• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 26.07.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Wie Stress das Herz aus dem Takt bringt

Neue Studie entlarvt Grundlagen erblicher Herzrhythmusstörungen

Jeder kennt das Herzklopfen bei körperlichem oder seelischem Stress: Eine sinnvolle Reaktion des Körpers, die auf eine gesteigerte Leistung vorbereitet. Empfindliche Menschen allerdings können bei Stress Herzrhythmusstörungen bekommen, die zu Ohnmachtsanfällen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen. Wie der Stress diese Störungen auslöst, hat jetzt ein internationales Forscherteam auf molekularer Ebene entdeckt.
Modell eines menschlichen Herzens

Modell eines menschlichen Herzens

Ihre Erkenntnisse über das Zusammenspiel des Stress-Hormons Cortisol mit mutierten Ionenkanälen der Herzmuskelzellen könnten Wege zu neuen Medikamenten weisen.

Elektrische Signale ein- und ausschalten


Der regelmäßige Herzrhythmus wird durch ein komplexes Zusammenspiel elektrischer Signale reguliert. Diese Signale entstehen durch den Strom von Ionen durch verschiedene Typen von Ionenkanälen in den Wänden der Herzmuskelzellen, die sich alle zu bestimmten Zeitpunkten öffnen und wieder schließen müssen. Funktioniert einer der Ionenkanäle nicht richtig, so kann das Zusammenspiel gestört werden, und das Herz gerät aus dem Takt.

Eine bestimmte Form dieser Herzrhythmusstörungen - die so genannte Torsade de pointes-Arrhythmie - entsteht unter anderem durch Defekte in einem bestimmten Kaliumkanal (IKs-Kanal). Dieser sorgt für das rechtzeitige Abschalten des elektrischen Signals am Ende jedes Herzschlags. Ist er defekt, etwa aufgrund einer Mutation, hält das Signal zu lange an. Patienten mit einem solchen erblichen Defekt im IKs-Kanal neigen zu Herzrhythmusstörungen, die zu Blutdruckabfall und plötzlichem Herztod führen können.


Stresshormon Cortisol stimuliert Ionenkanäle im Herzen


Es ist bereits länger bekannt, dass Stress bei diesen Patienten die Rhythmusstörung auslösen kann. Die molekulare Grundlage dieser Reaktion war aber bisher weitgehend unklar und eine gezielte medikamentöse Behandlung daher schwierig. Forscher um Dr. Guiscard Seebohm vom Lehrstuhl für Biochemie I - Rezeptorbiochemie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) kamen dem Problem nun auf die Spur.

Im Jahr 2007 konnten sie zeigen, dass der IKs-Kanal bei Gesunden durch das Stresshormon Cortisol stimuliert wird. Cortisol aktiviert in Herzzellen ein bestimmtes Enzym (SGK1). Dieses wiederum löst eine Signalkaskade aus, die mehr IKs-Kanäle aus Speichern in der Zelle in die Plasmamembran, also an die Zelloberfläche, transportiert, wo sie ihre Funktion entfalten können.

Mutierte Ionenkanäle reagieren anders auf Cortisol


Um das Problem bei mutierten Ionenkanälen zu ergründen, schleusten die Forscher für ihre aktuelle Arbeit gesunde und mutierte Ionenkanäle in Froscheier, Zellkulturen und Mäusestammzellen ein. Die Funktion der Ionenkanäle untersuchten sie dann elektrophysiologisch und mikroskopisch. Ihr Ergebnis: Manche mutierte IKs-Kanäle, die bei Patienten mit erblichen Herzrhythmusstörungen vorkommen, reagieren anders auf Cortisol als die Kanäle von Gesunden. Einige der mutierten IKs-Kanäle werden durch das Enzym SGK1 nicht wie gesunde Kanäle stimuliert, sondern gehemmt.

Die Forscher fanden auch die molekulare Grundlage dieser komplexen Veränderungen heraus: Die mutierten Kanäle gelangen nicht wie die gesunden in die intrazellulären Speicher. Deshalb kann das Enzym SGK1 den Transport dieser mutierten IKs-Kanäle in die Plasmamembran nicht mehr stimulieren, und es werden weniger Kanäle in die Plasmamembran eingebaut, so dass ihre Aktivität insgesamt abnimmt.

Hoffnung auf spezifischere Medikamente


Durch diese Erkenntnisse über die molekularen Grundlagen erblicher Herzrhythmusstörungen ergeben sich neue, vielversprechende Ansatzpunkte für die Therapie dieser potenziell tödlichen Krankheit. Auch die Entwicklung neuer spezifischerer Medikamente rückt in greifbare Nähe.

„Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, in Zukunft Herzrhythmusstörungen besser therapieren und so den plötzlichen Herztod wirksamer verhindern zu können“, so Seebohm.
(idw - Ruhr-Universität Bochum, 17.11.2008 - DLO)