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Sonntag, 26.06.2016
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Norddeutschland: Klimawandel macht Herbst grüner

Temperaturen steigen um zwei bis 4,5° Celsius

Anfang November befindet sich Norddeutschland in der Regel mitten im Herbst: Seit einiger Zeit läuft die Heizung, die Blätter fallen bunt gefärbt von den Bäumen und bald wird der Grünkohl geerntet. Aber wie sieht es in Zukunft aus? Auswertungen des Norddeutschen Klimabüros am GKSS-Forschungszentrum Geesthacht zeigen, wie sich der Herbst in Norddeutschland mit dem künftigen Klima ändern kann: Er kommt vermutlich später und wird wärmer und grüner.
Verschiebung des ersten kühlen Herbstages

Verschiebung des ersten kühlen Herbstages

So haben verschiedene regionale Klimaberechnungen gezeigt, dass sich der Herbst in Norddeutschland Ende des Jahrhunderts etwa zwei bis drei Wochen später im Jahr ankündigen könnte als bisher. Der erste kühle Herbsttag, mit Temperaturen unterhalb von fünf Grad Celsius, wird dann etwa 14 bis 24 Tage später als heute auftreten.

Die Berechnungen weisen außerdem darauf hin, dass es Ende des Jahrhunderts etwa drei zusätzliche Sommertage mit Temperaturen über 20° Celsius zwischen September und Oktober geben könnte. Im Mittel wird der Herbst in Norddeutschland vermutlich etwa zwei bis 4,5° Celsius wärmer ausfallen als bisher.

In den Herbstferien an die Ostseeküste?


Bedingt durch diese Veränderungen würden Urlaubsziele an Nord- und Ostseeküste auch in den Herbstferien für einen größeren Personenkreis attraktiv werden, so die Forscher. Andererseits könnten dann Engpässe in der Trinkwasserversorgung und Gesundheitsgefährdungen durch Hitzestress bis in den Herbst andauern.


„In etwa 50 Jahren kann der September in der Metropolregion Hamburg sowie an Nord- und Ostsee im Mittel genauso warm werden wie heute der August", so Insa Meinke vom Norddeutschen Klimabüro. Verabschieden wird sich der Herbst aber voraussichtlich auch weiterhin stürmisch und regnerisch: Ende des Jahrhunderts kann es im November bis zu 30 Prozent mehr regnen und Windstärken können bis sechs Prozent zunehmen.

Zahlreiche Veränderungen des Ökosystems möglich


Ändern sich die Temperaturen in dieser Bandbreite, würde dies nach Angaben der Wissenschaftler eine Vielzahl von weiteren Veränderungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten hervorrufen. „Die bisherige Temperaturerhöhung in Norddeutschland von 0,8°C im letzten Jahrhundert hat unter anderem bewirkt, dass Vegetationsperioden schon heute etwa zehn Tage länger andauern als noch vor 40 Jahren. Entsprechend später würde sich dann mit der künftig möglichen Erwärmung das Blattwerk im Jahr verfärben. Auch auf den Grünkohl müssten die Norddeutschen in Zukunft bis zu vier Wochen länger warten“, so Meinke.

„Europaweit ist zu beobachten, dass Zugvögel ihre Routen verändern. Einige Zugvögelarten, wie zum Beispiel der Kranich, verlassen Norddeutschland in milden Jahren bereits heute nicht mehr. Wärmeliebende Pflanzenarten könnten ihre Verbreitung Richtung Norden verlagern, während heimische Arten sich stärker Richtung Skandinavien verbreiten“, erklärt Meinke weiter. „Die Zukunft eines Ökosystems im Detail vorherzusagen, ist aufgrund der Komplexität jedoch noch sehr schwierig, die Auswirkungen können auf jeden Fall massiv sein.“

Weniger Heizkosten?


Berechnungen von Klimaforschern zufolge kann es im Herbst Ende des Jahrhunderts zudem etwa vier bis sieben Frosttage weniger geben als heutzutage. Die Ergebnisse des Norddeutschen Klimabüros gehen davon aus, dass in Zukunft die Heizungen im Norden Deutschlands erst vier Wochen später eingeschaltet würden. Geringere Energiekosten wären die Folge, denn in der Regel beginnt man heute erst nach einer Kälteperiode von drei aufeinander folgenden Nächten mit Temperaturen unter zwölf Grad Celsius, die Heizung anzuwerfen. Solche Kälteperioden könnten sich den Berechnungen zufolge im Vergleich zu heute bis zum Ende des Jahrhunderts um acht bis 28 Tage verspäten.

„Auch wenn wir dem erwarteten herbstlichen Klimawandel in unserem Raum scheinbar durchaus positive Aspekte abgewinnen können, so überwiegen Szenarien für den Winter und Sommer, die uns vor starke Herausforderungen stellen“, so Meinke. Dies sind insbesondere die möglicherweise starke Niederschlagsabnahme im Sommer, sowie die scheinbar beachtliche Niederschlagszunahme im Winter und die mögliche Intensivierung der Winterstürme. Diese Änderungen setzten Mensch und Ökosysteme unter massiven Anpassungsdruck. „Es lohnt sich also den menschgemachten Klimawandel differenzierter zu betrachten“, fasst Meinke zusammen.

Regionale Klimarechnungen


Die Aussagen zum zukünftigen Herbst in Norddeutschland basieren auf verschiedenen regionalen Klimarechnungen, die am Deutschen Klimarechenzentrum Hamburg und in verschiedenen EU-Projekten unter Beteiligung des GKSS-Instituts für Küstenforschung durchgeführt wurden.

Diesen Berechnungen liegen unterschiedliche Treibhausgaskonzentrationen zugrunde. Deshalb haben alle Angaben Bandbreiten, innerhalb derer sich das Klima in Norddeutschland künftig ändern kann.
(idw - GKSS-Forschungszentrum Geesthacht, 11.11.2008 - DLO)