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Sonntag, 22.01.2017
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Potsdamer Wissenschaftler übernimmt Vorsitz im Weltklimarat

Ottmar Edenhofer zum Leiter der Arbeitsgruppe „Vermeidung des Klimawandels“ ernannt

Der deutsche Wissenschaftler Ottmar Edenhofer ist auf der 29. Versammlung des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Genf zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 3 „Vermeidung des Klimawandels“ ernannt worden. Der Chefökonom und stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin, teilt sich den Vorsitz mit Ramón Pichs Madruga aus Kuba und Youba Sokona aus Mali.
Atmosphäre

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Zum Leiter des IPCC wurde nach seinem Amtsantritt 2002 erneut der indische Produktionstechniker und Ökonom Rajendra Pachauri gewählt. In den kommenden sieben Jahren wollen die IPCC-Wissenschaftler Lösungsstrategien für die Klima- und Energieproblematik aufzeigen und das Fundament für einen weltweiten Emissionshandel legen.

„Mit der Ernennung zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 3 werden Ottmar Edenhofers wissenschaftliche Leistungen international gewürdigt. Die Arbeitsgruppe 3 entwickelt Lösungsansätze und wird damit entscheidende Impulse für die künftige Klimapolitik geben. Ottmar Edenhofer ist der richtige Mann für diese Aufgabe. Mit seiner Forschung hier am PIK hat er Grundlagen geschaffen, etwa zur wichtigen Rolle von Innovationen, auf die das IPCC aufbauen kann. Auch für Deutschland ist seine Wahl von großer Bedeutung, da wir sichtbarer im internationalen Forschungsprozess werden“, kommentierte der PIK-Direktor Professor Hans Joachim Schellnhuber die Wahl Edenhofers.

Klimawandel vermeiden


„Wir werden in den kommenden Jahren klären müssen, inwieweit wir Klimawandel vermeiden müssen und inwieweit wir uns daran überhaupt anpassen können“, sagte Edenhofer selbst. Der Ökonom sieht darin zentrale Fragen der künftigen öffentlichen Debatte und des wissenschaftlichen Diskurses. Aufgabe des IPCC und speziell der Arbeitsgruppe 3 „Vermeidung des Klimawandels“ ist es, gangbare Lösungswege aufzuzeigen. Dieser Arbeitsbereich des IPCC wird nach Einschätzung Edenhofers in den nächsten Jahren noch deutlich an Bedeutung gewinnen, da die Erwartungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an das IPCC weiter steigen werden.

„Wir müssen nun benennen, was es kostet, den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren“, beschreibt Edenhofer eine der unmittelbar anstehenden Aufgaben seiner Arbeitsgruppe. Es gelte auch die Risiken von Vermeidungsoptionen, etwa der Biomassenutzung für die Nahrungsmittelsicherheit oder der Kernenergie, abzuschätzen. Im Dialog mit der Arbeitsgruppe 2 des IPCC „Klimafolgen, Anpassung und Vulnerabilität“ muss zudem erörtert werden, wo die Grenzen der Anpassungsfähigkeit der Gesellschaft liegen und welche Handlungsoptionen bestehen.

Zahlreiche Sonderberichte geplant


Edenhofer plant während seiner Amtszeit eine Reihe von Sonderberichten zu veröffentlichen, den ersten zur Bedeutung der erneuerbaren Energien für die Klimapolitik. Weitere Sonderberichte zur Verknüpfung regionaler Kohlenstoffmärkte und zur Anpassung und Vermeidung in Megastädten sollen ebenfalls erstellt werden. Das Büro der Arbeitsgruppe 3, die so genannte Technical Support Unit, wird am PIK angesiedelt. Potsdam wird damit weiter als Standort für die Entwicklung internationaler Klimaschutzkonzepte ausgebaut.

Das IPCC muss künftig auch vermehrt auf das Wissen der Wirtschaft zurückgreifen. Edenhofer will deshalb Unternehmen und Nicht-Regierungs-Organisationen in Expertenworkshops einladen, ihr Wissen in die Sachstands- und Sonderberichte des IPCC einfließen zu lassen. „Wir brauchen diese Expertise“, sagt Edenhofer und betonte, dass es nicht Aufgabe des IPCC sei, Politik zu ersetzen, sondern als ehrlicher Makler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft das notwendige Wissen für vernünftige Entscheidungen bereitzustellen.


Insgesamt drei Vorsitzende


Die Perspektiven der Entwicklungs- und Schwellenländer werden in der Arbeitsgruppe 3 durch die Co-Vorsitzenden Ramón Pichs Madruga und Youba Sokona aus Mali vertreten. Da keiner dieser beiden Kandidaten bei der Wahl zum Co-Chair eine absolute Mehrheit erhalten hatte, wird die Arbeitsgruppe 3 nun von drei anstelle von zwei Wissenschaftlern angeführt.

Youba Sokona leitet das Sahara- und Sahel-Observatorium, eine zwischenstaatliche afrikanische Organisation für nachhaltige Entwicklung, und lehrt Maschinenbau an der der Nationalen Hochschule für Ingenieurswissenschaften in Bamako, Mali. Ramón Pichs Madruga war bislang einer der sechs Vize-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 3. Als Mitglied des IPCC hat er bereits zum dritten und zum vierten Sachstandsbericht 2001 und 2007 beigetragen. Der kubanische Volkswirt und Sozialwissenschaftler ist Unterdirektor am Wirtschaftsforschungsinstitut Centro de Investigaciones de Economía Mundial in Havanna.
(Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 05.09.2008 - DLO)
 
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