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Samstag, 01.10.2016
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Klimawandel beschleunigt sich

IPCC-Prognosen werden wahrscheinlich übertroffen

Ohne entschiedenes und schnelles Handeln könnte die globale Erwärmung deutlich stärker und schwerwiegender ausfallen als noch im vierten Weltklimabericht des IPCC im Jahr 2007 prognostiziert. Nach Ansicht eines amerikanischen IPCC-Wissenschaftlers könnte der Verlust der Regenwälder als Senken und das Abtauen der Permafrostböden einen Teufelskreis in Gang setzen, der bereits zum Ende dieses Jahrhunderts außer Kontrolle gerät.
Sonnenlicht als Klimafaktor

Sonnenlicht als Klimafaktor

Der vierte Weltklimabericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im Jahr 2007 ging noch von einem Temperaturanstieg bis 2100 von 1,1 bis maximal 6,4 Grad Celsius aus. Doch inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass diese Berechnungen noch zu niedrig gegriffen sein könnten. Während des Jahrestreffens der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Chicago präsentierte Chris Field, Klimaforscher der Stanford Universität und der Carnegie Institution for Science und Mitglied des IPCC-Wissenschaftlerstabs neue Prognosen, die von einer stärkeren und schnelleren Erwärmung ausgehen.

Treibhausgasemissionen steigen weiter


„Wir besitzen nun Daten, die zeigen, dass die Treibbausgasemissionen zwischen 2000 und 2007 weitaus stärker angestiegen sind als wir erwartet hatten“, erklärt Field. „Vor allem, weil Schwellenländer wie China und Indien einen gewaltigen Sprung in der Stromerzeugung erlebten und dieser fast zur Gänze auf Kohle als Brennstoff basiert.“

Nach Ansicht des Forschers wird sich dieser Trend fortsetzen, wenn mehr Entwicklungsländer ihren schnell steigenden Energiebedarf aus Kohle und anderen fossilen Brennstoffen decken. „Wenn wir weiterhin das Energiesystem re-karbonisieren, werden wir in Zukunft große CO2-Emssionen haben“, so Field. „Als Ergebnis werden die Auswirkungen des Klimawandels wahrscheinlich schwerer und vielseitiger sein als noch im vierten Weltklimabericht beschrieben.“


„Es gibt ein echtes Risiko, dass der menschengemachte Klimawandel die Freisetzung von Kohlendioxid aus Wald- und Tundraökosystemen beschleunigen wird, in denen seit Tausenden von Jahren sehr viel Kohlenstoff gespeichert ist“, erklärt der Forscher. „Wir wollen die kritische Schwelle nicht überschreiten, nach der diese massive Freisetzung von CO2 beginnt auf Autopilot zu laufen.“

Regenwald: von Senke zur CO2-Schleuder


Aktuellen Klimamodellen zufolge, könnte der Verlust von tropischen Regenwäldern durch Waldbrände, Abholzung und andere Gründe die atmosphärischen CO2-Konzentrationen um bis zu 100 ppm (parts per million, Teile auf eine Million) erhöhen. Momentan liegt die Konzentration bei 380 ppm – und bereits dies gilt als der höchste Stand der letzen 650.000 Jahre.

„Es wird immer klarer, das viele bewaldete Gebiete, die bisher als Kohlenstoffsenken wirkten, in einer wärmeren Welt zu Kohlenstoffquellen werden könnten“, so Field. „Wir konnten ein Feedback von Kohlenstoff aus Waldgebieten beobachten, das wie ein Fuß auf dem Gaspedal des atmosphärischen CO2 wirkte. Noch wissen wir allerdings nicht, wie stark dieses Feedback ausfallen wird, aber es ist ziemlich klar, das es mit steigender Erwärmung immer wahrscheinlicher wird, dass die Degradation der Tropenwälder die CO2-Werte erhöhen wird.“

Eine weitere, bisher verlässliche Senke für den globalen Kohlenstoffkreislauf ist der Ozean. Doch seine Pufferwirkung könnte sich ebenfalls mit steigenden Temperaturen abschwächen oder sogar ganz aufhören. Studien haben kürzlich gezeigt, dass der Klimawandel bereits beginnt, die Windmuster über dem Südpolarmeer zu verändern. „Während sich die Erde erwärmt, erzeugt dies immer schnellere Winde über den Meeren rund um die Antarktis. Diese wehen im Prinzip das Oberflächenwasser aus dem Weg und ermöglichen es Wasser mit höheren Konzentrationen von gelöstem CO2 an die Oberfläche zu steigen“, so Field. „Dieses CO2-reichere Wasser ist der Sättigung näher und kann daher weniger CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen.”

Wenn die Tundra taut...


Ein weiterer kritischer Bereich sind die Tundrengebiete der Erde. Hier, in den dauerhaft gefrorenen Böden der Permafrostregionen, lagern große Mengen an Kohlenstoff, die bei weiter steigenden Temperaturen freigesetzt werden könnten. „Die neue Schätzung der gesamten in Permafrostböden enthaltenen Menge Kohlenstoffs liegt im Bereich von 1.000 Milliarden Tonnen“, so Field. „Im Vergleich: Die Gesamtmenge CO2, die seit dem Beginn der industriellen Revolution aus fossilen Brennstoffen freigesetzt wurde, liegt bei 350 Milliarden Tonnen.“

Der größte Teil des Kohlenstoffs der Tundrengebiete ist in gefrorenen Pflanzenteilen gespeichert, die seit 25.000 bis 50.000 Jahren tiefgekühlt und damit vor der Zersetzung geschützt konserviert sind. Alle aktuellen Messungen deuten darauf hin, dass die hohen Breiten, in denen die Tundren liegen, besonders stark auf den Klimawandel reagieren und sich schneller erwärmen als der Rest der Welt. „Das Abtauen des Permafrosts könnte daher ein noch stärkerer Fuß auf dem Gaspedal des atmosphärischen CO2 werden“, warnt Field.

Teufelskreise bisher nicht berücksichtigt


„Sowohl Tundra als auch die tropischen Regenwälder besitzen eine Teufelskreis-Komponente, die der vierte Weltklimabericht aber nicht im Detail berücksichtigt hat. Denn zu diesem Zeitpunkt waren sie nicht gut verstanden“, so der Forscher. Im fünften, für 2014 angekündigten Sachstandsbericht des IPCC sollen jedoch neue Erkenntnisse und Daten dies ändern. Doch Handeln sei schon jetzt nötig, betont der Forscher. „Wir müssen einen Weg finden, den Klimaschutzprozess in den hohen Gang zu schalten. Wir haben nur sehr wenig Zeit.“
(Stanford University, 17.02.2009 - NPO)
 
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