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Freitag, 10.02.2012
Mit Gen-„Tuning“ gegen Tuberkulose
Gentechnisch optimierter Tuberkulose-Impfstoff geht in die klinische Prüfung
Zum ersten Mal seit 80 Jahren hat ein neuer Impfstoff gegen Tuberkulose den Schritt in die klinische Prüfung geschafft. Die in ihm eingesetzten Impfbakterien wurden gentechnisch so verändert, dass sie das Immunsystem besser als bisher stimulieren können.

Der Tuberkulose-Erreger Mycobakterium tuberculosis (orange)
Der Tuberkulose-Erreger Mycobakterium tuberculosis (orange)
© Brinkmann/ Schaible, MPI für Infektionsbiologie Der Tuberkulose-Erreger Mycobakterium tuberculosis (orange)
Mit jährlich zwei Millionen Todesfällen und neun Millionen Neuerkrankungen fordert die Tuberkulose neben AIDS die meisten Opfer unter den Infektionskrankheiten weltweit. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Tuberkulosestämme so resistent sind, dass sie mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr behandelt werden können. Ein neuer Tuberkulose-Impfstoff wird daher dringender denn je benötigt. Nach über 80 Jahren hat in Deutschland zum ersten Mal ein viel versprechender Lebendimpfstoff gegen Tuberkulose den Schritt in die klinische Prüfung geschafft.

Alte Impfwaffe wieder „scharf“ gemacht
Seit Montag dieser Woche wird der neue Impfstoff mit der Bezeichnung "VPM1002" in der klinischen Phase I in Neuss bei Düsseldorf an freiwilligen Probanden auf seine Sicherheit getestet. VPM1002 basiert auf einer seit 1921 verwendeten Vakzine, die gentechnisch so weiter entwickelt wurde, dass sie wesentlich wirksamer eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien verhindert als ihr Vorgänger.

Die wissenschaftliche Basis dazu hat das Team von Stefan H.E. Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin, gelegt. "Der von französischen Forschern entwickelte BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose ist die weltweit am häufigsten verabreichte Lebendvakzine", erklärt Kaufmann. Doch mittlerweile zeige BCG (Abkürzung für Bacillus Calmette-Guérin) häufig keine Wirkung mehr: "Wir wollten die stumpf gewordene Waffe BCG wieder scharf machen", erklärt der Immunologe. "Dazu haben wir den Impfstoff gentechnisch so verändert, dass er sich vor dem menschlichen Immunsystem nicht mehr verstecken kann, sondern es optimal stimuliert."

Genveränderung hilft Impfbakterien bei Befreiung
Hierzu haben die Forscher ein Gen in die Impf-Bakterien eingebaut. Leander Grode, seinerzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Kaufmann und heute Projektleiter bei der Vakzine Projekt Management GmbH (VPM), beschreibt das Verfahren: "Die Impfbakterien werden von den sogenannten Fresszellen des menschlichen Immunsystems aufgenommen und landen dort in den Verdauungsbläschen. Dank der gentechnischen Modifikation können sie sich nun aus den Bläschen befreien und so das Immunsystem gegen die Tuberkulose-Erreger wappnen."

Bisher hat sich der neue Impfstoff im Tiermodell als äußerst wirksam und sicher erwiesen. "Diese gute Wirkung muss nun auch am Menschen nachgewiesen werden, damit der Impfstoff reif für die Zulassung wird", erläutert der Geschäftsführer von VPM, Bernd Eisele. Kaufmann mahnt zur Geduld: "Selbst wenn sich der neue Impfstoff verträglich erweist, muss er noch weitere Testphasen auf Wirksamkeit durchlaufen. Das dauert mindestens noch zehn Jahre." Trotzdem - ein hoffnungsvoller neuer Impfansatz besteht.
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