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Freitag, 03.09.2010
Ein Meter Meeresspiegelanstieg in hundert Jahren
Neue Studie übertrifft IPCC-Prognosen um das Dreifache
Der Meeresspiegel könnte in den nächsten hundert Jahren einen Meter höher steigen als heute – und damit drei Mal so viel wie es der Bericht des Weltklimarats IPCC prognostiziert hat. Das ist das Ergebnis einer jetzt im Fachmagazin „Climate Dynamics“ erschienen Studie eines internationalen Forscherteams.

Klima und Meer
Klima und Meer
© IMSI MasterClips
Nach den Prognosen des letzten Klimaberichts des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wird das globale Klima im nächsten Jahrhundert um zwei bis vier Grad wärmer sein als heute. Der große Unsicherheitsfaktor bei dieser Prognose liegt im Verhalten der Eisschilde. Wie schnell sie schmelzen und ihr Schmelzwasser ins Meer abgeben, können auch die Modelle nur in Teilen vorhersagen. Zudem passen die schnellen Änderungen des Eisverhaltens der letzen Jahre nicht zu den modellierten Vorgaben.

Meeresspiegeldaten der Vergangenheit als Basis
Jetzt haben Wissenschaftler des Niels Bohr Institutes der Universität von Kopenhagen gemeinsam mit Kollegen aus England und Finnland einen anderen Ansatz gewählt, um diese Unsicherheiten zu verringern. „Anstatt Berechnungen anzustellen, die auf dem basieren, was möglicherweise nach dem Schmelzen der Eisschilde geschehen wird, beruhen unsere Kalkulationen auf dem, was in der Vergangenheit bereits geschehen ist“, erklärt Aslak Grinsted, Geophysiker am Zentrum für Eis und Klima der Universität Kopenhagen. „Wir haben uns den direkten Zusammenhang zwischen der globalen Temperatur und dem Meeresspiegel vor 2.000 Jahren angeschaut.“

Anstatt über das Eisverhalten auf das Meeresverhalten zu schließen, gingen die Forscher genau den umgekehrten Weg. Mithilfe von Daten aus den Jahresringen von Bäumen und Eisbohrkernen ermittelten die Forscher die Temperaturen und Meeresspiegel für einen Zeitraum von rund 300 Jahren, beginnend 2.000 Jahre vor heute. Klimainformationen über diese Phase existieren auch schon in Form historischer Aufzeichnungen für verschiedene Orte der Welt, so dass die Forscher beide Datenquellen kombinieren konnten.

Ein Meter Anstieg bis zum nächsten Jahrhundert
So lag der Meeresspiegel beispielsweise im 12. Jahrhundert, während einer Warmperiode, rund 20 Zentimeter höher als heute, im 18. Jahrhundert dagegen, währen der kleinen Eiszeit, rund 25 Zentimeter niedriger. Als die Wissenschaftler diese Daten in ein Klimamodell einspeisten und damit Prognosen für die Zukunft ausgaben, kamen sie auf Werte für den Meeresspiegelanstieg, die deutlich über den Prognosen des IPCC liegen. 0,9 bis 1,3 Meter könnten demnach die Ozeane im kommenden Jahrhundert ansteigen.

Eis schmilzt schneller als gedacht
Ein so rapider Anstieg bedeutet auch, dass die Eisschilde schneller schmelzen als zuvor angenommen. Das allerdings passt gut zu den jüngsten Beobachtungen von Klimaforschern, nach denen das Eis vor allem der Arktis deutlich stärker auf die Temperaturveränderungen reagiert als noch vor ein paar Jahren gedacht. Studien der letzen Eiszeiten zeigen zudem, dass ein rapider Eisverlust durchaus möglich ist. Vor rund 11.700 Jahren schmolzen die Eismassen so schnell, dass der Meeresspiegel um elf Millimeter pro Jahr stieg – das entspricht einem Meter in rund hundert Jahren. Rechnet man die heutige Geschwindigkeit hoch, könnte diese Rate zu ähnlichem Ergebnis führen.
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