Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Deutschland vergreist
Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Bevölkerungsprognose 2025
Deutschland wird immer älter. Während im Jahr 2006 noch jeder zweite Bundesbürger jünger als 42 Jahre alt war, wird die Hälfte der Bevölkerung im Jahr 2025 älter als 47 Jahre sein - in den ostdeutschen Bundesländern sogar älter als 53 Jahre. Das zeigt eine neue Bevölkerungsprognose der Bertelsmann Stiftung.

Alter Mann
Alter Mann
© IMSI MasterClips
„Unsere Analysen zeigen, dass sich das Leben und Zusammenleben in den Städten und Gemeinden durch den rasch fortschreitenden Alterungsprozess erheblich verändern wird“, sagte Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung der Bevölkerungsprognose 2025.

Handlungskonzepte Mangelware
Zwar sei das Bewusstsein für die Folgen des demographischen Wandels inzwischen deutlich gewachsen. Allerdings fehlten vielerorts immer noch kommunal-politische Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung und überzeugende Handlungskonzepte, mahnte Meier.

Anteil der Hochbetagten nimmt zu
Laut dem neuen Report steigt in den nächsten Jahren insbesondere die Zahl der alten Menschen überproportional an. So wird es bis 2025 etwa 70 Prozent mehr über 80-Jährige in Deutschland geben. Damit verdoppelt sich der Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung nahezu und steigt auf über acht Prozent. Spitzenreiter dieser Entwicklung werden ostdeutsche Städte wie Hoyerswerda (15,3 Prozent), Suhl (12,7 Prozent) und Dessau (12,1 Prozent) sein. Aber auch westdeutsche Städte wie Baden-Baden (10,8 Prozent) werden ihr Gesicht verändern.

Kommunen mit diesem Trend müssen nach Meinung der Bertelsmann Stiftung rasch umsteuern, weil beispielsweise durch den höheren Pflege- und Betreuungsaufwand altengerechte Wohn- und Infrastrukturangebote aufgebaut werden müssen.

Zahl der älteren Erwerbstätigen steigt
Auch die Wirtschaft sollte sich auf immer älter werdende Belegschaften einstellen. So wird die Gruppe der älteren potenziell Erwerbstätigen (45 bis 64 Jahre) laut den Ergebnissen der Demografen bis zum Jahr 2025 um 1,4 Millionen zunehmen. Die Zahl der jüngeren Erwerbstätigen (25 bis 44 Jahre) wird dagegen um 3,7 Millionen abnehmen. Da auch die Gruppe junger Menschen (16 bis 24 Jahre) um rund zwei Millionen zurückgehen wird, fehlt es nach den Ergebnissen der Bevölkerungsprognose 2025 an Nachwuchs für den Arbeitsmarkt.

So könnte sich beispielsweise in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der jungen Erwerbstätigen um die Hälfte reduzieren. Auf diese Entwicklung werden sich große und kleine Unternehmen mit altersgerechten Arbeitsbedingungen und zusätzlichen Investitionen in Qualifizierung und betriebliche Gesundheitspolitik einstellen müssen.

Höhere Anforderungen in der Grundschule?
Höhere Anforderungen in der Grundschule?
© IMSI MasterClips
Immer weniger Schüler
Teilweise sehr deutlich sinken werden bis 2025 bundesweit auch die Schülerzahlen - besonders in der Primarstufe (sechs bis neun Jahre). Das betrifft bei deutlichen regionalen Unterschieden auch die alten Bundesländer. So wird in Bayern die Zahl der Kinder im Primarstufenalter etwa in München laut dem Report um 21 Prozent zunehmen, während der Kreis Kronach 32 Prozent dieser Altersgruppe verliert.

Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich auch in Nordrhein-Westfalen ab: So kann Köln noch einen leichten Zuwachs von fünf Prozent verzeichnen, während der Kreis Höxter 27 Prozent seiner Bevölkerung im Primarstufenalter verlieren wird. Für die kommunale Infrastrukturplanungen hat das laut der Prognose erhebliche Folgen: beispielsweise Schulgebäude mieten statt neu bauen oder stärkere räumliche Kooperationen zwischen einzelnen Schulen.

Trend zur Verstädterung verstärkt sich
Wie die Demografen herausgefunden haben, wird sich zudem der Trend zur Verstädterung deutlich verstärken. Dabei sagen die Wissenschaftler in Ost- und Westdeutschland gegensätzliche Entwicklungen voraus.

Während Dresden (+ acht Prozent), Potsdam (+ sieben Prozent) und Leipzig (+ 3,3 Prozent) Bevölkerungszuwächse verzeichnen, wird die Einwohnerzahl in Chemnitz (- 15 Prozent), Halle (- zwölf Prozent), Rostock (- 8,6) und Magdeburg (- acht Prozent) deutlich abnehmen.

In Westdeutschland bleiben München (+ 11,7 Prozent), Köln (+ 5,8 Prozent) oder Hamburg (+ 3,9) Wachstumsstädte. Hagen (- zehn Prozent), Gelsenkirchen (- zehn Prozent) oder Wolfsburg (- 8,7 Prozent) werden schrumpfen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Bevölkerungsprognose, Alter, Schule, Schüler, Arbeitnehmer, Demografie, demographischer Wandel, Verstädterung
Weitere News zum Thema
Wassermangel oft nicht Hauptschuld an Hunger (26.09.2011)
Bessere Ausnutzung der Ressourcen könnte weltweite Nahrungsproduktion verdoppeln
Gesellschaften altern immer schneller (25.07.2008)
Europa: Schon bald mehr als ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Indien
Megastädte
Dossiers zum Thema
Bevölkerungsexplosion
Wie viele Menschen kann die Erde noch tragen?
Verstädterung
Von Stadtentwicklung, Slums und Mega Cities
Wegen Überfüllung geschlossen?
Indien zwischen Bevölkerungsexplosion und Wirtschaftswunder
Was Hänschen nicht lernt...
Streit um die frühkindliche Bildung
Altern mit Köpfchen
Wie der Geist lange fit bleibt
Mega-Cities
Fehlentwicklung oder Modell für das 21. Jahrhundert?
News des Tages
Elektronen "tunneln" ohne Zeitverlust
Botenstoff als Streitschlichter
Durchbruch in der Quantenkommunikation
Glühbirne wird zum Auslaufmodell
Deutschland vergreist
Dreiecksspinne ist Spinne des Jahres 2009
Bücher zum Thema
Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland
vom Leibniz-Institut für Länderkunde (Herausgeber)
Bevölkerungs geographie
von Jürgen Bähr
Megacitys: Über die Zukunft der Städte
von Alex Rühle (Herausgeber)
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes