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Freitag, 10.02.2012
Erhöht Elektrosmog das Risiko für Alzheimer und ALS?
Forschungsprojekt zum Einfluss niederfrequenter elektromagnetischer Strahlung gestartet
Handys, Funkmasten, Stromkabel – sie alle erzeugen elektromagnetische Felder. Ob diese Felder, auch Elektrosmog genannt, schädlich sind oder nicht, darüber streitet die Wissenschaft seit Jahren. Eine neue Studie soll nun herausfinden, ob und welche Rolle niederfrequente Strahlung bei der Entstehung von Alzheimer und ALS spielt.

Handy
Handy
© S. Golembski
Seit mehreren Jahren wird kontrovers diskutiert, ob elektromagnetische Strahlung, oft auch als Elektrosmog bezeichnet, die Befindlichkeit verändert oder gar Krankheiten auslösen kann. Dazu gehören sowohl hochfrequente elektromagnetische Felder, wie sie von Mobiltelefonen oder den Sendemasten der Mobilnetze erzeugt werden, als auch niederfrequente elektromagnetische Strahlung, die unter anderem durch Hochspannungsleitungen und Elektrogeräte abgegeben wird. Gerade in den letzten Monaten ist die Frage ins öffentliche Interesse gerückt, ob Strahlung, die von Mobiltelefonen ausgeht, Krebs auslösen kann.

Zusammenhang bisher strittig
Mehrere epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass Personen, die aus beruflichen Gründen lange mit niederfrequenter elektromagnetischer Strahlung exponiert waren, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an der Alzheimer-Demenz oder ALS erkranken. Diese epidemiologischen Studien weisen zwar auf eine direkte Korrelation hin, die molekularen Ursachen für eine derartige Wirkung elektromagnetischer Strahlung sind bisher aber nur wenig untersucht.

Außerdem werden diese epidemiologischen Studien zunehmend kritisch bewertet, da sie sich sowohl im Verfahren der Datenerhebung als auch in der Anzahl der untersuchten Fälle zum Teil gravierend unterscheiden. Da die bisherigen Daten kein einheitliches Bild ergeben, wird in einem von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichten Bericht keine explizite Warnung vor niederfrequenten Strahlungen ausgesprochen.

Mäuse als Modell
Unter Leitung von Albrecht Clement und Christian Behl, Professor am Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie der Universität Mainz, wird nun in einem vom Bundesamt für Strahlenschutz geförderten Projekt untersucht, ob die lang andauernde Exposition mit niederfrequenter elektromagnetischer Strahlung Einfluss auf den Verlauf der Alzheimer-Krankheit und der ALS hat. Die Versuche an Mäusen werden in Zusammenarbeit mit der Zentralen Versuchstiereinrichtung (ZVTE) und der Klinik für Nuklearmedizin der Universitätsklinik Mainz durchgeführt. In dem für vier Jahre konzipierten Projekt untersuchen die Wissenschaftler die Tiere in Verhaltensstudien und analysieren deren pathologischen Veränderungen im Nervensystem.

Clement und Behl hoffen, dass sie mit dieser Studie einerseits einen Beitrag zum tieferen Verständnis der Wirkung elektromagnetischer Strahlung leisten können. Andererseits könnte die Studie Hinweise auf die Ursachen sporadischer, nicht genetisch assoziierter Krankheitsfälle der Alzheimer-Demenz und der ALS liefern. Zwar wird ein geringer Teil der Fälle durch genetische Mutationen bei bestimmten Proteinen ausgelöst, in den weitaus meisten Fällen konnte aber bisher keine genaue Ursache festgestellt werden. So liegt die Vermutung nahe, dass neben einer möglichen genetischen Prädisposition Umweltfaktoren, der Lebensstil oder die Arbeitsumgebung das Ausbrechen und den Verlauf der Erkrankungen beeinflussen.
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