Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Magenmikrobe erklärt Menschheitsgeschichte
Helicobacter pylori legt Besiedlung von Australien und dem Pazifik offen
Mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung trägt Helicobacter pylori-Bakterien in sich. Die Mikroben treten dabei auf verschiedenen Kontinenten in abgewandelter Form auf. Bisher unterschieden Biologen fünf Bakterienpopulationen. Forscher haben nun eine neue Population von Helicobacter pylori (Hp) entdeckt, die den Ureinwohnern Australiens und Neuguineas eine gemeinsame Wiege bescheinigt.
Magenbakterium Helicobacter pylori
Magenbakterium Helicobacter pylori
© CDC Magenbakterium Helicobacter pylori
Die in der aktuellen Ausgabe von „Science“ vorgestellte Studie des internationalen Wissenschaftlerteams um Mark Achtman vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin beziehungsweise von der Universität Cork in Irland bestätigt und ergänzt zudem die Studien von Archäologen, Sprachwissenschaftlern und Humangenetikern: Der Pazifik wurde in zwei Wellen von Einwanderern besiedelt.

Urahnen des modernen Menschen lebten vor mehr als 30.000 Jahren
Die ältesten Ahnen des modernen Menschen lebten schon vor 31.000 bis 37.000 Jahren in Australien und Neuguinea. Sie kamen durch eine Völkerwanderung aus Asien, die von der Helicobacter-Population hpSahul begleitet wurde.

Die Wissenschaftler fanden dieses Bakterium bei den Ureinwohnern Australiens sowie der Hochebene Neuguineas, die wahrscheinlich während der letzten Eiszeit von Asien nach Sahul zogen. Damals hatten sich Australien, Neuguinea und Tasmanien zum Kontinent Sahul vereinigt.

HspMaori, eine Unterart der Population hpOstasien, war das zweite Bakterium, das eine Völkerwanderung im Pazifik begleitete. Seine Verbreitung im Magen der meisten Ureinwohner Taiwans, Melanesiens und Polynesiens belegt die zweite große Völkerwanderung von Taiwan aus in Richtung Melanesien und Polynesien.

Helicobacter pylori
Helicobacter pylori
© MPI für Infektionsbiologie / Achtman Helicobacter pylori
Mikrobe hilft Völkerwanderungen zu rekonstruieren
Achtman beschäftigt sich seit 1998 mit Helicobacter pylori. Das Buch „Guns, Germs and Steel“ von Jared Diamond, das die Entwicklung der Völker in Europa und Asien beschreibt, brachte ihn auf die Idee, Völkerwanderungen mithilfe des Magenbakteriums nachzuvollziehen. Die aktuelle Studie baut auf Ergebnisse auf, die der Wissenschaftler in früheren Untersuchungen gewann.

„Mittlerweile ist bekannt, dass Helicobacter pylori regional verschieden ist“, erklärt Achtman. „Vor etwa zehn Jahren entdeckten wir, dass sich die Bakterien in Europa von denen in China unterscheiden. 2003 konnten wir zeigen, dass eine Art der Bakterien mit den Sklaven nach Nordamerika kam.“ Als Achtman schließlich im Jahr 2004 in Nordindien unterschiedliche Bakterien bei Muslimen und Buddhisten fand, sei ihm endgültig klar gewesen, dass sich Völkerwanderungen anhand der Helicobacter pylori gut darstellen lassen.

Perfekte internationale Zusammenarbeit
Die Proben, auf denen die aktuellen Untersuchungen basieren, stammen aus verschiedenen Quellen. In einigen Ländern bekamen die Wissenschaftler diese direkt von Ärzten und Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. In anderen Ländern vermittelten die Mediziner ihnen Ureinwohner, die bereit waren, sich an der Studie zu beteiligen. So nahmen Highlander aus Neuguinea ebenso teil wie Nachfahren der Ureinwohner Australiens, die mitten in der australischen Wüste leben. Der japanische Wissenschaftler Yoshio Yamaoka lieferte die Bakterien aus Taiwan. Barry Marschall, Nobelpreisträger von 2005, und Helen Windsor haben die Studie mit Magenkeimen aus Australien unterstützt.

