Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Zehn Jahre ISS
Internationale Raumstation feiert Geburtstag
Die Internationale Raumstation feiert Geburtstag: Am 20. November 1998 startete eine russische Proton-Rakete vom Kosmodrom Baikonur zu einer historischen Mission. An Bord befand sich das erste Modul der ISS mit dem Namen „Sarja“ (Morgenröte). In den folgenden zehn Jahren wurden zahlreiche weitere Module in die Umlaufbahn gebracht - und die ISS entwickelte sich zum größten menschlichen Außenposten im All.

Die ISS im Erdorbit
Die ISS im Erdorbit
© NASA Die ISS im Erdorbit
Die mit russischen Trägerraketen oder dem amerikanischen Space Shuttle transportierten Bauteile haben die ISS inzwischen auf die Größe eines Fußballfeldes mit einer derzeitigen Gesamtmasse von rund 300 Tonnen anwachsen lassen. Das allein rund 20 Tonnen schwere und knapp 13 Meter lange Fracht- und Kontrollmodul Sarja stellt aber auch heute noch Elektrizität und Antrieb bereit, kontrolliert die korrekte Flugbahn und bietet Stauraum.

Mit dem auch FGB - russische Abkürzung für „Functional Cargo Block“ - genannten Modul wurde vor zehn Jahren der Grundstein für ein neues Zeitalter in der Raumfahrt gelegt, da erstmals eine dauerhafte internationale Zusammenarbeit zwischen Russland, Amerika, Europa, Kanada und Japan im Weltraum zustande kam.

Internationale Kooperation ersetzt Konkurrenz im All
Die Geschichte der ISS weist dabei zahlreiche Premieren und Meilensteine in der bemannten Raumfahrt auf. Der erste wichtige Schritt im Vorfeld war ein internationales Regierungsabkommen zwischen den USA, zehn europäischen Staaten (vertreten durch die Europäische Weltraumorganisation ESA), Japan und Kanada.

Dieser so genannte „Vertrag ohne Vorbild“ ging 1988 als eines der umfangreichsten Dokumente internationaler Zusammenarbeit in die Geschichte der Raumfahrt ein. Nach der Überwindung des Kalten Krieges ersetzte die internationale Kooperation die bis dato vorherrschende Konkurrenz um das Weltall der beiden Supermächte USA und Russland. 1993 wurde Russland von den USA eingeladen, sich am Programm der Internationalen Raumstation zu beteiligen.

Russland konnte nicht nur mit einem enormen Erfahrungsschatz aus dem Betrieb der eigenen Raumstation MIR aufwarten, sondern auch Trägerraketen vom Typ „Proton“ und „Sojus“ zur Versorgung der ISS und zum Transport der Crews bereitstellen. Bereits in den 1990er Jahren nutzten westliche Wissenschaftler die russische Raumstation MIR für zahlreiche gemeinsame Experimente.

September 2000: Die erste Besatzung
Im September 2000 schwebten dann erstmals zwei Besatzungsmitglieder der amerikanischen Space Shuttle Mission STS-106 in die ISS. Seit November 2000 ist die Station permanent von zwei oder drei Astronauten beziehungsweise Kosmonauten besetzt. Bereits jetzt ist die ISS das größte künstliche Himmelsobjekt - mit einer Innenraumgröße vergleichbar der eines Jumbojets.

Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2010 wird die ISS aus sechs Forschungslabors, zwei Wohneinheiten, einer Beobachtungskuppel, etlichen Stauräumen, Verbindungsknoten, Andockvorrichtungen und Roboterarmen bestehen.

April 2001: Erster Europäer an Bord
Der Italiener Umberto Guidoni war im April 2001 der erste europäische Astronaut an Bord der ISS. Ein neues Kapitel schlug Thomas Reiter aus Deutschland im Sommer 2006 auf: er brach mit der Mission „Astrolab“ als erster europäischer Langzeitastronaut zur ISS auf und verbrachte fast sechs Monate auf der Station, um neben Wartungs- und Servicearbeiten über 30 wissenschaftliche Experimente durchzuführen.

Es war das erste Mal, dass europäische Wissenschaftler ein auf die Möglichkeiten der ISS abgestimmtes Forschungsprogramm zusammenstellen und über einen längeren Zeitraum durchführen konnten. Zudem war Astrolab die erste Langzeitmission der ESA, für die das Columbus-Kontrollzentrum im DLR Oberpfaffenhofen die Verantwortung übernahm.

Raumtransporter ATV
Raumtransporter ATV
© ESA Raumtransporter ATV
Weltraumlabor Columbus und Raumtransporter ATV
Am 7. Februar 2008 startete das Space Shuttle „Atlantis“ mit den beiden ESA-Astronauten Hans Schlegel und Leopold Eyharts an Bord und brachte das Weltraumlabor „Columbus“ zur ISS. „Columbus“ ist Europas Hauptbeitrag zur ISS und das erste europäische Weltraumlabor, das für eine langfristige, multidisziplinäre Forschung im All ausgelegt ist.

Seit Inbetriebnahme wurden rund 40 deutsche Experimente begonnen und teilweise schon abgeschlossen - ermöglicht nicht zuletzt durch eine erfolgreiche zwischenstaatliche Kooperation zwischen der DLR Raumfahrt-Agentur und den ISS-Partnern sowie im Rahmen der ESA-Mitgliedsstaaten.

