• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 20.10.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

In der Arktis ist es unten am wärmsten

Neue Daten wiederlegen bisherige Annahmen zu Temperaturmaximum in drei Kilometern Höhe

Die Arktis ist für die Klimaforschung besonders interessant, da sich diese Region in den letzten zwei Jahrzehnten weltweit am stärksten erwärmte. Jetzt haben Forscher belegt, dass die Erwärmung in der Arktis tatsächlich in Bodennähe maximal ist – und nicht, wie schwedische ForscherInnen zu Beginn des Jahres publizierten, in rund drei Kilometer Höhe. Die neuen Forschungsergebnisse erscheinen in der September-Ausgabe von "Nature".
Das Eis schmilzt

Das Eis schmilzt

Die Arktis gehört zu den Regionen der Erde, die mit am stärksten vom Klimawandel betroffen ist. Das Eis schmilzt und die Temperaturen steigen hier stärker als im globalen Durchschnitt. Wo dieser Temperaturtsnsteig am stärksten ist, ob in der Atmosphäre oder direkt über dem Boden, darüber strieten sich zurzeit die Forscher.

Leopold Haimberger vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien verglich gemeinsam mit WissenschafterInnen der ETH Zürich die damals ebenfalls in "Nature" veröffentlichten Ergebnisse des schwedischen Forscherteams mit seinen eigenen Daten zum Temperaturanstieg in der Arktis. Diese zeigten einen gänzlich anderen Trend: Denn nach diesen wird das Temperaturmaximum nicht, wie die im Januar in "Nature" publizierte Studie dargelegt, in mehr als drei Kilometer über der Erdoberfläche erreicht, sondern in Bodennähe.

"Für die Klimaforschung machen diese drei Kilometer einen großen Unterschied, da mit solchen Daten Klimamodelle verifiziert werden, nach denen Strategien gegen die Erderwärmung entwickelt werden können", so Haimberger, der die Daten gemeinsam mit Andrea N. Grant und Stefan Brönnimann erhoben hatte.


„Unvorsichtige“ Verwendung von Datenmaterial


Wie es überhaupt zu solch einer falsch berechneten Temperaturkurve kommen konnte, liegt an einer, wie der Meteorologe sagt, "unvorsichtigen Verwendung" von bestehenden Datensätzen. Als Basis dienten der Gruppe um Rune G. Graversen (Universität Stockholm) die sogenannten ERA-40-Daten (European reanalysis/40 Jahre). Dabei handelt es sich um globale, für eine einfache Verarbeitung am Computer aufbereitete meteorologische Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Windstärke, Druck auf einem regelmäßigen Raster. Diese liegen von 1958 bis 2001 alle sechs Stunden vor.

„Das ist ein toller Datensatz, der Meteorologen weltweit zur Verfügung steht. Aber diese Daten dürfen nicht unhinterfragt übernommen werden, da sie systematische Abweichungen und Fehler enthalten", erklärt Haimberger. "Will man mit diesen Daten arbeiten, ist es notwendig, die systematischen Fehler zuvor zu korrigieren", erläutert der Meteorologe, dessen Forschungsschwerpunkt auf dem beobachteten Klimawandel in der Arktis und den Tropen liegt. "Durch Fehler in den Daten wurde Graversen zu einer Fehlinterpretation verleitet."

"Unsere Erkenntnisse, dass das auftretende Temperaturmaximum in Bodennähe zu finden ist, basiert ausschließlich auf den Messungen der Radiosonden", so Haimberger: "Diese haben keine Schwierigkeiten mit Satellitendaten und die Qualität dieser Daten lässt sich auch sehr gut kontrollieren."

Das bodennahe Temperaturmaximum steht zudem auch im Einklang mit anderen durch den Klimawandel bedingten und bewiesenen Faktoren, wie der Abnahme des Eises, die zunehmende Luftverschmutzung oder der veränderte Strahlungshaushalt in der Arktis. Sie haben ihre stärksten Auswirkungen auf die Temperatur in Bodennähe und weniger auf höher gelegene Atmosphärenschichten.
(Universität Wien, 11.09.2008 - NPO)
 
Printer IconShare Icon