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Donnerstag, 09.02.2012
Interferon lockt Killerzellen zum Krebs
Warum Abwehrzellen in Tumore einwandern
Natürliche Killerzellen sind Bestandteil der körpereigenen Abwehr gegen Krebs. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum haben nun aufgeklärt, welche Faktoren die Abwehrzellen dazu veranlassen, in Tumore einzuwandern. Ergebnis: Mit dem Immunbotenstoff gamma-Interferon lassen sie sich gezielt ins Krebsgewebe dirigieren. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Cancer Research“.

Krebszellen
Krebszellen
© National Cancer Institute
Natürliche Killerzellen, kurz NK-Zellen – sind eine wichtige Komponente des angeborenen Immunsystems. Im Gegensatz zu den T-Zellen, die spezifische Zielstrukturen erkennen müssen um aktiv zu werden, sind NK-Zellen jederzeit einsatzbereit: Sie töten gezielt solche Körperzellen ab, die ihren molekularen Identitätsnachweis, das MHC-Klasse I-Molekül, verloren haben. Dies passiert etwa im Verlauf einer Virusinfektion oder bei der Entartung zu Krebs.

NK-Zellen als natürliche Waffe gegen Krebs
NK-Zellen gelten daher als wichtiger Verteidigungsmechanismus des Körpers gegen Krebs. Zahlreiche Untersuchungen haben bereits bestätigt, dass Krebspatienten, in deren Tumoren sich reichlich NK-Zellen fanden, eine besonders gute Prognose haben. Dr. Adelheid Cerwenka und ihr Team im Deutschen Krebsforschungszentrum prüften nun an Mäusen, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass NK-Zellen in einen Tumor gelangen.

Die Forscher zeigten, dass der Immunbotenstoff gamma-Interferon eine entscheidende Rolle spielt: Mäuse überleben eine Transplantation von Lymph- oder Hautkrebszellen im Durchschnitt 25 Tage. Werden die Krebszellen jedoch auf Mäuse übertragen und dabei gleichzeitig das gamma-Interferon ausgeschaltet, so sterben die Tiere früher, ihre Tumoren enthalten weniger NK-Zellen.

Bildung eines Signalmoleküls angeregt
Die Immunologen konnten auch aufklären, dass der Immunbotenstoff nur indirekt auf die NK-Zellen wirkt: Offenbar regt das gamma-Interferon im Tumor die Bildung eines weiteren Signalmoleküls an. Diese Substanz mit dem Namen CXCL10 lockt gezielt solche NK-Zellen, die den dazu passenden Rezeptor auf ihrer Oberfläche ausbilden, ins Krebsgewebe. Je mehr Signalmolekül im Tumor entsteht, desto mehr NK-Zellen wandern ins Krebsgewebe und umso länger überleben die Mäuse.

Für die Mediziner besonders interessant ist, dass sich der Effekt auch von außen beeinflussen lässt. So werden NK-Zellen auch dann angelockt, wenn den Mäusen biotechnologisch hergestelltes gamma-Interferon oder CXCL10 in die Geschwulst gespritzt wird. „Das macht das Ergebnis so spannend“, freut sich Cerwenka. „Denn so können wir möglicherweise Tumortherapien unterstützen, indem wir dem Krebs gezielt die Natürlichen Killerzellen auf den Hals hetzen.“
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