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Dienstag, 28.03.2017
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Bienen-Dienstleistungen sind 150 Milliarden Euro wert

Forscher ermitteln ökonomischen Nutzen der Bestäubung durch Insekten

Französische und deutsche Wissenschaftler haben erstmals berechnet, welche Werte Insekten wie Bienen durch die Bestäubung von Nutzpflanzen in der Landwirtschaft schaffen. Ergebnis: Der ökonomische Nutzen durch diese Bestäuber hat allein im Jahr 2005 etwa 150 Milliarden Euro betragen. Das entspricht knapp einem Zehntel des Gesamtwertes der Weltnahrungsmittelproduktion.
Honigbienen

Honigbienen

Die Wissenschaftler des Nationalen Institutes für Agrarforschung (INRA) und des Zentrums für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) aus Frankreich sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) schätzten außerdem die Schäden, die durch das Fehlen von bestäubenden Insekten entstehen würden auf 190 bis 310 Milliarden Euro pro Jahr. Die Forscher berichten über die ökonomische Verwundbarkeit der Weltagrarproduktion durch den Rückgang von Bestäubern in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Ecological Economics“.

Rückgang der Bestäuber


Unter Experten herrscht Einigkeit, dass der Rückgang der Bestäuber eine der Hauptbedrohungen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist. Doch die genauen Auswirkungen sind noch immer unklar. So wurde bislang noch nicht versucht, den ökonomischen Wert der Bestäubung als „Dienstleistung für den Menschen“ exakter zu bestimmen.

Auf der Basis einer 2007 erfolgten Zusammenstellung verschiedenster Literaturquellen, hat die neue Studie unter anderem Daten der Welternährungsorganisation FAO ausgewertet, um den Bestäubungs-Anteil an der Weltnahrungsproduktion zu bestimmen. Der gesamte ökonomische Wert der Bestäubung für 2005 wird demnach weltweit auf 153 Milliarden geschätzt. Das entspricht 9,5 Prozent des Wertes der jährlichen Weltagrarproduktion an Lebensmitteln.


Lebensmittelmarkt

Lebensmittelmarkt

Früchte, Gemüse und Ölfrüchte besonders betroffen


Drei Kategorien agrarischer Produkte sind nach Angaben der Wissenschaftler von einem Rückgang der Bestäuber besonders betroffen: Früchte und Gemüse durch einen Verlust von jeweils 50 Milliarden Euro, gefolgt von essbaren Ölfrüchten mit 39 Milliarden Euro. Die Auswirkungen auf Genussmittel (Kaffee, Kakao usw.), Nüsse und Gewürze waren dagegen von geringerer ökonomischer Relevanz.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass der durchschnittliche Wert von Feldfrüchten die von Bestäubern abhängig sind, höher war als von Feldfrüchten, die nicht bestäubt werden wie Getreide oder Zuckerrohr - 760 beziehungsweise 150 Euro pro Tonne. Der Verwundbarkeitsindex wurde definiert als das Verhältnis des ökonomischen Wertes der Insektenbestäubung geteilt durch den Wert der gesamten Lebensmittelproduktion.

Dieses Verhältnis variiert je nach Kategorie: 39 Prozent für Genussmittel (wie Kaffee und Kakao), 31 Prozent für Nüsse und 23 Prozent für Früchte. Umso höher die Abhängigkeit von Bestäubern ist, desto höher ist der Preis pro Tonne.

Worst-Case-Szenario


Sollte es zum kompletten Verschwinden der Insektenbestäuber kommen, dann würde sich die Weltagrarproduktion stark verändern, so die Forscher. Besonders Importeure wie die Europäische Union wären betroffen. Global betrachtet sind die Länder auf der Nordhemisphäre verwundbarer als die Länder im Süden. Ein Rückgang der bestäubenden Insekten könnte also starke Konsequenzen für den Lebensmittelhandel zwischen Nord und Süd haben. Die Studie ist nach Angaben der Wissenschaftler jedoch keine Vorhersage, da sie mögliche Anpassungsstrategien nicht berücksichtigen kann. Zudem gingen die Berechnungen der Wissenschaftler von einem Worst-Case-Szenario aus: einem kompletten Verschwinden der Bestäuber. Ein geringerer Rückgang hätte entsprechend geringere Folgen.

Einschneidende Verluste


Die Ergebnisse betonen, dass der Komplettverlust an Insektenbestäubern wie vor allem der Honigbiene und vielen weiteren Bienenarten nicht zu einem Zusammenbrechen der Weltagrarproduktion führen würde. Aber es würde zu einschneidenden Verlusten kommen - selbst wenn die Studie nur Pflanzen berücksichtigt, die direkt für die menschliche Ernährung genutzt werden.

In den Berechnungen sind jedoch die Auswirkungen, die ein Rückgang der Bestäuber auf die generelle Pflanzen- und damit auf die Tierproduktion hätte, nicht enthalten. Ebenso fehlen die Auswirkungen auf Wildblumen und sämtliche weitere Ökosystem-Dienstleistungen, die die natürliche Flora für Landwirtschaft und Gesellschaft erbringt.
(idw - Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 16.09.2008 - DLO)
 
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