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Donnerstag, 24.05.2012
Forscher bohren den Nordpol an
Meeressedimente sollen Informationen über das Klima der Arktis liefern
Im Rahmen der "Arctic Coring Expedition" (ACEX) machen sich im August 2004 drei Eisbrecher auf den Weg Richtung Nordpol, um Bohrungen am arktischen Meeresboden vorzunehmen.

Meereis
Meereis
© NOAA
Durch Untersuchungen von Meeressedimenten will ein internationales Team von Wissenschaftlern die arktische Klima- und Umweltgeschichte der letzten 50 Millionen Jahre nachzeichnen: von der Zeit vor der Entstehung des arktischen Meereises bis hin zur heutigen Klimaepoche, die vom menschlich verursachten Treibhauseffekt geprägt ist. Bislang gibt es dafür aus dieser Region kein Untersuchungsmaterial.

Nach Abschluss der Expedition werden die gewonnenen Bohrkerne in das Sediment-Kernlager des DFG-Forschungszentrums "Ozeanränder" an der Universität Bremen gebracht, wo eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern im kommenden November detaillierte Untersuchungen durchführen wird. ACEX ist der erste europäische Beitrag zu einem neuen internationalen Forschungsprogramm der Geowissenschaften, dem Integrated Ocean Drilling Program (IODP), das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten zehn Jahren mit rund 50 Millionen Euro unterstützen wird.

Die Expedition zum Nordpol ist ein in wissenschaftlicher, technischer und logistischer Hinsicht spektakuläres Projekt. Zum ersten Mal werden aus dem eisbedeckten arktischen Meer Sedimentbohrkerne geborgen - ein Umweltarchiv, das Auskunft über klimatische Veränderungen vergangener Zeiten gibt. Die Bohrkerne geben Aufschluss über Wassertemperaturen, Salzgehalt und Meeresströmungen und liefern zudem Informationen darüber, wie und wann sich das Meereis der Arktis gebildet hat. Diese Erkenntnisse sind von hoher Bedeutung für das Verständnis globaler Klimaveränderungen.

Bohrungen am Lomonosow-Rücken
Die Bohrungen finden in unmittelbarer Polnähe am Lomonosow-Rücken statt. Dieser untermeerische Gebirgszug erstreckt sich von Nordgrönland quer durch das Polarmeer bis nach Sibirien. Die Gewinnung von Sedimenten im Arktischen Meer erfordert hohen logistischen Aufwand. Daher wird die Expedition mit drei Eisbrechern durchgeführt: der Vidar Viking als speziell ausgerüstetem Bohrschiff, der schwedischen Oden sowie dem russischen Atomeisbrecher Sowetski Sojus. Die Bohrungen in etwa 1 000 Metern Wassertiefe werden von der Vidar Viking aus vorgenommen. Aufgabe der beiden anderen Eisbrecher ist es, das Bohrschiff während der rund dreiwöchigen Arbeiten vor driftenden Eisschollen und meterdicken Packeisrücken zu schützen.

Im November 2003 wurde das europäische Konsortium für marine Forschungsbohrungen ECORD gegründet, um als gemeinsame europäisch-kanadische Initiative dem IODP beizutreten und die Infrastruktur für spezielle Forschungsprojekte bereitzustellen. Die USA und Japan als weitere Träger des IODP stellen je ein Bohrschiff zur Verfügung. Projekte wie ACEX, für die diese Schiffe ungeeignet sind, werden von ECORD organisiert und finanziert. Die DFG hat die Vorbereitungen zu ECORD wesentlich vorangetrieben und leistet nun, neben Frankreich und Großbritannien, den größten finanziellen Beitrag.

Das Bremer DFG-Forschungszentrum "Ozeanränder" nimmt eine Schlüsselposition in diesem Programm ein, da es eines von weltweit vier Sediment-Kernlagern unterhält. Diese Kernlager sind Treffpunkte für marine Geowissenschaftler aus vielen Nationen.

ACEX wird am 3. Juni in London der Öffentlichkeit vorgestellt.
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