikel in kleinen Wirbeln der Sonnenwinde, die heißer waren, als sie nach der gängigen Theorie sein durften. Über ihre Ergebnisse berichteten die Wissenschaftler in Physical Review Letters.

Seit 60 Jahren anerkannt: das 5/3-Gesetz


Nach der Theorie des Mathematikers Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow besteht ein Zusammenhang zwischen der Größe von Windwirbeln und der Menge der Energie, die von den heißen Solarpartikeln abgegeben wird. Je kleiner ein Wirbel wird, desto stärker wirken er und seine Umgebung aufeinander ein, und desto größer wird der Verlust an Energie.

Weg der Voyager-Sonden an den Grenzen des Sonnensystems

Weg der Voyager-Sonden an den Grenzen des Sonnensystems

Zu beobachten ist das zum Beispiel an den Strudeln, die eine Brücke verursacht, deren Pfeiler in einem Fluss stehen. Die Energie der Strudel wird nur an den Rändern abgegeben, wo die kleinsten Wirbel und das ruhig fließende Wasser aufeinander einwirken. Das Gesetz von Kolmogorow legt den Exponenten der Beziehung zwischen Wirbelgröße und Energie auf 5/3 fest: In einer dynamischen Flüssigkeit sollte sich die Menge der freigesetzten Energie um den Faktor x hoch 5/3 erhöhen, wenn sich die Größe eines Wirbels um einen Faktor x verringert.

Beobachtungen widersprechen Theorie


Beobachtungen von Voyager, anderen Raumschiffen und Satelliten zeigen, dass der Energiefluss im Plasma jedoch nicht dem so genannten 5/3-Gesetz von Kolmogorow folgt, sondern eher einem 7/3-Gesetz. Das dynamische Spektrum der Wellenlängen in einem Plasma ist damit wesentlich größer als in anderen hydrodynamischen Systemen. Das bedeutet, dass sich die Leistungsfähigkeit der Energieübertragung zwischen den im Sonnenwind befindlichen heißen Partikeln und kühleren Teilchen um 40 Prozent erhöht.


Der Bochumer Plasmaphysiker Professor Padma Kant Shukla und Dastgeer Shaikh von der University of Alabama haben erstmals durch Computer-Simulation nachgewiesen, dass das nicht-lineare Verhalten der Turbulenzen im Plasma der Sonnenwinde tatsächlich vom bekannten Modell für dynamische Flüssigkeiten und Gase abweicht. Das Computer-Modell erklärt den plötzlichen Anstieg mit der Wechselwirkung zwischen Magnetfeldern und den nach außen fließenden Strömen aus heißen Atomen, Ionen und Elektronen. Das Magnetfeld ist verantwortlich für Energiekaskaden. Beeinflusst und "gedrängt" von Magnetfeldern, dienen die kleinen Wirbel zur "Dämpfung" der in ihnen befindlichen Energie.

Erklärung für gewaltige kosmische Energiemengen


"Dasselbe geschieht auch in einem Mikrowellenherd", sagt Shaikh. "Wenn sich in diesem Gerät nichts befindet, treten die Mikrowellen aus, ohne ihre Energie abzugeben. Doch die Wellen werden in den aufzuwärmenden Lebensmitteln absorbiert, und hierdurch wird die Energie abgegeben, die die Speisen erhitzt." Die Entwicklung der beiden Wissenschaftler hilft zu verstehen, wie die Partikel in den Sonnenwinden enorme Mengen an Energie erhalten.

Shukla: "Damit könnten wir eine Antwort auf die Frage finden, wo die schnellsten und leistungsfähigsten kosmischen Strahlen mit Energie aufgeladen werden.“ Wissenschaftler bemühen sich seit Jahrzehnten intensiv darum, plausible natürliche Prozesse zu finden, mit deren Hilfe erklärt werden könnte, wie einige kosmische Teilchen nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden.
(Ruhr-Universität Bochum, 25.02.2009 - NPO)
 
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