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Samstag, 22.07.2017
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Neue Riesenmuschel enthüllt urzeitliche Überfischung

Tridacna costata wurde schon vor 125.000 Jahren von Menschen dezimiert

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat eine bisher unbekannte Riesenmuschel entdeckt. Tridacna costata lebt in Korallenriffen des Roten Meeres und wird bis zu 40 Zentimeter lang. Sie kommt auch fossil vor und hatte früher einen Anteil von 80 Prozent an den Riesenmuschelarten im untersuchten Gebiet.
Riesenmuschel Tridacna costata

Riesenmuschel Tridacna costata

Heute gehören nur noch weniger als ein Prozent der gefundenen Muscheln dieser Art an, so die Forscher des Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT), der Universität Bremen und des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) zusammen mit philippinischen und jordanischen Kollegen in der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Current Biology“. Ihren Rückgang vor etwa 125.000 Jahren betrachten die Forscher als ersten Nachweis von Überfischung in der Geschichte der Menschheit.

Nach den Rote-Liste-Kriterien der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) ist die neue Art - kaum entdeckt - vom Aussterben bedroht.

Verwirrung um die Identität einer Riesenmuschel


„Wir haben Riesenmuscheln für Kultivierungsexperimente gesammelt, als uns Besonderheiten an den Tieren auffielen“, berichtet Professor Claudio Richter vom AWI. Im Rahmen eines deutsch-jordanischen Kooperationsprojektes hat sein Team nach Möglichkeiten gesucht, die Riesenmuschel Tridacna maxima zu züchten. Die Muschel ist bei Aquarianern sehr beliebt und eine erfolgreiche Zucht könnte nicht nur die steigende Nachfrage auf diesem Sektor bedienen, sondern auch die dezimierten Bestände im Roten Meer aufstocken.


Tridacna costata, Seitenansicht

Tridacna costata, Seitenansicht

Während ihrer Forschungsarbeiten in diesem Projekt fand Hilly Roa-Quiaoit von der Xavier Universität (Philippinen), eine Riesenmuschel, die zwar Eigenschaften von zwei im Roten Meer bekannten Arten, aber auch sehr eigene Merkmale aufweist. „Es hat uns schon gewundert, dass bisher niemand über diese deutlich sichtbaren Besonderheiten wie den stark gezackten Schalenrand gestolpert ist“, sagt Richter.

Nachweis einer neuen Tierart


Um die Identität der Muscheln endgültig zu klären, kontaktierten sie den Molekulargenetiker Marc Kochzius von der Universität Bremen. Roa-Quiaoit und Kochzius führten eine genetische Stammbaumanalyse durch, die deutlich zeigt, dass es sich bei Tridacna costata um eine eigenständige Art handelt. Dies ist die erste Neubeschreibung einer Riesenmuschel seit mehr als 20 Jahren.

Weiterführende Untersuchungen zeigten, dass Tridacna costata im Gegensatz zu den beiden Schwesterarten Tridacna maxima und Tridacna squamosa nur auf dem Dach tropischer Riffe im Roten Meer vorkommt und sich anders fortpflanzt.

Fossiler Fund der Riesenmuschel

Fossiler Fund der Riesenmuschel

Fossile Muschelfunde zeigen historische Überfischung


Suchten sie zunächst nur nach einer Möglichkeit, einen neuen Organismus für die Aquakultur nutzbar zu machen, überprüften die Forscher daraufhin auch die fossilen Funde von Muscheln aus dem Roten Meer. Sie entdeckten, dass vor etwa 125.000 Jahren bis zu Vierfünftel der Muscheln in der Region der neu beschriebenen Art Tridacna costata angehörten.

„Die Riesenmuscheln sind wahrscheinlich durch eine umfangreiche Nutzung des frühen modernen Menschen stark dezimiert worden“, erklärt Richter. „Tridacna costata lebt festsitzend in flachem Wasser und war somit eine leichte Beute für unsere sich aus Afrika Richtung Mittelmeerraum ausbreitenden Vorfahren.“

Riesenmuscheln werden auch heute noch entlang ihres gesamten Verbreitungsgebietes gegessen, aber auch wegen ihrer Schalen gesammelt. Insgesamt zeigt die unerwartete Entwicklung dieses Forschungsprojektes, wie wichtig es ist, dass Wissenschaftler solch unterschiedlicher Disziplinen wie Paläoökologie und Molekularbiologie zusammenarbeiten.

„Auch in einem leicht zugänglichen Untersuchungsgebiet wie den Flachwasserzonen des Roten Meeres sind nicht einmal gut sichtbare Arten vollständig identifiziert, weshalb die Grundlagenforschung weiter vorangetrieben werden sollte“, so Richter.
(idw - Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, 02.09.2008 - DLO)
 
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