Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Mond hat keinen Einfluss auf Geburten
Studie an vier Millionen Geburten entkräftet verbreiteten Irrglauben
Nach volkstümlichem Glauben soll der Mondzyklus den Zeitpunkt des Gebärens bei schwangeren Frauen beeinflussen. Doch was ist dran am vermeintlich alten Wissen? Nichts, wie jetzt eine Studie an mehr als vier Millionen Geburten eindeutig belegt. Dafür aber gibt es durchaus Häufungen der Geburten zu bestimmten Jahreszeiten und Wochentagen.

Rotgefärbter Mond
Rotgefärbter Mond
© Doug Murray Rotgefärbter Mond
Über den Einfluss des Mondes auf Geburt und Schwangerschaft gibt es zahlreich verbreitete Vorurteile: bei Mondwechsel sollen besonders viele Kinder zur Welt kommen oder wenn bei zunehmendem Mond der Bauchumfang der Mutter mehr als 100 Zentimeter beträgt, soll die Geburt unmittelbar bevorstehen. Auch auf andere Lebensbereiche wird dem Mond vielerorts ein gewisser Einfluss zugeschrieben. Doch diese volkstümlichen Mondregeln, die auch unter in Gesundheitsberufen Arbeitenden verbreitet sind, halten einer wissenschaftlichen Analyse jedoch kaum stand.

Das bestätigt jetzt auch die bisher umfangreichste Studie von Oliver Kuß. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg analysierte mehr als vier Millionen Geburten zwischen 1966 und 2003 in Baden-Württemberg. Es war damit die weltweit größte Untersuchung bezüglich der Anzahl durchlaufener Mondzyklen. „In diesen 37 Jahren liefen 470 Mondzyklen ab", erklärt der Statistiker.

Kein Zusammenhang mit dem Mondzyklus
Das Ergebnis war sehr eindeutig: „Einen Mondzyklus konnte ich bei der Analyse der Daten nicht feststellen", sagt der 39-Jährige, der selbst Teil des Datensatzes war: Er wurde 1969 in Baden-Württemberg geboren. Das dortige Statistische Landesamt stelle die Daten kostenlos zur Verfügung und konnte zudem den längsten Zeitraum bedienen. Die empirische Arbeit steht im Einklang mit weiteren Studien zu diesem Thema, die allerdings nie über solch einen langen Zeitraum Daten untersuchten. Bereits seit dem 19. Jahrhundert beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem Einfluss des Mondes und seiner Phasen.

Die meisten Geburten sind montags und dienstags
Sehr wohl feststellen konnte Kuß jedoch einen Wochen- und auch einen Jahreszyklus. Statistisch wurden montags und dienstags die meisten und am Wochenende die wenigsten Kinder geboren. Eine mögliche Ursache: Künstlich eingeleitete Geburten werden in den Kliniken von den Wochenenden weg und auf Montag oder Dienstag gelegt.

Jahreszeitlich kommen Ende September die meisten Kinder zur Welt: "Dies spricht für eine Zeugung in den Weihnachtsferien oder zumindest in der dunklen Jahreszeit". Veröffentlicht wurde die Studie in der Fachzeitschrift "Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica".
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Mond, Geburt, Schwangerschaft, Mondzyklus, Mondregeln, Körper, Medizin, Gesundheit, Geburtszeitpunkt, Wochentag, Jahreszeit
Weitere News zum Thema
Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt (10.02.2012)
Einzigartige Lebensformen im Wostoksee waren seit 15 Millionen Jahren isoliert
Forscher kartieren Dunkle Materie (11.01.2012)
Kosmisches Netz erstreckt sich über eine Milliarde Lichtjahre
Aids-Studie ist wissenschaftlicher Durchbruch des Jahres (23.12.2011)
Fachmagazin "Science" listet die zehn wichtigsten Erkenntnisse 2011
Reis kann giftiges Arsen enthalten (07.12.2011)
Eine halbe Tasse täglich entspricht bereits WHO-Grenzwert für Trinkwasser
Marssonde Phobos Grunt auf Abwegen (09.11.2011)
Technische Probleme bringen Mission vom Kurs ab
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Mond
Dossiers zum Thema
Die Macht des Mondes
Nur Mythen, Märchen und Magie?
Geheimnisse des Mondes
Unserem Erdtrabanten auf der Spur...
Rückkehr zum Mond
Neuer Run auf den Erdtrabanten
Astronomie der Steinzeit
Zwischen Sonnenwende und Siebengestirn
News des Tages
Klimasturz ließ Höhlenbären aussterben
Plasmaschirm als Raumschiff-Schutz?
Schaltbare Elektroneninseln auf Nanoröhren
Worte lassen Sinneseindrücke wiederaufleben
Mond hat keinen Einfluss auf Geburten
Genkomplex beeinflusst Fettverbrennung
Bücher zum Thema
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Der Schweif des Kometen
Irrtümer und Legenden über das Universum von Neil F. Comins
Wir sind alle Neandertaler
Warum der Mensch nicht in die moderne Welt passt von Jürgen Brater
Lexikon des Unwissens
Worauf es bisher keine Antwort gibt von Kathrin Passig und Aleks Scholz
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes