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Donnerstag, 09.09.2010
Wale keine Fischkiller
Studie widerlegt alte Hypothese von Walfängern
Walfangnationen wie Japan behaupten gerne, dass Wale in direkter Konkurrenz zur Fischerei stehen und Schuld am Rückgang von Fischbeständen sind. Aus diesem Grund ist ihrer Ansicht nach die Dezimierung von Walbeständen ein geeignetes Mittel, um Fischfangmengen zu erhöhen. Doch eine Freiburger Forscherin hat diese alte Hypothese nun endgültig widerlegt. Sie konnte im Policy Forum von „Science“ zeigen, dass große Wale in tropischen Gewässern der Fischerei die Fische nicht wegfressen.

Buckelwal
Buckelwal
© NOAA/NMML
Die Meeresbiologin Kristin Kaschner untersuchte in der neuen Studie zusammen mit amerikanischen und kanadischen Kollegen die Gewässer Nordafrikas und der Karibik. Die Forscher entwickelten auf der Basis bereits vorhandener Daten Ökosystemmodelle der Meeresgebiete und simulierten, was passieren würde, wenn man die Walbestände in diesen Ökosystemen verringern würde.

Die Ergebnisse zeigen, dass - selbst unter Berücksichtigung der unsicheren Datenlage - eine komplette Ausrottung aller Großwale in den Forschungsgebieten nur zu einem sehr geringfügigen Anstieg der kommerziell genutzten Fischbestände führen würde. Anderseits konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass schon kleine Veränderungen im Fischereimanagement eine deutliche Vergrößerung der Fischbestände zur Folge hätten.

Wertvolle Zeit verschwendet?
Japan als vehementer Befürworter des Walfangs wird in der Diskussion innerhalb der Internationalen Walfangkommission vor allem von Politikern aus neueren Mitgliedsstaaten in Nordwestafrika und der Karibik unterstützt. Es handelt es sich meist um Küstenländer, die an die subtropischen und tropischen Paarungsgebiete der Bartenwale angrenzen - Gewässer, in denen Bartenwale sich nur während der Paarung und zur Aufzucht ihrer Kälber aufhalten und in denen sie gewöhnlich fast nichts fressen.

Trotzdem wird das Thema der Nahrungskonkurrenz zwischen Walen und Fischerei auf den jährlich stattfindenden Treffen der Internationalen Walfangskommission stets neu diskutiert. Es würden wertvolle Zeit und Energie verschwendet, die dafür verwendet werden könnten, um konstruktive Lösungsstrategien zu entwickeln für den schwelenden Dauerkonflikt zwischen Walfängern und Walfangsgegnern, so Kaschner.

Keine Lösung für Fischereiprobleme
Die Wissenschaftler schlussfolgern aus ihrer Arbeit, dass Walfang keinesfalls eine Lösung für die massiven Fischereiprobleme von Entwicklungsländern ist. Stattdessen sollten diese Probleme im größeren Kontext einer globalen Fischereikrise gesehen werden, bei der Faktoren wie lokales Missmanagement, Ausbeutung von tropischen marinen Ressourcen durch Industrienationen sowie auch die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt werden müssten.
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