Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Mensch verändert Wasserhaushalt
Warum wie viel Wasser die Flüsse hinab fließt
Der Mensch verändert zunehmend die Menge Wasser, die vom Land ins Meer oder in Binnengewässer fließt. Berechnungen mit einem Computermodell der Vegetation und des Wasserhaushalts der Erde haben gezeigt, dass im 20. Jahrhundert der Niederschlag die globale Abflussmenge bestimmt hat. Regional variiert der Abfluss dagegen mit Faktoren wie der Landnutzung und Bewässerung, der Temperatur oder der Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), berichten jetzt Forscher in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“.
Lebenselixier Wasser
Lebenselixier Wasser
© USDA/NRCS
Der Einfluss dieser vor allem von menschlichen Aktivitäten abhängenden Faktoren auf den Abfluss und damit auf die Verfügbarkeit von Wasser wird künftig wahrscheinlich noch stärker werden, so die Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Mehr Niederschlag, größere Abflussmengen
„Wie stark die steigende CO2-Konzentration den im Laufe des 20. Jahrhunderts leicht zunehmenden Abfluss beeinflusst hat, wird in der Wissenschaft diskutiert“, sagt Dieter Gerten, der leitende Autor der aktuellen Studie.

Mit dem globalen dynamischen Vegetationsmodell LPJmL (Lund-Potsdam-Jena managed Land) hat das Team um Gerten nun die Auswirkungen von Veränderungen des Klimas, der CO2-Konzentration sowie der Landbedeckung und -nutzung auf den Abfluss untersucht. „Die Modellierung zeigt, dass eine Zunahme des globalen Niederschlags der dominierende Faktor für den Abflussanstieg war“, sagt der Geograph und Hydrologe.

Forscher registrieren deutliche Veränderungen
Die Wissenschaftler haben das Vegetationsmodell unter anderem mit Klimadaten der Climatic Research Unit (CRU) der britischen University of East Anglia in Norwich gefüttert, einem Standard-Datensatz für globale Modellierungen. Die Simulationen zeigen, dass sich die Abflussmengen im Laufe des letzten Jahrhunderts in vielen Regionen der Welt deutlich verändert haben. Übereinstimmend mit Messungen nahmen sie in Nord- und Westafrika, Mittel- und Osteuropa sowie in Teilen Südasiens ab. In Teilen Sibiriens, Nordamerikas und Südamerikas nahmen sie dagegen zu.

Die globale Jahresabflussmenge, sie liegt etwa zwischen 35.000 und 40.000 Kubikkilometern, nahm unter Berücksichtigung der CRU-Klimadaten im vergangenen Jahrhundert um 7,7 Prozent zu, berichten die Forscher. Nach Schätzungen fallen jährlich zwischen 95.000 und 110.000 Kubikkilometer Niederschlag auf die Landoberfläche der Erde. Da sich die regionalen Niederschlagsmengen und ihre Trends jedoch zwischen verschiedenen Klimadatensätzen unterscheiden und andere Datensätze keinen eindeutigen globalen Niederschlagstrend zeigen, bleibt unklar, ob es derzeit eine globale Abflusserhöhung gibt, so die PIK-Forscher.

Nach dem Niederschlag hatte die Landnutzung die deutlichsten Auswirkungen auf die Abflussmenge. Im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts erhöhte der Mensch durch Umgestaltung natürlicher Flächen, vor allem Rodungen, den globalen Abfluss um 1,7 Prozent, während Wasserentnahmen zur Bewässerung einen global geringen, gebietsweise aber bedeutsamen Rückgang verursachten.

Jährlicher Wasserabfluss
Jährlicher Wasserabfluss
© Geophysical Research Letters Jährlicher Wasserabfluss
Einfluss der Temperatur nimmt zu
Die globale Erwärmung hat die Abflussmenge über das Jahrhundert dagegen um 0,9 Prozent verringert. Am deutlichsten ist dieser Trend, der zum größten Teil auf stärkerer Verdunstung im Sommerhalbjahr beruht, in hohen nördlichen Breiten und in Zentralasien. In den letzten Jahrzehnten habe der Einfluss der Temperatur zugenommen, berichten die Wissenschaftler. Berechnungen auf Grundlage dreier Szenarien des Weltklimarates zeigen, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird und allein die zu erwartende Erwärmung die globale Abflussmenge am Ende des 21. Jahrhunderts um etwa sechs Prozent vermindern könnte.

Theoretisch kann die Zunahme der CO2-Konzentration nach Angaben der Potsdamer Wissenschaftler diese Entwicklung künftig verstärken. Das Treibhausgas könnte wie ein Düngemittel wirken und die Bodenbedeckung mit Pflanzen zunehmen. Mehr Pflanzen würden regional mehr Wasser aus dem Boden aufnehmen und an die Luft abgeben. Global wirkt sich der Düngeeffekt bislang jedoch kaum aus.

Weniger Wasser über die Spaltöffnungen abgegeben
Ein anderer direkter CO2-Effekt hat den Abfluss zwischen 1901 und 2002 dagegen um mehr als ein Prozent zunehmen lassen: Bei höherer CO2-Konzentration müssen Pflanzen die Spaltöffnungen ihrer Blätter weniger öffnen, um ausreichende Mengen CO2 für ihr Wachstum aufzunehmen. Sie geben daher weniger Wasser an die Atmosphäre ab und nehmen entsprechend weniger aus dem Boden auf.

„Der Netto-Effekt des steigenden CO2-Gehalts der Atmosphäre könnte die globale Abflussmenge bis zum Jahr 2100 um weitere fünf Prozent erhöhen“, sagt Gerten. Der negative Temperatureinfluss würde damit in etwa ausgeglichen. Allerdings würden sich Temperatur- und CO2-Einflüsse nur bedingt in denselben Regionen bemerkbar machen. Die Forschergruppe stellt sich daher die Aufgabe, in weiteren Studien die mögliche zukünftige Entwicklung der weltweiten Wasserverfügbarkeit und -nachfrage genauer zu analysieren.

Weitere Forschung nötig
„Unser Modell ist derzeit das einzige, das die Einflüsse der verschiedenen Faktoren in dieser Form abbilden kann“, sagt Wolfgang Lucht, der Leiter der Abteilung. Dazu sei es notwendig, Wissen über den Wasserhaushalt der Erde mit Wissen über die Vegetationsdynamik zu kombinieren. „Die Berechnungen deuten darauf hin, dass der vielfältige menschliche Einfluss auf den Wasserhaushalt der Erde zunimmt“, so Lucht.

Um mit größerer Sicherheit beziffern zu können, wie sich die Abflussmengen und damit die Wasserverfügbarkeit für Menschen entwickeln, brauche man jedoch mehr Messdaten und -methoden. Das Wissenschaftlerteam fordert daher, die Ausdünnung bestehender Messnetze zu stoppen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Klimawandel, Wasser, Flüsse, Meere, Ozeane, globale Erwärmung, CO2, Treibhausgase, Atmosphäre, Wasserhaushalt, Gewässer
Weitere News zum Thema
Gletscher verursachen ein Drittel des Meeresspiegel-Anstiegs (17.05.2013)
Ein Prozent des Eises in den Gletschern bewirkt genauso viel wie die restlichen 99 Prozent
Klima: Schwebstoffe kühlen weniger als gedacht (10.05.2013)
Ein Großteil der Sulfat-Aerosole entsteht anders als gedacht und sinkt schnell wieder zu Boden
Klima: Trotz Kapriolen keine Entwarnung (08.05.2013)
DWD-Bilanz: 2012 war zwar kein Rekordjahr, aber noch immer deutlich zu warm
Versauerung lässt Miesmuscheln kalt (07.05.2013)
Ausreichend Futter kann Nachteile von saurem Wasser zum Teil ausgleichen - noch
Macht der Klimawandel den Nordatlantik süßer? (03.05.2013)
Jahresringe im Skelett von Rotalgen sollen diese Frage künftig beantworten helfen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Klimawandel in Deutschland
Klimaforschung
Dossiers zum Thema
Quo vadis, Elbe?
Ein Fluss zwischen Wirtschaft und Naturschutz
Ganges - Der heilige Fluss
Zwischen religiöser Verehrung und drohendem Kollaps
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Streit ums Klima
Klimawandel unter Beschuss?
S.O.S. - Ist das Klima noch zu retten?
Klimakonferenz 2006: Zukunft Verhandlungssache
Klimawandel in Deutschland
Wie verändert sich unser Klima bis 2100?
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Krieg um Wasser
Die neue Gefahr für den Weltfrieden?
Der Monsun
Fluch und Segen im Klimawandel
Okavango-Delta
Wasserkrise im „Garten Eden“?
Aralsee
Chronik einer anthropogen verursachten Katastrophe
Aralsee
Neuigkeiten von einer ökologischen Katastrophe
Trinkwasser
Hat Deutschland ein Wasserproblem?
CO2: Vom Klimakiller zum Dünger?
Auswirkungen des Treibhausgases auf die Pflanzenwelt
Simulierte Welten
Modelle der Natur im Computer
News des Tages
Auch Quantenpunkte haben ein Beziehungsleben
Mensch verändert Wasserhaushalt
Bildungsgipfel: Eher Flop als Top?
Kampfer macht das Gehirn "fit"
Strom aus Luft und Wasser
Tonerstaub verursacht Krebs
Bitterfeld: Wasserpest-Invasion im Tagebausee
Bücher zum Thema
Globaler Wandel
Die Erde aus dem All von Stefan Dech, Rüdiger Glaser und Robert Meisner
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Wir Wettermacher
von Tim Flannery
Der Klimawandel
von Stefan Rahmstorf und Hans J. Schellnhuber
Einführung in die Ökologie
von Wolfgang Tischler
Wasser
Die weltweite Krise um das blaue Gold von Marq de Villiers
H2O
Biographie des Wassers von Philip Ball
Die Erde im Visier
Die Geowissenschaften an der Schwelle zum 21. Jahrhundert von Hans-Peter Harjes und Roland Walter
Atmosphäre im Wandel
Die empfindliche Lufthülle unseres Planeten von Thomas E. Graedel, Paul J. Crutzen
Top-Clicks der Woche
1. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
2. Neandertaler-Mütter stillten ihre Kinder genauso kurz wie wir
3. Urzeit-Wald auf Baustelle entdeckt
4. Kluge Hirne sind wählerisch
5. Zweisprachige nutzen zwei Lautsysteme