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Freitag, 28.07.2017
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Erdöl: Ampel steht auf „gelb“

Neue Studie zur Verfügbarkeit von Energierohstoffen vorgelegt

Die Förderung von leicht und günstig zu gewinnenden Erdöl wird bereits zum Ende des nächsten Jahrzehnts nicht mehr zu steigern sein – und dies trotz weiter wachsender Nachfrage. Andere Energierohstoffe wie Kohle oder Erdgas sind dagegen in ausreichenden Mengen vorhanden, um den Bedarf noch über Jahrzehnte zu decken. Dies geht aus der Studie „Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2007“ hervor, die deutsche Geowissenschaftler gestern in Hannover vorgestellt haben.
Ölförderung in den USA

Ölförderung in den USA

In dem Report werden Reserven, Ressourcen, Produktion und Verbrauch der Energierohstoffe weltweit analysiert, bewertet und in einen regionalen Zusammenhang gestellt.

„Die Studie zeigt deutlich, dass wir unsere energiepolitischen Ziele nur erreichen können, wenn wir auch künftig auf Energieeffizienz und einen breit diversifizierten Energiemix achten“, kommentierte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Hartmut Schauerte, die neuen Ergebnisse.

Deutschland Weltmeister bei der Förderung von Braunkohle


„Deutschland ist zwar Weltmeister bei der Förderung von Braunkohle. Bei den Energieträgern Erdöl, Erdgas und Steinkohle nimmt die inländische Produktion aber immer weiter ab mit der Folge, dass Deutschland zunehmend von Importen abhängig ist“, beschreibt der Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Professor Hans-Joachim Kümpel eines der weiteren zentralen Ergebnisse des Reports. „Heute stammt bei einem mit 50 Litern Benzin voll getankten Auto nur noch etwa ein Liter aus der heimischen Erdölförderung – Tendenz abnehmend“, sagte Kümpel.


Der Bedarf an Erdöl wird inzwischen fast vollständig aus Importen gedeckt. Nicht viel anders ist die Situation bei Steinkohle und Erdgas. Auch dort wächst in zunehmendem Maße die Abhängigkeit von Rohstoffimporten. „Angesichts dieser Entwicklung ist es erforderlich, die globale Entwicklung der Rohstoffsituation im Auge zu behalten“, sagte der BGR-Präsident bei der Vorstellung der Studie.

Explodierende Preise


So gab es auf dem Weltmarkt eine wichtige Veränderung. „Erstmals seit 2003 konnte im vergangenen Jahr die Förderung von Erdöl weltweit nicht gesteigert werden“, so BGR-Energierohstoffexperte Professor Bernhard Cramer. „Dazu kamen explodierende Preise für die wichtigsten Säulen der derzeitigen Energieversorgung: Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran“, betonte Cramer.

War das schon das lang prophezeite Maximum der Erdölförderung, der so genannte „peak oil“? „Eine Verknappung von Erdöl durch mangelnde Lagerstättenkapazitäten ist nicht die Ursache für die beobachtete Förderentwicklung bei Erdöl und auch nicht für die rasanten Preisentwicklungen“, so Hilmar Rempel, einer der Autoren der BGR-Studie. Stattdessen hätten vielmehr Markteffekte, wie etwa Förderkürzungen durch die Organisation Erdöl exportierender Länder, OPEC, sowie das rasante Wachstum der Wirtschaft insbesondere in China und Indien diese Entwicklungen beim Erdöl bewirkt, so Rempel.

Trotzdem steht bei Erdöl nach Angaben des BGR-Präsidenten die Ampel zumindest auf „gelb“. „Erdöl wird der erste Energierohstoff sein, bei dem eine echte Verknappung durch die Endlichkeit der Ressource spürbar wird“, sagte auch Kümpel. Die Förderung des leicht und günstig zu gewinnenden Erdöls sei bei weiter wachsender Nachfrage bereits zum Ende des nächsten Jahrzehnts nicht mehr zu steigern, so das Fazit der BGR. Zusätzliche Potenziale für Erdöl – mit einem Anteil von circa 36 Prozent nach wie vor wichtigster Primärenergieträger – werden insbesondere noch in der Arktis, in den Tiefwasserbereichen der Ozeane entlang der Kontinentränder und auch durch eine effektivere Ausbeute der bekannten Lagerstätten erwartet.

Bei Erdgas, Kohle und Uran keine Engpässe in Sicht


Die weltweite Vorratssituation der anderen Energierohstoffe Erdgas, Kohle und Uran stellt sich für die BGR deutlich entspannter dar. Hier sind für die kommenden Jahrzehnte aus geologischer Sicht keine Engpässe absehbar.

Erdgas – mit einem Anteil von knapp 24 Prozent nach Erdöl und Kohle drittwichtigster Primärenergieträger – wird den absehbaren Bedarf noch über Jahrzehnte decken können. Das weltweit noch verbleibende Potenzial an konventionellem Erdgas liegt um etwa 44 Prozent über dem vergleichbaren Wert für Erdöl.

Obwohl Europa und auch Deutschland im Weltmaßstab über ein eher unbedeutendes Erdgaspotenzial verfügen, ist der europäische Markt laut der BGR dank der Nähe zu den erdgasreichen Regionen in Russland, Nordafrika und dem Nahen Osten in einer komfortablen Situation. In Zukunft werden in Europa neben der Versorgung über Pipelines auch Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) eine zunehmend größere Rolle spielen.

Klimarelevante Nachteile ausräumen


Im Vergleich der Energierohstoffe hat Kohle – mit einem Anteil von rund 30 Prozent die Nummer zwei unter den Primärenergieträgern – das größte Potenzial. Aus geologischer Sicht kann sie den absehbaren Bedarf für Jahrhunderte decken. Allerdings ist Kohle der fossile Energierohstoff mit den höchsten spezifischen CO2-Emissionen. Beim weiteren Einsatz der Kohle wird es darauf ankommen, so die BGR, die klimarelevanten Nachteile auszuräumen. Gefragt sind sowohl die Reduzierung bzw. Vermeidung von CO2-Emissionen bei der Verbrennung als auch Lösungen zur Abtrennung von CO2 und seiner Speicherung im Untergrund.

Die Nutzung von Kernenergie wird nach den Ergebnissen des Reports auch in Zukunft nicht durch die Verfügbarkeit des Kernbrennstoffs Uran limitiert. Von größerer Bedeutung sind hier andere Faktoren wie die öffentliche Akzeptanz der Kernenergie, die Lösung der Endlagerungsproblematik für radioaktive Abfälle oder die Entwicklung neuer Technologien zur effizienteren Nutzung der Kernbrennstoffe.
(Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/BMWi, 21.11.2008 - DLO)
 
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