• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 22.10.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Ursache einer seltenen Gehirnkrankheit aufgedeckt

Neue Erkenntnisse zur Rasmussen-Enzephalitis vorgelegt

Eine Entzündung im Gehirn, epileptische Anfälle, schlimme Spätfolgen: Die Rasmussen-Enzephalitis ist eine schwere Erkrankung und trifft vor allem Kinder. Über ihre Entstehung gab es bisher nur Vermutungen. Für mehr Klarheit haben jetzt Forscher aus Würzburg, Bonn und Martinsried gesorgt. Sie berichten über ihre Ergebnisse im Fachblatt „Brain“.
Gehirn

Gehirn

Die Rasmussen-Enzephalitis ist relativ selten. In Deutschland diagnostizieren Ärzte pro Jahr weniger als 50 Fälle. Die Patienten sind dabei in der Regel jünger als zehn Jahre.

Symptome und Behandlung


Typisch für diese chronisch entzündliche Erkrankung: Sie befällt nur eine Hirnhälfte und zerstört sie in einem Prozess, der Monate bis Jahre dauern kann. Die Krankheit endet in der Regel mit schweren Defektzuständen oder tödlich.

Die Betroffenen leiden zunächst hauptsächlich an epileptischen Anfällen, die sich mit Medikamenten kaum behandeln lassen. Im weiteren Verlauf kommen Spätfolgen wie Sprachstörungen oder Lähmungen der Arme und Beine dazu.


„Ein chirurgischer Eingriff ist leider oft die letzte Therapiemöglichkeit“, erklärt Professor Heinz Wiendl von der Universität Würzburg. Den Kindern werden dann große Teile der erkrankten Gehirnhälfte entfernt, damit die Schäden nicht weiter ausufern. Damit bekommt man die epileptischen Anfälle in den Griff, die neurologischen Defizite aber bleiben.

Schäden im Gehirn von Immunzellen verursacht


„Für die Schäden, die bei dieser Krankheit im Gehirn entstehen, sind Immunzellen verantwortlich, die so genannten zytotoxischen CD8-positiven T-Zellen“, sagt Wiendl. Das hat sein Team zusammen mit dem Zentrum für Epilepsie der Universitätsklinik Bonn und dem Max-Planck-Institut für Neuroimmunologie in Martinsried herausgefunden.

Wiendls Team hat die Immunzellen aus dem Blut und dem Gehirn von Rasmussen-Patienten analysiert. Ergebnis: Die zytotoxischen T-Zellen im Gehirn der Patienten sind auf wenige Zielmoleküle spezialisiert, während die T-Zellen von gesunden Menschen auf Billiarden verschiedene Zielmoleküle anspringen.

„Das ist ein eindeutiger immunologischer Hinweis darauf, dass die T-Zellen der Patienten nicht unspezifisch durch eine Entzündung ins Nervensystem gelockt werden. Vielmehr suchen sie im Gehirn der Patienten gezielt die Moleküle, auf die sie spezialisiert sind, und zerstören sie dann“, so Wiendl.

Patient mit Rasmussen-Enzephalitis

Patient mit Rasmussen-Enzephalitis

Wo sich die Immunzellen im Gehirn ansiedeln


Die Forscher haben noch mehr herausgefunden: Die gefährlichen T-Zellen befinden sich im Gehirn sehr häufig direkt bei Nervenzellen und Sternzellen (Astrozyten), die für die Funktion des Zentralen Nervensystems wichtig sind.

Oft schmiegen sich die krank machenden T-Zellen eng an diese beiden Zelltypen an. Viele von ihnen speichern außerdem das Protein Granzym B- was für eine hohe zellschädigende Aktivität spricht.

Wie die Forscher weiter vorgehen


Fazit der Wissenschaftler: Die Rasmussen-Enzephalitis entsteht durch einen gezielten Angriff des Immunsystems auf bislang unbekannte Strukturen im Gehirn. „Diese Strukturen befinden sich sehr wahrscheinlich auf den Nervenzellen und den Astrozyten“, sagt Wiendl.

Möglicherweise gehören die Strukturen zum eigenen Körper, möglicherweise sind sie Bestandteile bislang unbekannter Viren. Wie sie genau aussehen, soll im nächsten Schritt geklärt werden. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher in zwei bis drei Jahren.
(idw - Universität Würzburg, 02.02.2009 - DLO)
 
Printer IconShare Icon