Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Wasser: Auch der Wasserstoff baut Brücken
Forscher finden neuen Mechanismus der Wasserstoffbrückenbindung
Wassermoleküle stehen untereinander über schwache Wechselwirkungen, die Brückenbindungen, in Verbindung. Jetzt berichten Wissenschaftler in das Fachzeitschrift „Nature“, dass nicht, wie bisher angenommen, nur das Sauerstoffatom dabei den aktiven Part übernimmt. Stattdessen können auch die negativ geladenen Wasserionen (OH-) über ihr Wasserstoffatom Wasserstoffbrücken ausbilden.

Wassermoleküle
Wassermoleküle
© Forschungsverbund Berlin
Wasser ist allgegenwärtig und die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Die Vorgänge, die sich auf molekularer Ebene im Wasser abspielen, sind jedoch noch immer nicht in allen Einzelheiten verstanden. Bisher nahm man beispielsweise an, dass Hydroxidionen nur als sogenannte Protonenakzeptoren fungieren können, das heißt ihr negativ geladenes Sauerstoffatom tritt mit den Protonen, positiven Wasserstoffatomen, der umgebenden Wassermoleküle in Wechselwirkung.

Auch Hydroxidionen übertragen Energie
Bernd Winter und seine Kollegen vom Berliner Elektronenspeicherring BESSY und vom Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) haben jetzt eine bislang unbekannte Eigenschaft des negativ geladenen Ions des Wassers, des Hydroxidions (OH-), nachgewiesen. Sie belegten, dass Hydroxidionen in einer wässrigen Natriumhydroxidlösung Energie auf benachbarte Wassermoleküle übertragen können, sofern sie in einer ganz bestimmten Weise um das Hydroxidion angeordnet sind.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher die Photoelektronenspektroskopie und als Photonenquelle die Synchrotronstrahlung. Bei dem Verfahren wird die wässrige Probe mit Photonen einer genau definierten Energie angeregt. Je nach Energie können die Photonen die Elektronen der Moleküle auf ein höheres Energieniveau heben oder sie sogar aus den Molekülen „heraus katapultieren“. Durch Messung der Energie der freiwerdenden Elektronen lassen sich dann Aussagen über die elektronischen Eigenschaften des Moleküls und über den Aufbau von chemischen Bindungen treffen.

„Wanderer“ und „Weiterreicher“
Ersetzten die Forscher in ihren Versuchen die Hydroxidionen durch die ebenfalls negativ geladenen Chlorid- oder Fluoridionen, konnten sie das Phänomen nicht beobachten. Daraus schlossen sie, dass die im Spektrum beobachteten Resonanzmuster von der schwächeren “Donor“ Wasserstoffbrückenbindung herrührten. Diese Unterscheidung lässt sich für die hydratisierten Halogenionen nicht machen. Mit anderen Worten: Halogenionen „wandern“ durch die Lösung, bei Hydroxidionen wird die Ladung von Molekül zu Molekül „weitergereicht“.

Winter und seine Kollegen sind die ersten, die Photoelektronenspektroskopie auch auf wässrige Lösungen anwenden können. Sie mussten dabei das Problem umgehen, dass sich die Energien von Photoelektronen aufgrund des hohen Dampfdruckes von Wasser nicht detektieren lassen. Das gelingt erst, wenn man das Wasservolumen auf die Größe eines nur wenige Mikrometer dünnen kontinuierlichen Strahls reduziert. Hat dieser sogenannte Microjet eine genügend hohe Geschwindigkeit, lässt sich dann auch einem vorzeitigen Gefrieren in der Vakuumkammer zuvorkommen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Wasser, Wasserstoffbrückenbindung, Wasserstoffion, Hydroxidion, Chemie, Ladung, Bindung, Bindungsenergie, Wechselwirkung, Atom, Molekül
Weitere News zum Thema
Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis (09.02.2012)
Satelliten vermessen Ausmaß der globalen Eisschmelze
Fasten lässt Krebstumore schrumpfen (09.02.2012)
Zwei Tage nichts essen macht Chemotherapie effektiver
Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten tiefer tauchen (09.02.2012)
Wärmeres Waser zwingt Robben zu verändertem Verhalten
Schiffslärm stresst Wale körperlich (08.02.2012)
Forscher finden Abbauprodukte von Stresshormonen in Wal-Kot
Modellvergleich soll Klimafolgen besser abschätzen (08.02.2012)
Besseres Fundament für Weltklimabericht 2014
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Rätsel der Wissenschaft
Von ungelösten Fragen, verblüffenden Funden und "Missing Links"
Das Mysterium der Masse
Die Suche nach dem Higgs-Teilchen
Glas
Ein schwer durchschaubarer Stoff
News des Tages
Erstes mehrzelliges Tier überlebt ungeschützte Weltraumbedingungen
OECD-Bildungsbericht: Deutschland hinkt hinterher
Erstes Kohlekraftwerk mit CO2-Abscheidung läuft
Extrem-Entspiegelung dem Mottenauge abgeguckt
Wasser: Auch der Wasserstoff baut Brücken
Atemfeuchtigkeit verrät Lungenkrebs
Bücher zum Thema
Lexikon des Unwissens
Worauf es bisher keine Antwort gibt von Kathrin Passig und Aleks Scholz
Wie dick muss ich werden, um kugelsicher zu sein?
von Mick O'Hare
Wissen Hoch 12
von Harald Frater und Christina Beck
Singender Schnee und verschwindende Elefanten
von Christopher P. Jargodzki, Franklin Potter
Top-Clicks der Woche
1. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
2. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes