• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 20.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Wasser: Auch der Wasserstoff baut Brücken

Forscher finden neuen Mechanismus der Wasserstoffbrückenbindung

Wassermoleküle stehen untereinander über schwache Wechselwirkungen, die Brückenbindungen, in Verbindung. Jetzt berichten Wissenschaftler in das Fachzeitschrift „Nature“, dass nicht, wie bisher angenommen, nur das Sauerstoffatom dabei den aktiven Part übernimmt. Stattdessen können auch die negativ geladenen Wasserionen (OH-) über ihr Wasserstoffatom Wasserstoffbrücken ausbilden.
Wassermoleküle

Wassermoleküle

Wasser ist allgegenwärtig und die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Die Vorgänge, die sich auf molekularer Ebene im Wasser abspielen, sind jedoch noch immer nicht in allen Einzelheiten verstanden. Bisher nahm man beispielsweise an, dass Hydroxidionen nur als sogenannte Protonenakzeptoren fungieren können, das heißt ihr negativ geladenes Sauerstoffatom tritt mit den Protonen, positiven Wasserstoffatomen, der umgebenden Wassermoleküle in Wechselwirkung.

Auch Hydroxidionen übertragen Energie


Bernd Winter und seine Kollegen vom Berliner Elektronenspeicherring BESSY und vom Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) haben jetzt eine bislang unbekannte Eigenschaft des negativ geladenen Ions des Wassers, des Hydroxidions (OH-), nachgewiesen. Sie belegten, dass Hydroxidionen in einer wässrigen Natriumhydroxidlösung Energie auf benachbarte Wassermoleküle übertragen können, sofern sie in einer ganz bestimmten Weise um das Hydroxidion angeordnet sind.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher die Photoelektronenspektroskopie und als Photonenquelle die Synchrotronstrahlung. Bei dem Verfahren wird die wässrige Probe mit Photonen einer genau definierten Energie angeregt. Je nach Energie können die Photonen die Elektronen der Moleküle auf ein höheres Energieniveau heben oder sie sogar aus den Molekülen „heraus katapultieren“. Durch Messung der Energie der freiwerdenden Elektronen lassen sich dann Aussagen über die elektronischen Eigenschaften des Moleküls und über den Aufbau von chemischen Bindungen treffen.


„Wanderer“ und „Weiterreicher“


Ersetzten die Forscher in ihren Versuchen die Hydroxidionen durch die ebenfalls negativ geladenen Chlorid- oder Fluoridionen, konnten sie das Phänomen nicht beobachten. Daraus schlossen sie, dass die im Spektrum beobachteten Resonanzmuster von der schwächeren “Donor“ Wasserstoffbrückenbindung herrührten. Diese Unterscheidung lässt sich für die hydratisierten Halogenionen nicht machen. Mit anderen Worten: Halogenionen „wandern“ durch die Lösung, bei Hydroxidionen wird die Ladung von Molekül zu Molekül „weitergereicht“.

Winter und seine Kollegen sind die ersten, die Photoelektronenspektroskopie auch auf wässrige Lösungen anwenden können. Sie mussten dabei das Problem umgehen, dass sich die Energien von Photoelektronen aufgrund des hohen Dampfdruckes von Wasser nicht detektieren lassen. Das gelingt erst, wenn man das Wasservolumen auf die Größe eines nur wenige Mikrometer dünnen kontinuierlichen Strahls reduziert. Hat dieser sogenannte Microjet eine genügend hohe Geschwindigkeit, lässt sich dann auch einem vorzeitigen Gefrieren in der Vakuumkammer zuvorkommen.
(Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), 10.09.2008 - NPO)
 
Printer IconShare Icon