Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Galápagos: Pflanzen irrtümlich als „Invasoren“ eingestuft
Fossile Pollen retten sechs Pflanzenarten vor versehentlicher Ausrottung
Auf den Galápagos- Inseln gelten eingeschleppte Tiere und Pflanzen als Bedrohung der heimischen Artenvielefalt und werden mit großem Aufwand bekämpft. Doch jetzt zeigt eine in „Science“ veröffentlichte Studie, dass mindestens sechs der als Invasoren eingestuften Pflanzenarten in Wirklichkeit heimisch sind. Fossile Pollen belegen dies.

Galapagos-Inseln
Galapagos-Inseln
© NASA/GSFC Galapagos-Inseln
Die Galápagos-Inseln weisen eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten auf. Eine der größten Bedrohungen für dieses vielfältige Ökosystem stellen Arten dar, die seit der Entdeckung des Inselarchipels vor 500 Jahren durch den Menschen eingeschleppt wurden. Zahlreiche der einzigartigen einheimischen Tiere und Pflanzen sind durch den schädlichen Einfluss von Eindringlingen beinahe oder komplett ausgestorben. Nur wenn die fremden Arten unter Kontrolle gebracht werden, bleibt die Biodiversität im Galápagos-Archipel erhalten.

Fossile Pollen als Herkunftsnachweis
Damit die Eindringlinge bekämpft werden können, braucht es jedoch Methoden, die eine exakte Einteilung in einheimische und fremde Arten zulassen.Eine Gruppe von Pflanzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern unter Leitung von Forschern der Universität Bern hat zu diesem Zweck fossile Pollen und Pflanzenreste in sedimentären Ablagerungen untersucht - und so Klarheit geschaffen:

Für mindestens sechs als eingeschleppt taxierte Pflanzen konnten die Forschenden zeigen, dass diese in Wirklichkeit einheimisch sind. Die gefundenen Pflanzenreste beweisen, dass alle sechs Pflanzenarten auf den Galápagos-Inseln schon existierten jahrtausende bevor der Mensch das Archipel entdeckte. Die Resultate dieser Studie wurden soeben im renommierten Wissenschaftsmagazin "Science" publiziert.

Irrtümliche Ausrottung nicht ausgeschlossen
Eine der falsch bestimmten Pflanzen, der Hibiscus diversifolius, wurde bisher als Eindringling und als mögliche Bedrohung für das lokale Ökosystem bezeichnet. Ohne die aktuelle Studie wäre die Pflanze womöglich in Zukunft bekämpft oder gar ausgerottet worden. Weltweit werden jährlich Millionen von Franken ausgegeben, um eingeschleppte Pflanzen zu kontrollieren. "Es ist nicht einfach herauszufinden, welche Arten einheimisch sind und welche eingeschleppt wurden - besonders in Ökosystemen, die so einzigartig sind und eine so hohe Biodiversität aufweisen wie die Galápagos-Inseln", erklärt die Berner Pflanzenwissenschaftlerin Jacqueline van Leeuwen, Erstautorin der Studie.

Die Bestimmungen basieren oft auf ökologischen Vermutungen, die zum Beispiel daraus abgeleitet werden, wie sich die Verbreitung der Pflanzen innerhalb eines Ökosystems langfristig verändert oder wie die Pflanzen in benachbarten Gebieten eingestuft werden. Deshalb könnte in Zukunft die Untersuchung fossiler Pollen und Pflanzenreste als zuverlässige Methode noch weitere fehlerhafte Klassifizierungen enthüllen - auch außerhalb der Galápagos-Inseln.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Galapagos, Invasoren, eingeschleppte Arten, Pflanzen, heimisch, Ausrottung, Biologie, Ökologie, Pollen
Weitere News zum Thema
Wie alt werden Fische? (26.01.2012)
Kreuzungsexperimente mit afrikanischem Prachtgrundkärpfling liefern wichtige Hinweise zur Genetik der Lebenserwartung
Mikroben imitieren Darwin-Finken (14.02.2011)
Auch Bakterien können durch Erwerb neuer Eigenschaften eine adaptive Radiation auslösen
Regenwald-Kollaps ebnete Dino-Vorfahren den Weg (30.11.2010)
Klimawandel vor 300 Millionen Jahren gab Anstoß für Explosion der Reptilien-Vielfalt
Schildkröte imitiert Fische (02.06.2010)
Reptil lebt sechs Monate unter Wasser ohne aufzutauchen
Karibik: Rätsel um unterseeische Lavaflächen (05.03.2010)
Expedition erforscht die Geschichte der karibischen Platte und ihrer Flutbasalte
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Angriff der Exoten
Tierische und pflanzliche Einwanderer auf Erfolgskurs?
Pionierpflanzen
Leben aus dem Nichts
Landbrücken
Evolution auf Wanderschaft
Charles Darwin
Leben ist Veränderung
Arche Noah 2.0
Genbanken als letzte Rettung für die Artenvielfalt?
News des Tages
Auch der Mars hat Polarlichter
Was beim Computer im (Lese-)Kopf vorgeht
Galápagos: Pflanzen irrtümlich als „Invasoren“ eingestuft
Countdown zum Astronomiejahr läuft
Alle Turbulenzen sind endlich
Sturmsaison beginnt extrem heftig
Bücher zum Thema
Die Letzten ihrer Art
Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde von Douglas Adams und Mark Carwardine
Der Gesang des Dodo
Eine Reise durch die Evolution der Inselwelten von David Quammen
Tierisch!
Expedition an den Rand der Schöpfung von Dirk Steffens
Der verzauberte Blick
Das Naturbild berühmter Expeditionen aus drei Jahrhunderten von Anthony Rice (Hrsg.)
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes