Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Fliegende Bienen stoppen gefräßige Raupen
Neue Methode zur biologischen Schädlingsbekämpfung identifiziert
Gefräßige Raupen können in Gärten und auf Feldern große Schäden anrichten. Würzburger Biologen haben nun aber eine neue raffinierte Methode entwickelt, um den hungrigen Tieren Einhalt zu gebieten. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „Current Biology“.

Wo Bienen fliegen, fühlen sich Schmetterlingsraupen gestört
Wo Bienen fliegen, fühlen sich Schmetterlingsraupen gestört
© Helga R. Heilmann / Beegroup Wo Bienen fliegen, fühlen sich Schmetterlingsraupen gestört
Meist sind es dicke Schmetterlingsraupen, die sich an den Blättern von Kohl, Salat & Co. satt fressen. Aber auch die proteinreichen Raupen selbst sind begehrtes Futter. Unter anderem vor Faltenwespen müssen sie auf der Hut sein.

Das schaffen die Raupen mit feinsten Sinneshärchen: Sie registrieren damit die Luftbewegung, die beim Herannahen einer Wespe durch deren Flügelschlag entsteht. Die Raupen lassen sich dann auf den Boden fallen oder bleiben regungslos sitzen. So sind sie außer Gefahr - denn die Wespen jagen nur Beute, die sich bewegt.

Bienen bringen Raupen in Dauerstress
Honigbienen haben in etwa die gleiche Körpergröße und Flügelschlagfrequenz wie Faltenwespen. Die Raupen können mit ihren einfachen Sinneshärchen nicht unterscheiden, ob sich eine gefährliche Wespe oder eine harmlose Honigbiene nähert.

Kommen häufig Bienen in ihre Nähe, so bedeutet das für die Raupen ständigen Stress. Die Folge: Sie fressen bis zu 70 Prozent weniger Blattmasse als Raupen, die „bienenfrei“ leben. Das haben jetzt Jürgen Tautz und Michael Rostás vom Biozentrum der Universität Würzburg in Experimenten gezeigt.

Die Experimente im Käfig
Die Forscher platzierten im Botanischen Garten zwei große Käfige, in denen Paprika und Sojabohnen wuchsen. Beide Käfige bestückten sie mit den Raupen eines Eulenfalters, der bei Gemüsebauern als extremer Schädling bekannt ist.

In einem Käfig durften die Raupen ungestört fressen. In den anderen ließen die Forscher Honigbienen einfliegen, die dort eigens für sie platzierte Futterstellen besuchten. Der Flugverkehr störte die Raupen so sehr, dass sie bis zu zwei Drittel weniger Blätter vertilgten als die Raupen in dem anderen Käfig.

Geplant: Versuche im Bio-Landbau
Ob sich Gärtner und Landwirte diesen Effekt zunutze machen können, wollen die Würzburger Wissenschaftler im kommenden Frühjahr testen. „Wir suchen nach einem Bio-Hof, der dazu bereit ist, ein Gemüsefeld auf besondere Weise anzulegen - nämlich schön bunt mit Wildblumen garniert“, sagt Tautz. Die Blüten sollen vermehrt Bienen anlocken. Ob sich deren Treiben auch im Freiland ähnlich auf Raupen auswirkt wie im Käfig, das wollen die Würzburger Forscher dann genau überprüfen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Bienen, Raupen, Pflanzen, Schädlinge, Natur, Wespen, Ökologie, Blätter
Weitere News zum Thema
Bienen: Schnellste Farbsicht im Tierreich (19.03.2010)
Hochgeschwindigkeitssehen funktioniert bei Bienen sogar in Farbe
Blütenpflanzen älter als gedacht (18.03.2010)
Neuer molekulargenetischer Stammbaum macht Angiospermen 75 Millionen Jahre älter
Bienenwolf schützt sich mit Antibiotika-Cocktail (01.03.2010)
Grabwespen-Larven nutzen symbiotische Bakterien auf ihrem Kokon gegen Infektionen
Spritzmittel bedrohen Artenvielfalt in Europa (12.02.2010)
Pestizide als Hauptursache für Verlust von Pflanzen- und Tierarten in Kulturlandschaft enthüllt
Honigbienen erkennen menschliche Gesichter (01.02.2010)
Einprägen von spezifischem Muster auch in Abstraktion
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Schmetterlinge
Käfer
Muster der Natur
Nobody is perfect
Dossiers zum Thema
Mit Bienen im Gespräch
Chemische und akustische Kommunikation sozial lebender Insekten
Gefährliche Giftmischer
Tiere und ihre Toxine
Chemische Keule und betörender Duft
Verteidigungsstrategien von Pflanzen
Naturschutz
Der Ast auf dem wir sitzen...
Maskenball im Tierreich
Tarnen und Täuschen als Überlebensstrategie
Das Geheimnis des Fliegens
Tierischen Flugkünstlern auf der Spur
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
News des Tages
Meteoriteneinschlag schuld am Ende der Clovis-Kultur?
2008: Über 220.000 Tote durch Naturkatastrophen
Fliegende Bienen stoppen gefräßige Raupen
Fenchel ist Arzneipflanze des Jahres
Erdbeben werden vorhersagbar
Gespensterfisch hat vollen Durchblick
Bücher zum Thema
Fantastisches Tierreich
Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer
Einführung in die Ökologie
von Wolfgang Tischler
Phänomen Honigbiene
von Jürgen Tautz
Verborgene Welten
Das geheime Leben der Insekten von David Attenborough
Das geheime Leben der Tiere
Ihre unglaublichen Fahigkeiten, Leistungen, Intelligenz und magischen Kräfte von Ernst Meckelburg
Unsichtbare Welten
Von der Schönheit des Mikrokosmos von France Bourely
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden
5. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte