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Freitag, 10.02.2012
Grünes Licht für die Lego-Biologie?
Forscher ermitteln wichtige Rahmenbedingungen für die Synthetische Biologie
Künstliche Mikroben, die wie in einem Baukasten zusammengesetzt werden und künftig Kunststoffe, Medikamente oder Treibstoff in großen Mengen herstellen: das neue Forschungsgebiet der Synthetischen Biologie verspricht Anwendungen, von denen Forscher und Unternehmen bisher nur träumen. Aber kann diese Vision in Europa auch tatsächlich Wirklichkeit werden? Und wenn ja, welche Anstrengungen sind nötig? Dies haben jetzt deutsche Forscher in einer neuen Studie untersucht.

Arzneimitelforschung
Arzneimitelforschung
© USDA
„Ebenso wichtig wie Fortschritte in der Forschung sind geeignete Rahmenbedingungen“, sagt Sibylle Gaisser vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe und Leiterin des TESSY-Projekts (Towards a European Strategy for Synthetic Biology). Dazu gehörten rechtliche und ethische Standards, die Diskussion von Nutzen und Risiken mit der Bevölkerung oder neue Ausbildungsangebote an den Hochschulen.

Leere Zellhüllen werden mit künstlichem Erbgut bestückt
In der Synthetischen Biologie werden leere Zellhüllen mit künstlichen Erbgut-Bausteinen bestückt. Dann produzieren sie genau die gewünschte Substanz, zum Beispiel Biokraftstoffe für Autos, den Wirkstoff eines Medikaments oder neue Biokunststoffe. Da die Zellen nur ein abgespecktes Erbgut besitzen und von außen mit Nährstoffen versorgt werden müssen, sind sie allein nicht lebensfähig.

Ängste vor außer Kontrolle geratenen Bakterien müsse die Wissenschaft dennoch ernst nehmen, fordert Gaisser. Eine Befragung des Fraunhofer ISI von rund 600 Experten aus diesem neuen Forschungsfeld ergab, dass diese sich dieser Herausforderung bewusst sind.

Erste Produkte bereits in fünf Jahren?
Laut den Interviews rechnen die Experten in etwa fünf Jahren mit ersten Produkten aus der synthetischen Biologie - eine Prognose, die Gaisser für sehr optimistisch hält. Doch schon jetzt gibt es erste Erfolge: So ist es gelungen, mittels künstlicher Zellen das hochwirksame Malaria-Medikament Artemisinin herzustellen. Das wurde bisher aus der Pflanze Artemisia gewonnen, allerdings in viel zu kleinen Mengen.

Gaisser hat in einer Roadmap festgehalten, wann welche Maßnahmen zu ergreifen sind, damit Europa seinen Weg in der Synthetischen Biologie findet und den Vorsprung der USA wettmachen kann. Schließlich lockt ein riesiger Markt: Von heute geschätzten 450 Millionen Euro soll er binnen zehn Jahren auf 2,5 Milliarden Euro wachsen.
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