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Samstag, 22.07.2017
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Mikroblutungen im Gehirn bedrohen Bergsteiger

Lebensgefährliche Hirnschwellung hinterlässt Spuren

Schneller Aufstieg in große Höhen birgt Gefahren. Heidelberger Sportmediziner haben nachgewiesen, dass es bei Bergsteigern, die eine lebensgefährliche Hirnschwellung erleiden, zu kleinen Einblutungen ins Gehirn kommt. Spuren davon konnten mittels Magnetresonanztomografie (MRT) auch nach Monaten noch nachgewiesen werden.
Hochgebirge

Hochgebirge

Damit sind Mediziner erstmals in der Lage zu unterscheiden, ob ein Patient tatsächlich unter einem so genannten Höhenhirnödem gelitten hat oder nur unter einer schweren Form der Bergkrankheit. Besonders gefährdete Bergsportler können so identifiziert werden, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism“.

Risikopersonen, die dennoch weitere Bergtouren über 4.000 Meter planen, sollten langsam aufsteigen beziehungsweise sich mit entsprechenden Notfall-Medikamenten ausrüsten.

Wenn den Gefäßen der Sauerstoff fehlt, schlagen sie leck


Bewusstseinstrübungen, Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen, Erbrechen - ein Höhenhirnödem ist eine gefährliche Erkrankung, die bei Bergsteigern in Höhen ab 4.000 Metern auftreten und innerhalb von 24 Stunden zu Koma und Tod führen kann. In der „dünnen Luft“ mangelt es an Sauerstoff, die Blutgefäße schlagen leck und Flüssigkeit sammelt sich im Hirngewebe an. Da sich das Gehirn im knöchernen Schädel nicht ausdehnen kann, kommt es zum gefährlichen Druckanstieg. Das Höhenhirnödem kommt selten vor, endet aber häufig tödlich.


In Höhen zwischen 4.000 und 5.500 Metern sind zwischen 0,5 und 1,5 Prozent der Bergsteiger betroffen. 40 Prozent der Erkrankten überleben einen Anfall nicht.

Eisenablagerungen als Zeichen von Mikroblutungen


Mit Hilfe der MRT, die Gewebestrukturen detailliert darstellt - hat Professor Peter Bärtsch aus der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg in Zusammenarbeit mit Neuroradiologen aus Göttingen und Erlangen erstmals überlebende Betroffene untersucht: Bei allen Bergsteigern waren im so genannten Balken - der Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften - Eisenablagerungen als Zeichen von Mikroblutungen zu sehen, obwohl die Hirnschwellung bereits zwischen zwei und 31 Monate zurücklag und die Sportler keinerlei Beschwerden mehr verspürten.

„Bei Patienten, die nur von der Bergkrankheit aber nicht von einem Höhenhirnödem betroffen waren, konnten wir keine Mikroblutungen feststellen“, sagt Bärtsch. Die Bergkrankheit geht ebenfalls mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit einher und wird als Vorstufe des Höhenhirnödems angesehen.

Mikroblutungen Anlass zur Vorsorge


Dass die winzigen Lecks in den Gefäßen sich nun in einer nur etwa 30 Minuten dauernden Untersuchung feststellen lassen, eröffnet neue Möglichkeiten der Beratung: „Falls ein Bergsteiger tatsächlich ein Höhenhirnödem hatte, sollte er bei der nächsten Expedition in große Höhen sehr vorsichtig sein, langsam aufsteigen und eventuell vorbeugend Medikamente einnehmen“, so Bärtsch.

Der Auslöser von Höhenkrankheiten ist immer Sauerstoffmangel - doch warum in schweren Fällen die Mikroblutungen auftreten, ist noch nicht geklärt. Bei einer dritten Höhenkrankheit - dem Höhenlungenödem - hat man ebenfalls Hinweise auf kleine Blutungen gefunden.

„Es kann den Fittesten treffen“, warnt Bärtsch. „Der beste Schutz vor Höhenkrankheiten ist ein langsamer Aufstieg. Die Schlafhöhe sollte über 2.500 Meter pro Tag um nicht mehr als 300 bis 500 Meter steigen.“ Ein Gipfel lässt sich eben nicht erstürmen - sondern höchstens erklimmen.
(idw - Universitätsklinikum Heidelberg, 20.10.2008 - DLO)
 
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