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Dienstag, 09.02.2010
Börsenmakler können nicht logisch denken
Studie identifiziert psychologische Aspekte der Finanzmarktkrise
Börsenmakler sind laut einer Studie Gießener Forscher kaum in der Lage, logisch zu denken. Wie die Psychologen bei einer Untersuchung mit 20 erfahrenen Börsenmaklern herausfanden, lassen sich die Börsianer vielmehr durch ihre frühere Erfahrung leiten. Es fällt ihnen demnach schwer, sich von nur vermeintlich richtigen Denkmustern zu lösen.

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Die Wissenschaftler um Professor Markus Knauff aus der Abteilung Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Gießen interessierte vor allem die Frage: Was geht im Kopf der Börsianer vor, wenn eine Schlussfolgerung über die Folgen eines Aktiengeschäfts zwar logisch gesehen die richtige wäre, diese Schlussfolgerung aber im Widerspruch zu dem steht, was die Börsenmakler für richtig halten? Die Untersuchungsteilnehmer sind zum Teil seit mehr als zehn Jahren für große Finanzunternehmen an der Frankfurter Börse tätig.

Besonders machten sich die Defizite beim logischen Denken nach den Ergebnissen der Studie bemerkbar, wenn die Börsenmakler aufgefordert wurden, Entscheidungen allein „logisch“ zu treffen, auch wenn diese Entscheidung nicht mit ihrer Erfahrung übereinstimmte. In diesen Fällen zogen die Versuchsteilnehmer sehr viele falsche Schlüsse, und es dauerte viel länger, bis sie eine Entscheidung getroffen hatten. Die so genannten Experten waren dann sogar schlechter als eine Vergleichsgruppe von Versuchspersonen, die über keinerlei Erfahrung an der Börse verfügten.

Auch psychologische Faktoren berücksichtigen
In der aktuellen Berichterstattung über die Ursachen der Finanzmarktkrise und die Möglichkeiten ihrer Bewältigung kommen vor allem Wirtschaftexperten und Politiker zu Wort. Dabei werden aber die psychologischen Faktoren kaum berücksichtigt, die das Handeln der Akteure beeinflussen. Geldgier allein reicht als Erklärung für das Versagen von Managern und Wirtschaftslenkern nicht aus.

Es sind auch die individuellen geistigen Fähigkeiten, die es schwer machen, alle Konsequenzen von Finanzentscheidungen und deren Wechselwirkungen vorherzusehen, so die Kognitionspsychologen. Dies gilt selbst dann, wenn der gute Wille vorhanden sein sollte.

Kaum rationale Entscheidungen
In einer anderen Studie entdeckten die Forscher, dass rein rationale Entscheidungen kaum möglich sind. Die Wissenschaftler untersuchten, was in den Gehirnen von Versuchspersonen passiert, wenn sie Aufgaben lösen müssen, in denen es zu einem Konflikt kommt - zwischen dem, was die Person für moralisch richtig hält und dem, was die rational richtige Entscheidung wäre. An dieser Untersuchung nahmen 30 Studierende verschiedener Fachrichtungen teil.

Die Forscher maßen dabei die Aktivität in den Gehirnen der Probanden mittels funktioneller Kernspintomographie, während sie Denkaufgaben lösten. Bei den Denkaufgaben mussten sie sich entscheiden, ob sie sich so verhalten, wie sie es für „moralisch richtig“ hielten, oder ob sie sich „rein logisch“ entschieden - selbst wenn sie diese Entscheidung als moralisch verwerflich empfanden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es immer auch zu Aktivität in Regionen des Gehirns kommt, die mit starken Gefühlen und emotionalen Bewertungen in Verbindung stehen.

Psychologie hilft Fehlentwicklungen zu verstehen
Die Psychologie weiß inzwischen sehr viel darüber, wie Menschen denken und wie sie in sehr komplexen Situationen Entscheidungen treffen. Psychologische Erkenntnisse können deshalb auch helfen, Fehlentwicklungen besser zu begreifen und Fehler in der Zukunft zu vermeiden, so die Wissenschaftler abschließend.
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