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Dienstag, 24.01.2017
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Auch 2008 unter den zehn wärmsten Jahren

Klima durch Extreme und Wetterkatastrophen geprägt

Das Jahr 2008 ist das zehntwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, das zeigen die Datenauswertungen der World Meteorological Organization (WMO). Wenn ein mittelstarker La Nina-Effekt nicht für Abkühlung gesorgt hätte, wäre die Durchschnittstemperatur sogar noch höher gestiegen.
Zyklon Nargis über Myanmar

Zyklon Nargis über Myanmar

In ihrer Jahresbilanz 2008 meldet die WMO, dass auch dieses Jahr, wie schon nahezu alle vorhergehenden Jahre, wieder unter den Top Ten der wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen gelandet ist. Die Jahresdurchschnittstemperaturen, kombiniert für Meeres- und Landflächenwerte, lagen 2008 bei 0,31°C über dem langjährigen Bezugsdurchschnitt von 1961 bis 1990 von 14,0°C. Damit waren die Temperaturen leicht niedriger als die der vorhergehenden Jahre. Dies ist allerdings nicht auf ein Nachlassen der globalen Erwärmung zurückzuführen, sondern auf einen mittleren bis starken La Nina-Effekt, der besonders im Pazifikraum, aber auch global, für Abkühlung sorgte.

Rekordschmelze bei arktischem Meereis


Ungeachtet dessen erlebte die Arktis in diesem Jahr die zweitniedrigste Eisausdehnung des Sommereises seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979. Nur noch 4,67 Millionen Quadratkilometer umfasste die arktische Eisfläche, wenig mehr als im Rekordjahr 2007. Weil aber das Eis 2008 gleichzeitig so stark ausgedünnt war, lag das Eisvolumen insgesamt so niedrig wie in keinem anderen Jahr zuvor.

Besonders dramatisch war das Verschwinden von nahezu einem Viertel des massiven Schelfeises an der Ellesmere-Insel. Das mehr als 70 Meter dicke Eis, das noch vor einem Jahrhundert 9.000 Quadratkilometer bedeckt hatte, schrumpfte 2008 bis auf einen Rekordwert von nur noch 1.000 Quadratkilometer. Die Sommersaison 2008 bestätigt damit noch einmal den rapiden Abwärtstrend des Arktiseises.


Viel zu warm


Das Jahr 2008 war in vielen Teilen der Erde auch durch zahlreiche klimatische Extreme und Extremwetterkatastrophen geprägt, so die WMO. In ganz Europa herrschten in diesem Jahr wärmere Temperaturen als normal, besonders mild waren Januar und Februar. In einigen Regionen Skandinaviens stieg das Thermometer 7°C höher als üblich für diese Jahreszeit und machte den Winter 2007/20008 zum wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in diesen Gebieten.

Auch der April war in weiten Teilen Europas zu warm, in Südwesteuropa und dem Nahen Osten gab es einige Hitzewellen. Besonders warm wurde es im Juli in Teilen Argentiniens, in Paraguay, Südost-Bolivien und Südbrasilien. Hier machten Werte von mehr als 3°C über dem Durchschnitt den Monat zum wärmsten Juli seit 50 Jahren. Eine ähnlich rekordverdächtige Wärmephase erlebte die Region um Buenos Aires in Argentinien im November 2008. Im März kam es im Süden Australiens zu einer Hitzewelle, die Adelaide 15 Tage hintereinander Temperaturen über 35°C brachte und damit ebenfalls einen geschichtlichen Rekord aufstellte.

Kältewellen und Rekord-Schneefälle


Im Gegensatz dazu war es in einem sich von der Türkei bis nach China erstreckenden Bereich im Winter 2007/2008 deutlich zu kalt. Die Türkei erlebte sogar die kältesten Januarnächte seit 50 Jahren. Im Januar überzog eine Kältewelle in Südchina 1,3 Millionen Quadratkilometer des Landes mit Schnee und Frost und unterbrach vielerorts die Verkehrsverbindungen und Stromversorgung. Schäden in der Landwirtschaft führten zu späteren Ernteausfällen.

Auch in Kanada wurden in diesem Winter gleich mehrere Schneefallrekorde gebrochen, mehr als 5,50 Meter türmte sich der Schnee beispielsweise in Quebec-City. In Toronto ging der Winter als der drittschneereichste der Geschichte in die Annalen ein. Im Mai erlebte der Süden Südamerikas einen Kälteeinbruch, ausgelöst durch einen Schwall antarktischer Kaltluft. Er brachte Temperaturen unterhalb von minus 6°C und brach damit etliche regionale Minusrekorde.