„Erstaunlich ist, dass in keiner der Stichproben hpSahul und hspMaori nebeneinander existierten“, erklärt Achtman. Das habe er bisher bei keiner seiner Studien erlebt. Dafür wären drei Erklärungen möglich: Entweder haben die verschiedenen Ureinwohner untereinander wenig Kontakt oder eine Bakterienpopulation ist robuster ist als das andere und verdrängt diese. Es könnte darüber hinaus auch ein bislang nicht untersuchtes Gebiet geben, wo hpSahul und hspMaori nebeneinander leben.

„Das Inselreich des Pazifik ist so groß, dass es nicht möglich war, alle Inseln in dieser Untersuchung zu berücksichtigen“, erklärt Achtman. Der Forscher, der jetzt an der Universität Cork arbeitet, würde gerne mehr pazifische Inseln untersuchen, um diese Frage besser beantworten zu können.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Magen, Mikroben, Bakterien, Erreger, Helicobacter pylori, Menschheit, Besiedlung, Australien, Neuguinea
Weitere News zum Thema
Proteine verraten mehr über Ötzis Tod (10.06.2013)
Gletschermann erlitt Blutergüsse im Gehirn, bevor sie starb
Zehn Jahre Mars Express (03.06.2013)
Raumsonde liefert bis heute entscheidende Einblicke in die Geschichte des Roten Planeten
Genfer See überraschend hoch mit Plastikmüll belastet (29.05.2013)
Gewässer in ganz Europa könnten mit Mikro-Kunststoffresten verunreinigt sein
Weltraum-Teleskop Herschel geht in Ruhestand (02.05.2013)
Nach dreieinhalb Jahren ist das Kühlmittel des Infrarot-Teleskops aufgebraucht
Dem Rätsel der dunklen Blitze auf der Spur (25.04.2013)
Extrem energiereiche, aber unsichtbare Gammablitze entstehen häufiger als gedacht
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Bakterien
Neandertaler
Frühmenschen
Dossiers zum Thema
Gene auf Wanderschaft
Was verrät unser Erbgut über die Migration des Menschen?
Der Streit um den Neandertaler
Anmerkungen zur Evolution des Menschen
Projekt Neandertaler
Gene lösen Rätsel um eiszeitlichen Vetter
Rückkehr der Seuchen
Der Krieg gegen die Mikroben geht weiter
Extremophile
Grenzgänger im Reich der Kleinsten
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
Vogelgrippe
Vom Tiervirus zur tödlichen Gefahr für den Menschen
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Terra Australis Incognita
Auf der Suche nach dem Südkontinent
Die Wikinger im Bernsteinland
Auf der Suche nach Siedlungsspuren in Wiskiauten
News des Tages
Magenmikrobe erklärt Menschheitsgeschichte
Architektur von Proteinschmieden enthüllt
Kopfschmerzexperten ziehen Migräne an
Energiekrise: Sind Bakterien die Rettung?
"Gefrorene Miene" erschwert die Verständigung
Extremwetter im Supercomputer
Bücher zum Thema
Der Kampf zwischen Mensch und Mikrobe
2 CDs (Audio CD) von Stefan H. E. Kaufmann (Erzähler), Klaus Sander (Produzent)
Wächst die Seuchengefahr?
von Stefan H. E. Kaufmann und Susan Schädlich
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Die Ursprünge der Menschheit
von Fiorenzo Facchini
Das Rätsel der Menschwerdung
von Josef H. Reichholf
Neandertal
Die Geschichte geht weiter von Ralf W. Schmitz und Jürgen Thissen
Adams Eltern
Expeditionen in die Welt der Frühmenschen von Friedemann Schrenk & Timothy G. Bromage
Abenteuer Evolution
Die Ursprünge des Lebens von Walter Kleesattel
Das ist Evolution
von Ernst Mayr
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Frühe Steinzeitbauern bevorzugten Inzucht
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst