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Evolution

Evolution im Schneckentempo vor der Haustür

Europaweites Projekt zum Mitmachen startet im Darwin-Jahr 2009

Die Schwarzmündige Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) und die Weißmündige Bänderschnecke (Cepaea hortensis) kommen in verschiedensten Lebensräumen in Europa vor und weisen eine hohe Vielfalt an verschiedenen Gehäusen auf. © UFZ

Europas Biologen suchen Tausende Freiwillige, um die Evolution der Bänderschnecken aufzuklären. Durch möglichst viele Beobachtungen von Schneckengehäusen soll untersucht werden, wie sich die Tiere an Klimawandel und Fressfeinde angepasst haben.

Am 200. Geburtstag von Charles Darwin, dem 12. Februar, starten das Museum für Naturkunde Berlin, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die deutsche Version eines neuen europaweiten Mitmach-Projekes. „Um die Evolution selbst zu erleben und zu erforschen, muss man nicht nach Galapagos reisen. Evolution findet auch bei uns jeden Tag vor der Haustür statt“, erklärt Christian Anton vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der das Projekt in Deutschland koordiniert.

Bänderung als Indikator für Klimaanpassung

Die Schwarzmündige Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) und die Weißmündige Bänderschnecke (Cepaea hortensis) kommen in verschiedensten Lebensräumen zwischen Norwegen und Spanien vor. Selbst in den Alpen schaffen sie es auf bis weit über 1.000 Meter Höhe. Ihre Gehäuse sind gelb, rot oder braun und haben bis zu fünf Bänder. Damit tarnen sie sich in den verschiedensten Lebensräumen vor der Singdrossel, von der sie gefressen werden. Die Farbe des Schneckenhauses beeinflusst auch die Temperatur der Schnecke. So werden dunkle Schnecken im Licht schneller warm als helle. In kühlen Gegenden sind daher mehr dunkle Schneckenhäuser zu finden.

Die Zahl der Bänder und die farbliche Anpassung der Bänderschnecken an Lebensraum und Klima ist ein Beispiel für Evolution. Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen. Haben sich die Schnecken bereits angepasst? Sind heute mehr gelbe Schnecken zu finden als früher? Antworten auf diese Fragen erhoffen sich die Forscher von freiwilligen Beobachtern in ganz Europa.

Europaweit werden im Darwin-Jahr 2009 Freiwillige gesucht, um die Evolution der Schwarzmündigen Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) aufzuklären. © Al Geer/ Evolution MegaLab

Bänderschnecke gibt Einblick in lebendige Evolution

„Die Evolution ist nicht abgeschlossen, sondern ein fortwährender Prozess. Wir begegnen ihr ständig und sie erinnert jeden von uns an Wandel und Vergänglichkeit. Wer genau hinschaut, blickt sogar in unsere Zukunft und erkennt den Teil im Ganzen. Die Betrachtung der Bänderschnecke gibt daher Einblick in die Evolution auch unseres Lebens“, so der Fernsehjournalist und -moderator Ranga Yogeshwar, der das Projekt unterstützt.

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Das Mitmachen bei dem bisher einmaligen Experiment ist ganz leicht: Schnecken suchen, die wichtigsten Merkmale (Farbe, Anzahl der Bänder und Ort des Fundes) notieren und auf der Internetseite www.evolutionmegalab.org eintragen. Gleich danach werden die Daten auf der Karte angezeigt. Nach und nach wird so ein europaweites Bild entstehen, das Evolution nachvollziehbar macht. Die Projektseite bietet neben Hintergrundinformationen auch Tipps zum Mitmachen.

Mit ein wenig Glück finden die Teilnehmer auf der Karte mit den historischen Daten einen Fundpunkt in ihrer Nähe. In diesem Fall kann man den alten Fundpunkt untersuchen und entdecken, ob die Evolution aktiv war. Momentan sind erst 200 historische Populationen zu sehen. Weitere 700 werden in den nächsten Wochen folgen. Die Forscher hoffen, dass im Darwin-Jahr 2009 möglichst viele weitere Daten über die kleinen Schleimer mit den bunten Gehäusen dazu kommen werden.

(Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, 09.02.2009 – NPO)

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