Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Sesam öffne dich für Cellulose
Forscher entwickeln neuen Katalysator für die Biomasse-Nutzung
Alternativen zu Erdöl und Erdgas als Kohlenstoffquelle und Brennstoff sind heute gefragt. Biomasse könnte dabei zukünftig einen bedeutenderen Stellenwert einnehmen. Ein internationales Forscherteam hat jetzt einen neuen Katalysator entwickelt, der Cellulose, die am weitesten verbreitete Form von Biomasse, direkt in Ethylenglycol umsetzt - ein wichtiges Zwischenprodukt der chemischen Industrie.

Reispflanze
Reispflanze
© USDA
Wie die Wissenschaftler aus den USA und China in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, besteht der Katalysator aus Wolframcarbid und Nickel auf Kohlenstoff als Trägermaterial.

Derzeit wird Biomasse vor allem in Form von Stärke genutzt, die zu Zuckern abgebaut und zu Ethanol fermentiert wird. Cellulose zu nutzen, wäre günstiger. Sie ist der Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden und damit die häufigste organische Verbindung der Erde. Anders als Stärke aus Mais und Getreide ist Cellulose zudem kein Nahrungsmittel, eine Konkurrenz zwischen einer Verwendung als Nahrungsmittel und als Roh- und Brennstoff könnte nicht entbrennen.

Bisherige Edelmetall-Katalysatoren zu teuer
Bisher wird Cellulose meist fermentativ verarbeitet. Die Spaltung von Cellulose in seine einzelnen Zuckerbausteine, die dann fermentiert werden könnten, ist jedoch ein langsamer, kostenintensiver Prozess. Entsprechend attraktiv erscheint die Alternative einer direkten Umsetzung der Cellulose in nutzbare organische Verbindungen.

Erste Reaktionen wurden in letzter Zeit bereits entwickelt, die von verschiedenen Edelmetall-Katalysatoren katalysiert werden. Der Nachteil: Die Forscher benötigen große Mengen der teuren Edelmetalle, um die Cellulose abzubauen. Im großtechnischen Maßstab sind diese Verfahren daher nicht wirtschaftlich. Ein kostengünstigerer und dabei effektiverer Katalysator wäre wünschenswert.

Effektiverer Katalysator entwickelt
Einen solchen hat das Team um Tao Zhang vom Dalian Institute of Chemical Physics in China und Jingguang G. Chen von der University of Delaware in den USA nun entwickelt. Der Katalysator besteht aus Wolframcarbid, das auf einen Träger aus Kohlenstoff aufgebracht wird. Kleine Mengen Nickel verbessern die Leistungsfähigkeit und vor allem die Selektivität des Katalysatorsystems: Dank eines synergistischen Effekts zwischen Nickel und Wolframcarbid lässt sich die Cellulose nicht nur zu 100 Prozent umsetzen, sondern der Anteil von Ethylenglycol an den entstehenden Polyalkoholen auf erstaunliche 61 Prozent steigern.

Ethylenglycol ist ein wichtiges Zwischenprodukt der chemischen Industrie. Es wird beispielsweise in der Kunststoffindustrie bei der Produktion von Polyesterfasern und -harzen benötigt und dient in der Automobilindustrie als Frostschutzmittel.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Katalysatoren, Chemie, Biomasse, Cellulose, Erneuerbare Energien, Strom, Klimawandel, Emissionen, fossile Brennstoffe
Weitere News zum Thema
Algen in den Tank (13.01.2012)
Neues Verfahren zur Herstellung von Biodiesel aus Mikroalgen-Ölen
Eisen-Drilling spaltet Stickstoff (14.11.2011)
Molekül mit drei zentralen Eisenatomen erzeugt unter milden Bedingungen Ammoniak
Sauerstoff wird Proteinen zum Verhängnis (13.10.2011)
Zerstörung der Enzymfunktion in drei Schritten nachgewiesen
Katalysator erleichtert Wasserstoffgewinnung aus Alkohol (29.09.2011)
Neues Verfahren läuft bereits bei niedrigeren Temperaturen effizient ab
Welches Element ist das? Folge 5 (24.06.2011)
Rätsel zum Jahr der Chemie
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Ökostrom
Dossiers zum Thema
Biomasse
Holz, Stroh und Biogas - Energielieferanten der Zukunft?
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Die Natur als chemische Fabrik
Weiße Biotechnologie – Alternative zur Petrochemie?
Wie grün ist der „grüne“ Strom?
Ein ökologisches Vorzeigeprodukt in der Diskussion
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
S.O.S. - Ist das Klima noch zu retten?
Klimakonferenz 2006: Zukunft Verhandlungssache
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
News des Tages
Sonnenwind zurzeit ungewöhnlich schwach
Klimaschutz: Zu spät für Korallen?
Doppeltes Spiel am Infektionsherd
Neuer Europarekord bei Solarzellen
Finger weg von Scholle und Atlantischem Lachs
Sesam öffne dich für Cellulose
Bakterien basteln an Bioknochen
Bücher zum Thema
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Wissen hoch 12
Ergebnisse und Trends in Forschung und Technik von Harald Frater, Nadja Podbregar und Dieter Lohmann
Die Welt hinter den Dingen
von Ludwig Schultz und Hermann- Friedrich Wagner
Chemische Delikatessen
Alltäglich, spannend, kurios von Klaus Roth
Die chemischen Elemente
Ein Streifzug durch das Periodensystem von Lucien F. Trueb
Die Molekül-Küche
Physik und Chemie des feinen Geschmacks von Thomas Vilgis
Feuer und Flamme, Schall und Rauch
Schauexperimente und Chemiehistorisches von Fritz R. Kreißl und Otto Krätz
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Wir Wettermacher
von Tim Flannery
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes