• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 26.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Spray hilft gegen Mukoviszidose

Neue Hoffnung auf vorbeugende Therapie gegen gefährliche Erbkrankheit

Heidelberger Wissenschaftlern ist es gelungen, schwere Lungenschäden bei Mukoviszidose im Tiermodell zu verhindern, indem sie jungen Mäusen den Wirkstoff Amilorid in die Lunge gesprayt haben. Dabei handelt es sich um die erste Therapie, die in einem lebenden Organismus erfolgreich an der Ursache der weit verbreiteten Erbkrankheit angreift, so die Forscher im „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“.
Erhalten Mäuse von den ersten Lebenstagen an eine Inhalationstherapie mit dem Medikament, bilden sich keine Schleimpfropfen in der Lunge, Atemwegsentzündungen und chronische Lungenschäden bleiben aus. Die Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg haben somit erstmals gezeigt, dass eine präventive Therapie der Lungenerkrankung bei Mukoviszidose möglich ist.

Häufigste tödlich verlaufende Erbkrankheit


Mukoviszidose oder Cystische Fibrose (CF) ist die häufigste tödlich verlaufende Erbkrankheit in Westeuropa und Nordamerika. In Deutschland leiden rund 8.000 Menschen daran. Weitere fünf Prozent der Bevölkerung, also rund vier Millionen Menschen, sind gesunde Merkmalsträger, die diese Erkrankung weitervererben können - meist ohne es zu wissen.

Ursache für alle Symptome bei Mukoviszidose sind Fehler an einer bestimmten Stelle im Erbgut: Eine Veränderung im so genannten CFTR-Gen - Cystis Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator-Gen - führt zu verstärktem Salz- und Wasserentzug von den Oberflächen der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen. Es bildet sich trockener, zäher Schleim, der verklumpt und nicht abtransportiert werden kann. Chronische Lungenentzündung sowie schwere Störungen von Atmung und Verdauung sind die Folge.


Derzeit steht noch keine Therapie zur Verfügung, die direkt am Ursprung der Erkrankung ansetzt. Es können lediglich Symptome wie Lungenentzündungen, Atemnot und Sauerstoffmangel behandelt werden.

Amilorid hemmt hyperaktive Natrium-Kanäle


Mit Hilfe eines von ihm entwickelten Mausmodells hat Dr. Marcus Mall, Leiter des Mukoviszidose-Zentrums am Heidelberger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, bereits gezeigt: Für die verstärkte Aufnahme von Salz und Wasser durch die Schleimhäute sind bestimmte Natrium-Kanäle auf den Atemwegszellen verantwortlich - sie sind hyperaktiv.

In der neuen Studie prüfte das Team um Mall, ob die Hemmung dieser hyperaktiven Natrium-Kanäle durch den Wirkstoff Amilorid die Befeuchtung der Atemwegsoberflächen verbessern und Lungenschäden entgegenwirken kann. Dabei zeigte sich: In den ersten Lebenstagen verabreicht, verhindert Amilorid im Mausmodell die typischen Symptome der Mukoviszidose sowie die Ausbildung beziehungsweise Entwicklung einer chronischen Lungenerkrankung.

Waren die Symptome allerdings bereits vorhanden, trat keine Besserung durch die Behandlung ein. „Ein chronischer Lungenschaden verhindert offensichtlich die Wirkung von Amilorid. Das deutet darauf hin, dass die Veränderungen, die die Erkrankung in der Lunge auslöst, möglicherweise irreversibel sind“, erklärt Mall.

Pilotprojekt zum Neugeborenen-Screening


„Mit Amilorid könnte erstmals eine vorbeugende Therapie der Mukoviszidose möglich sein, die direkt am Basisdefekt angreift. Dazu müssen betroffene Kinder allerdings sehr früh identifiziert werden“, so Mall weiter. Bei den Patienten zeigen sich die ersten Symptome der Erkrankung jedoch oftmals erst im Alter von mehreren Monaten oder Jahren. Dann ist es zu spät für die präventive Therapie.

In enger Zusammenarbeit mit dem Stoffwechselzentrum Heidelberg läuft daher seit Mai 2008 ein Pilotprojekt zum Neugeborenen-Screening für Mukoviszidose, wie es in den USA und einigen europäischen Ländern schon flächendeckend eingeführt ist. Die Untersuchung kann im Rahmen der Regeldiagnostik von Stoffwechselerkrankungen mit Fersenblut des Neugeborenen erfolgen und erlaubt, die Diagnose in den ersten Lebenswochen, das heißt vor dem Auftreten der ersten Symptome zu stellen.

Weitere Forschung geplant


Auch mit herkömmlichen Methoden verbessert eine frühe Behandlung Lebensqualität und Lebensdauer der Betroffenen. Zusätzlich könnten die im Neugeborenen-Screening identifizierten Patienten nun von der präventiven Inhalationstherapie mit Amilorid profitieren. Dies wollen die Mediziner des Mukoviszidose-Zentrums künftig in weiteren Studien überprüfen.
(idw - Universitätsklinikum Heidelberg, 06.02.2009 - DLO)
 
Printer IconShare Icon