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Mittwoch, 26.07.2017
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Meeresströmungen vor Südafrika beeinflussen Golfstrom

Meeresforscher entdecken weitreichende Fernwirkungen im Ozean

Schwankungen in der Stärke des Golfstroms - der „Fernheizung“ Europas - sind zum Teil auf Strömungsvorgänge vor Südafrika zurückzuführen. Dies ist das Ergebnis von Studien, die jetzt in „Nature“ und den „Geophysical Research Letters“ erschienen sind. Mit Hilfe eines neu entwickelten Computermodells gelang es Ozeanographen, die Strömungen in bisher unerreichtem Detail zu simulieren. Überraschende Erkenntnis: die Auswirkungen kleinräumiger Fluktuationen des Agulhasstroms südlich von Afrika sind bis in den Nordatlantik hinein spürbar.
Der Agulhasstrom (rotes Band) fließt entlang der südafrikanischen Küste.

Der Agulhasstrom (rotes Band) fließt entlang der südafrikanischen Küste.

Der Agulhasstrom ist wie der Golfstrom eine der stärksten Strömungen im Weltozean und transportiert Wasser aus dem tropischen Indischen Ozean entlang der südafrikanischen Küste. Südwestlich von Kapstadt vollzieht er eine abrupte Kehrtwende zurück in den Indischen Ozean. Dabei werden alle drei bis vier Monate mächtige Wirbel von mehreren hundert Kilometern Durchmesser vom Agulhasstrom abgeschnürt, die warmes und salzreiches Wasser in den Atlantik transportieren und das
Seegebiet so zu einer Schlüsselregion für den Atlantischen Ozean machen.

Fernwirkung bisher unbekannt


„Auch wenn es im fernen Kiel zunächst sonderbar erscheint, die Strömungen um Südafrika zu untersuchen" erklärt der Hauptautor, Arne Biastoch vom IFM-GEOMAR, „kann man deren Auswirkungen bis in den Nordatlantik verfolgen. Diese überraschende Erkenntnis hat auch Konsequenzen für laufende internationale Messprogramme im Nordatlantik, mit denen man den
befürchteten langfristigen Änderungen im Golfstromsystem auf die Spur kommen möchte."

Die Studien zeigen, dass die natürlichen Schwankungen durch die Bildung von Agulhasringen innerhalb weniger Jahre den Transport warmen Wassers aus dem Südatlantik in den Nordatlantik hinein beeinflussen. Diese wichtige Fernwirkung war bisher nicht bekannt.


Sechs Monate Rechenzeit


„Die Untersuchung solcher Zusammenhänge erfordert hochkomplexe Computermodelle, die auch feine Details in den Meeresströmungen darstellen müssen", führt Professor Claus Böning vom IFM-GEOMAR aus. In enger internationaler Zusammenarbeit mit Kollegen aus Frankreich und Südafrika wurde ein neues, hochauflösendes Ozeanmodell entwickelt und intensiv getestet.

Es berechnet die Strömungsentwicklung auf einem sehr feinmaschigen Netz mit insgesamt fast 40 Millionen Punkten. Für die Simulationen benötigten Supercomputer an der Universität Kiel und am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart über sechs Monate. Die Auswertung der so gewonnenen riesigen Datenmengen werden die Kieler Forscher und ihre internationalen Kollegen allerdings noch einige Jahre beschäftigen.
(Leibniz-Institut für Meereswissenschaften Kiel , 27.11.2008 - NPO)
 
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