Mehr und stärkerer Regen…


In den USA führten starke Regenfälle im April, kombiniert mit einem wassergesättigten Boden und der Schneeschmelze, zu ausgedehnten Überschwemmungen in Missouri und Südindiana. Im Juni sprengten die Niederschläge in Teilen von Iowa, Illinois, Wisconsin und Missouri alle Rekorde.

Auch in Südamerika gab es stärkere Regenfälle als normal, in West-Kolumbien waren dadurch mindestens eine halbe Million Menschen von Hochwasser betroffen, in der zweiten Jahreshälfte löste dies zudem große Erdrutsche aus. In Südbrasilien führten Starkregen Mitte November zu schweren Überschwemmungen und Schlammströmen, von denen 1,5 Millionen Menschen betroffen waren, mindestens 69.000 wurden obdachlos.

...auf fast jedem Kontinent


In Nordafrika gab es im Herbst ebenfalls ausgedehnte Schäden durch starke und anhaltende Niederschläge. Im Norden Marokkos registrierten Wetterstationen bis zu 200 Millimeter Regen in weniger als sechs Stunden. Im Zuge der gleichen Klimaanomalie gab es auch in Südwesteuropa mehr Regen als normal. Im spanischen Valencia fielen 390 Millimeter Regen innerhalb von 24 Stunden, davon 144 in nur einer Stunde. In Frankreich erreichten die Niederschläge Werte von bis zu 500 Millimeter in einigen Gebieten, Hochwasser und Sturzfluten vor allem in Zentralfrankreich waren die Folge.

In Asien vertrieben Monsunregenfälle und Sturzfluten mehr als zehn Millionen Menschen in Indien aus ihren Häusern, 2.600 Menschen starben. Auch Pakistan und Vietnam erlebten einen besonders starken Monsun. In Australien waren sowohl der Jahresanfang als auch das Ende von Starkregen geprägt. In vielen Teilen Afrikas fiel der Monsun in diesem Jahr ebenfalls besonders heftig aus. In Simbabwe löste er die schlimmsten Überschwemmungen der Geschichte aus.

Aber auch Dürren


Doch auch das Gegenteil gab es 2008: In Europa erlebten Portugal und Spanien den trockensten Winter seit Jahrzehnten. Im Süden von British Columbia in Kanada gab es die fünftstärkste Trockenperiode in 61 Jahren, in Kalifornien verstärkte die anhaltende Dürre die Waldbrandgefahr und erschwerte das Löschen der Brände.

Im Südosten Australiens führte eine langanhaltende Dürre zu Wasserknappheit und starken Ernteausfällen im landwirtschaftlich wichtigen Murray-Darling Basin. In Victoria war 2008 das neunttrockendste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen.

Heftige Stürme


In Deutschland wütete zwischen Mai und September eine große Zahl von starken Gewitterstürmen, die von Starkregen, Hagel und sogar Tornados begleitet wurden. In den USA zieht 2008 in die unrühmlichen Top Ten der Jahre mit den meisten Tornadoopfern seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1953 ein. 1.489 Tornados, ein absoluter Rekord, ereigneten sich im Land.

Unter den tropischen Wirbelstürmen war der Zyklon Nargis der tödlichste des Jahres 2008. Er entwickelte sich Anfang Mai im nördlichen Indischen Ozean und verwüstete dann Myanmar. Knapp 78.00 Menschen starben, tausende von Gebäuden wurden zerstört. Nargis gilt heute als der verheerendste Zyklon in Asien seit 1991 und die schlimmste Naturkatastrophe Myanmars. Japan dagegen blieb zum ersten Mal seit 2001 komplett von pazifischen Zyklonen verschont.

Die atlantische Hurrikansaison war ebenfalls sehr heftig, sie hinterließ große Schäden in der Karibik, Mittelmarika und den USA. Zum ersten Mal in der Geschichte trafen gleich sechs direkt aufeinanderfolgende Hurrikans die Küste der USA, Kuba wurde erstmals von drei schweren Wirbelstürmen - Gustav, Ike und Paloma - in einer Saison getroffen.
(WMO, 31.12.2008 - NPO)
 
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