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Donnerstag, 23.03.2017
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HIV: Zahl der Neuinfektionen bleibt hoch

Robert Koch-Institut legt neue Zahlen anlässlich des Welt-Aids-Tages 2008 vor

In Deutschland leben etwa 63.500 Menschen mit HIV oder Aids. Von diesen haben sich nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 3.000 allein im Jahr 2008 infiziert. Ähnlich viele Neuinfektionen hatte es auch im Jahr 2007 gegeben.
HI-Virus an Zelle

HI-Virus an Zelle

„Die weiterhin hohe Zahl zeigt, dass Prävention und Forschung unverändert wichtig sind“, betont Jörg Hacker, Präsident des RKI. Ob es sich nach dem Anstieg der Infektionszahlen zwischen den Jahren 2000 und 2006 um eine dauerhafte Stabilisierung handelt, ist offen.

Wie das RKI anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2008 weiter mitteilte, haben sich bei rund 1.100 Menschen im Jahr 2008 die HI-Viren so stark vermehrt, dass sie an Aids erkrankt sind. Etwa 650 Menschen mit einer HIV-Infektion sind im Jahr 2008 gestorben.

33 Millionen Infizierte weltweit


Weltweit sind nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) etwa 33 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als zwei Drittel von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara. Für junge Menschen ist die Gefahr einer Ansteckung mit HIV besonders hoch: 40 Prozent aller 2,5 Millionen Neuinfektionen weltweit treffen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.


Der wesentliche Grund für die rasche Ausbreitung des HI-Virus unter Jugendlichen in Entwicklungsländern: Die meisten jungen Menschen können sich nicht vor einer Ansteckung schützen, weil sie nicht ausreichend aufgeklärt sind und weil sie kaum Zugang zu Verhütungsmitteln haben, so die Stiftung.

Homosexuelle Männer am häufigsten betroffen


Unter den 63.500 Menschen, die Ende 2008 in Deutschland mit HIV oder Aids leben, stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 38.700 die größte Gruppe. Etwa 8.700 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, rund 7.300 Menschen kommen aus so genannten Hochprävalenzregionen und infizierten sich überwiegend in ihren Herkunftsländern und dort bei heterosexuellen Kontakten. Etwa 8.200 HIV-Infektionen gehen auf intravenösen Drogengebrauch zurück, so das RKI.

Die Schätzung der HIV-Neuinfektionen ist nicht zu verwechseln mit der Zahl der Neudiagnosen. Die Meldungen über Neudiagnosen erlauben keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt, da HIV-Infektion und -Test zeitlich weit auseinander liegen können.

Studie soll neue Erkenntnisse über Infektionsgeschehen liefern


Um das aktuelle Infektionsgeschehen besser bewerten zu können, hat das Robert Koch-Institut die so genannte „Inzidenz-Studie“ begonnen, die vom Bundesministerium für Gesundheit finanziert wird. Ziele sind die Bestimmung des Anteils aktueller Infektionen an den gemeldeten Diagnosen und die Erhebung von Faktoren, die das Testverhalten beeinflussen. Außerdem sollen Risikofaktoren und -verhalten ermittelt werden, um gezielte, an aktuellen Trends orientierte Präventionsstrategien abzuleiten.

Große Erfolge - aber keine Entwarnung


Unterstützung erhielt das RKI von Professor Dr. Norbert H. Brockmeyer von der Ruhr-Universität Bochum und Sprecher des Kompetenznetzes HIV/Aids. Er forderte, dass die Bekämpfung von HIV/Aids mit aller Vehemenz weltweit weiter verfolgt werden muss. Eine Vernachlässigung könne folgenschwer sein und nur schwer zu korrigierende Rückschläge in der Bekämpfung nach sich ziehen. Die jüngsten Erfolge mit Knochenmarktransplantationen geben Anlass zu weiteren Studien - nicht zu vorschneller Euphorie.

Wichtigstes Ziel: Neuinfektionen verhindern


„Wir haben mit Anerkennung gesehen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Jahresempfang der Deutschen Aids-Hilfe mit ihrem persönlichen Einsatz Flagge gezeigt und damit die globale Bedeutung von HIV/Aids unterstrichen hat“, freute sich Brockmeyer. Das Jahr 2008 habe zahlreiche neue Erfolge in der Bekämpfung von HIV gebracht, auch mit deutlicher deutscher Beteiligung. Die Lebenserwartung eines Neuinfizierten sei auf circa 30 Jahre gestiegen, was guten, auch neuen Medikamenten und ständig verbesserten Behandlungsplänen zu verdanken sei.

Die Erfolge dürften aber nicht über die Probleme hinwegtäuschen: Da etwa ein Drittel der Neuinfektionen häufig verspätet diagnostiziert werde, setze auch die Therapie entsprechend spät ein, so Brockmeyer. So könnten die Betroffenen nicht von den Vorteilen eines frühen Therapiebeginns profitieren, zum Beispiel von einem milderen Krankheitsverlauf. Außerdem reduziere ein früher Therapiebeginn das Ansteckungsrisiko. „Die Verminderung der Zahl von Neuinfektion bleibt unser großes Ziel, denn nach wie vor sind weder ein Impfschutz vor noch eine Heilung von einer HIV-Infektion möglich“, unterstrich Brockmeyer.

Neue Studien sind notwendig


„Der Erfolg durch die Knochenmarktransplantation bei einem HIV- infizierten Leukämie-Patienten in Berlin hat gezeigt, dass wir eine Studie zur HIV-Therapie benötigen, in der die Behandlung direkt nach Infektion begonnen wird“, so Brockmeyer weiter. Die frühzeitige Behandlung mit CCR5 Hemmer und Integrase-Hemmer, die Eindringen des HI-Virus in die Zelle bzw. den Zellkern behindern, könnte Wege zur Heilung von Infizierten aufzeigen. Für solche Studien bietet das Kompetenznetz HIV/Aids die optimale Infrastruktur.
(idw - Robert Koch-Institut/Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)/Ruhr-Universität Bochum, 01.12.2008 - DLO)
 
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