Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Peru: Bewässerung machte Flussoasen fruchtbar
Geographen erforschen Entwicklung der Kulturlandschaft im Palpa-Tal im Süden Perus
Nicht unregelmäßige Überschwemmungen, sondern kontinuierliche Bewässerungen durch den Menschen haben die fruchtbaren Terrassen im Palpa-Tal im Süden Perus erschaffen. Dies konnten jetzt Jenaer Wissenschaftler in einer neuen Studie zeigen. Der Bewässerungsfeldbau in der Küstenwüste begann danach bereits vor mindestens 3.500 Jahren.

Mächtige Terrassen
Mächtige Terrassen
© Jussi Baade/FSU Mächtige Terrassen
Wasser bedeutet Leben. Besonders augenfällig wird das an Oasen, die mitten in einer Wüste liegen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Hochkultur des Alten Ägyptens, die auf den segensreichen Hochwassern des Nils beruhte. Nicht ganz so lange sind die Flussoasen in der Küstenwüste von Peru besiedelt.

Palpa-Tal im Visier der Forscher
Jussi Baade und sein Mitarbeiter Ralf Hesse von der Universität Jena haben mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Entwicklung der Kulturlandschaft im Palpa-Tal im Süden Perus erforscht. Sie konnten belegen, dass die bis zu vier Meter mächtigen Terrassen durch die kontinuierliche Bewässerung mit sedimentbefrachtetem Flusswasser entstanden sind.

„Bei unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass sich jedes Jahr bis zu drei Millimeter Boden abgesetzt hat. Bislang wurde davon ausgegangen, dass unregelmäßig auftretende Überschwemmungen diese Terrassen im Palpa-Tal entstehen ließen“, sagt Baade. Bei dieser Theorie sei von einem Klimawandel in der Küstenwüste Perus ausgegangen worden, der sich nicht bestätigen ließ.

Abfolge der Bodenschichten analysiert
Im Rahmen ihrer Forschungen vor Ort hoben die Wissenschaftler zahlreiche Gruben aus, um die Abfolge der Bodenschichten zu analysieren. Mittels sedimentologischer Untersuchungen konnten sie zeigen, dass die Entstehung der Terrassen im Wesentlichen auf den jahrtausendelangen saisonalen Eintrag von Sediment durch die Bewässerung mit Flusswasser zurückzuführen ist. Das Vorhandensein von Holzkohle und Keramikscherben werten die Forscher als weiteren Beleg für die landwirtschaftliche Nutzung.

Mit der Radiokohlenstoffmethode wurde auch das Alter der Proben bestimmt. Die ersten Bewässerungsböden sind demnach zwischen 4.900 und 3.500 Jahre alt. Ihr heutiges Ausmaß erreichte die Bewässerungsfläche wohl bereits vor 2.150 bis 1.300 Jahren, also deutlich vor der spanischen Besiedlung.

Robustes traditionelles System
Die Bewohner der Flussoase entlang des Rio Palpa und des Rio Vizcas, die beide in den Rio Grande münden, profitieren bis heute von einem ausgeklügelten System der Kanalbewässerung. Sie bauen unter anderem Kichererbsen, Baumwolle, Mais, Mangos und Zitrusfrüchte an. Offensichtlich wirkt sich der Unterschied im Höhenniveau zwischen Äckern und Fluss positiv aus.

„Wir haben kaum Versalzungen festgestellt“, sagt Hesse. Das liege wohl auch daran, dass das eingeleitete Wasser nach unten sickern kann. Von Vorteil war zudem die Begrenzung der Anbauflächen auf etwa 2,5 mal zehn Kilometer - vergleichbar mit der Ausdehnung des Saaletals bei Jena. Dass noch heute in diesem Gebiet Bewässerungslandwirtschaft betrieben wird, zeigt, wie robust das traditionelle System des Bewässerungsfeldbaus hier ist, so die Forscher.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Flüsse, Oasen, Wüste, Böden, Landwirtschaft, Peru, Wasser, Bewässerung, Überschwemmungen, Klimawandel
Weitere News zum Thema
Modellvergleich soll Klimafolgen besser abschätzen (08.02.2012)
Besseres Fundament für Weltklimabericht 2014
Warum der Mittelfinger so eine lange Leitung hat (08.02.2012)
Hemmung von den Nachbarnervenzellen bestimmt die Reaktionsgeschwindigkeit
Keine Gletscherschmelze durch Entwaldung (07.02.2012)
Schwindende Bergwälder haben geringeren Klimaeffekt als gedacht
Vulkanausbrüche lösten die Kleine Eiszeit aus (01.02.2012)
Forscher finden Ursache der nachmittelalterlichen Kälteperiode
Meereis-Mangel sorgt für kalte Winter in Europa (27.01.2012)
Neue Studie deckt Zusammenhang zwischen arktischer Meereisbedeckung und Wetter in Mitteleuropa auf
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Wüste
Klimaforschung
Erosion
Dossiers zum Thema
Oasen
Paradiese der Wüste
Aralsee
Neuigkeiten von einer ökologischen Katastrophe
Böden
Die dünne Haut der Erde
Aralsee
Chronik einer anthropogen verursachten Katastrophe
Wüste Gobi
Welt ohne Wasser
Die Seidenstraße
Ein alter Mythos im Licht der Gegenwart
Desertifikation
Lässt sich die Wüstenbildung aufhalten?
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Hochwasser am Rhein
Alle Jahre wieder
News des Tages
Abholzung bedroht Schimpansen
"Zwitschernde" Fasern für ungebremste Lichtblitze
Peru: Bewässerung machte Flussoasen fruchtbar
Deutscher Zukunftspreis: Kandidaten stehen fest
Intelligente Linse ersetzt Lesebrille
Spannungssensor von Stammzellen entlarvt
Baumeister mentaler Landkarten identifiziert
Bücher zum Thema
Die Wüsten der Erde
von Michael Martin
Böden der Welt
Ein Bildatlas von Wolfgang Zech und Gerd Hintermaier- Erhard
Landschafts formen
Unsere Erde im Wandel von Harald Frater
Landschaften der Erde
unter dem Einfluss des Menschen von Hans-Rudolf Bork
Wasser
Die weltweite Krise um das blaue Gold von Marq de Villiers
H2O
Biographie des Wassers von Philip Ball
Naturkatastrophen
Wirbelstürme, Beben, Vulkanausbrüche - Entfesselte Gewalten und ihre Folgen von Inge Niedek und Harald Frater
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes