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Donnerstag, 11.03.2010
Vegetation trotzt Jahrhunderthochwasser
Forscher untersuchen Auswirkungen der Elbeflut 2002 auf Flora und Fauna
Die Folgen von extremen Fluten betreffen Laufkäfer und Schnecken stärker als die Pflanzen in den Wiesen der Flussauen. Zu diesem Ergebnis sind deutsche Wissenschaftler bei mehrjährigen Beobachtungen vor und nach der Elbeflut im August 2002 gekommen.

Hochwasser der Elbe im August 2002
Hochwasser der Elbe im August 2002
© André Künzelmann / UFZ Hochwasser der Elbe im August 2002
Die Biologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Technischen Universität (TU) Berlin, der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), von ÖKON Kallmünz und ILN Bühl sind sich einig, dass Überflutungen und Niedrigwasser als die wesentlichen Umweltfaktoren für die Lebensgemeinschaften in Auen allergrößte Bedeutung haben.

Arbeit im UNESCO-Biosphärenreservat
Allerdings seien die konkreten Auswirkungen von extremen Hochwasserereignissen auf die Flora und Fauna in Auen bisher weitgehend unbekannt gewesen. Und dies, obwohl solche Katastrophen durch den Klimawandel in Zukunft wahrscheinlich öfter auftreten werden, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des US-Fachjournals „Ecology“.

Sie hatten Pflanzen, Laufkäfer und Schnecken im Frühjahr und Herbst auf 36 Probeflächen in der Elbaue erfasst, die 2002 überflutet wurde. Dabei wurden Daten aus den Jahren 1998 und 1999 mit Daten aus den Jahren 2003 und 2004 miteinander verglichen.

Die Proben stammten von markierten Flächen innerhalb eines knapp einen Quadratkilometer großen Wiesengebietes bei Dessau im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe in Sachsen-Anhalt, das von der Elbe saisonal überflutet wird. Bei der Flut 2002 standen diese Flächen mindestens zwei Wochen mit einer Höhe zwischen 2,4 und 5,4 Metern unter Wasser.

Schnecken und Laufkäfer am stärksten betroffen
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gemeinschaften an Schnecken und Laufkäfern am stärksten von der Flut beeinflusst wurden“, erklärt Christiane Ilg vom UFZ. „Das widerlegt die Hypothese, dass Gruppen mit geringerer Mobilität stärker von der Flut beeinflusst würden, weil sie dieser schlechter ausweichen könnten und erst mit zeitlicher Verzögerung den überfluteten Lebensraum wiederbesiedeln würden.“

Die Zahl der Laufkäfer ging von 117 Arten vor der Flut auf 88 direkt nach der Flut zurück, erholte sich aber 2004 und erreichte schnell wieder das Niveau vor der Flut. Überraschenderweise war gerade diese Artengruppe, die an feuchte Lebensbedingungen angepasst ist und teilweise gute Schwimmer sind, am stärksten betroffen. Sie verloren über 40 Prozent der Arten. Laufkäfer haben sich zwar im Laufe der Evolution gut an Hochwasser angepasst, sind jedoch eher auf die typischen Winter- und Frühjahrsfluten eingestellt. Deshalb kann ein Hochwasser im Sommer, das an der Elbe in diesem Ausmaß selten auftritt, die Zahl der Laufkäferarten stark dezimieren, so die Biologen. Durch ihre hohe Mobilität erholte sich die Artenzahl jedoch auch schnell wieder.

Die Landschnecken zeigten sich nach Angaben der Forscher wenig von diesem ungewöhnlichen Sommerhochwasser beeinflusst und blieben in Artenzahl und Individuendichte etwa gleich. Lediglich die Zahl der Wasserschneckenarten stieg nach der Flut an.

Vegetation bleibt stabil
Die Vegetation war am geringsten durch die Flut beeinflusst. Der Rückgang von 113 auf 107 Pflanzenarten fällt nach Angaben der Wissenschaftler statistisch kaum ins Gewicht. Weitere Analysen haben aber gezeigt, dass auch hier einige Pflanzen in ihrer Häufigkeit stark zurückgedrängt wurden, andere wiederum vom Hochwasserereignis profitiert haben. Offenbar hat sich die Vegetation gut an das Hochwasserrisiko angepasst.

Obwohl mit dieser Untersuchung erstmals Daten zu den Auswirkungen solcher Extremereignisse auf Flora und Fauna vorliegen, betonen die Wissenschaftler, dass es schwierig ist, aus einer einzelnen Flut auf die Langzeitfolgen zu schließen. „Wir meinen, dass ein Langzeitmonitoring der Auenökosysteme mit standardisierten Methoden helfen kann, die Konsequenzen von häufigeren Fluten aber auch längeren Niedrigwasserphasen auf die Artenvielfalt in den empfindlichen Flussauen zu ermitteln.“
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