„Jules Verne“ als Ausrüster
Im April 2008 dockte der europäische Raumtransporter ATV (Automated Transfer Vehicle) mit 7,5 Tonnen Nutzlast erstmals vollautomatisch an die ISS an. Das Raumfahrzeug mit dem Namen „Jules Verne“ dient der Bahnanhebung der ISS und versorgt die Station unter anderem mit Lebensmitteln, Frischwasser, Kleidung, Sauerstoff sowie technischer Ausrüstung für Experimente und Instandhaltung der ISS.

Anschließend wurde es als Lagerraum und Schlafplatz genutzt, bevor es Ende September 2008 - mit Abfall gefüllt - abgekoppelt wurde, um in der Atmosphäre beim Wiedereintritt weitgehend zu verglühen. Etwa alle 18 Monate soll ein ATV zur ISS geschickt werden, um den kontinuierlichen Betrieb der Station zu gewährleisten.

Hans Schlegel
Hans Schlegel
© ESA / NASA Hans Schlegel
Deutschland wichtiger europäischer Partner
Deutsche Wissenschaftler sind seit Beginn der wissenschaftlichen Nutzung der Raumstation im Jahr 2001 dabei. Sie haben seither zahlreiche Experimente beziehungsweise Experimentserien auf der ISS durchgeführt. Diese dienten unter anderem der Gesundheitsforschung (Forschung am Gleichgewichts-, Immun- und Kreislaufsystem des Menschen in Schwerelosigkeit), der Züchtung von Proteinkristallen, der Grundlagenphysik (Plasmaforschung) sowie biologischen Fragestellungen.

Zukunftsweisend für Forschung und Industrie
Nach wie vor zeigen Wissenschaftler großes Interesse, Experimente in Schwerelosigkeit an Bord der ISS durchzuführen. Fast 70 weitere deutsche Projekte, zumeist initiiert durch das DLR, haben sich im internationalen Wettbewerb durchgesetzt und warten auf ihre Umsetzung an Bord der Internationalen Raumstation.

Das europäische Forschungslabor Columbus soll sich zukünftig zu einer Großforschungseinrichtung im Erdorbit auch für die Nicht-Raumfahrt-Industrie entwickeln: Das Interesse von dieser Seite, Verfahren und Produkte unter Nutzung der Schwerelosigkeit zu entwickeln, wächst zunehmend. Im Rahmen der Initiative „GoSpace“ soll es insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen möglich gemacht werden, auf der ISS zu forschen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Internationale Raumstation, ISS, Weltraum, All, Raumfahrt, Module, Raumstation MIR, Rakete, Jules Verne, Columbus
Weitere News zum Thema
Weltraumfrachter „Johannes Kepler“ auf dem Weg zur ISS (17.02.2011)
Automatisches Transferfahrzeug an Bord einer Ariane-5 vom Weltraumbahnhof Kourou aus gestartet
Space Shuttle bringt Wissenschaftslabor zur ISS (02.06.2008)
Forschungsmöglichkeiten werden mit japanischem Kibo-Labor erweitert
Jules Verne dockt an ISS an (04.04.2008)
Premiere für europäische Raumfahrt
Jules Verne auf dem Weg zur ISS (10.03.2008)
Europäischer Raumtransporter soll Anfang April an der Internationalen Raumstation andocken
Fische als Versuchskaninchen für Weltraumkrankheit (14.02.2008)
Raketenmission soll neue Erkenntnisse über die Ursachen der Erkrankung liefern
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Wohnen im All
Marsmission Phoenix Lander
Die Dawn-Mission
Planeten
Dossiers zum Thema
Internationale Raumstation
Forschungsstandort Umlaufbahn
Wohnen im All
Lebensform der Zukunft oder teure Utopie?
Besuch beim Herrn der Ringe
Sonde Cassini auf Tour im Saturnsystem
Dawn – auf dem Weg zum Asteroidengürtel
Start der Weltraummission zur Erkundung von Vesta und Ceres
Das Jahr des Drachen
China erobert den Weltraum
Phoenix auf dem Roten Planeten
NASA-Raumsonde sucht nach Wasser und Leben in der marsianischen Arktis
Landung auf dem Mond
(K)ein Fall für Verschwörungstheoretiker?
Rückkehr zum Mond
Neuer Run auf den Erdtrabanten
News des Tages
Neue Hinweise auf Ozean auf dem Mars
Rätsel um Ur-Augen gelöst?
Zehn Jahre ISS
Nanofasern aus Blut
Alzheimer: Stau im Cholesterintransport des Gehirns
HI-Viren-Wächter im Ausnahmezustand
Klima: Energiewende oder Ende?
Bücher zum Thema
Von Apollo zur ISS
Eine Geschichte der Raumfahrt von Jesco von Puttkamer
Full Moon - Aufbruch zum Mond
Das Jahrhundertereignis in Originalbildern von Michael Light
Space Odyssey
Mission zu den Planeten
Die Planeten
von David McNab und James Younger
Das Universum
"Die Schöpfung" und "Die Sterne"
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes