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Montag, 29.05.2017
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Spuren von Europa in der kanadischen Arktis entdeckt

Forscher untersuchen Erdkrustenfragment „Pearya“ auf Ellesmere Island

Uralte Spuren von Europa in der kanadischen Arktis haben deutsche Wissenschaftler bei einer Expedition nach Ellesmere Island entdeckt. In einem der nördlichsten Landgebiete der Erde stießen sie bei umfangreichen geophysikalischen und geologischen Untersuchungen auf Indizien, dass das Erdkrustenfragment „Pearya“ – die Spitze des heutigen Nordamerikas – ursprünglich zum europäischen Kontinent gehörte.
Urlandschaft am Mackinson Inlet

Urlandschaft am Mackinson Inlet

„Das bedeutet, dass Pearya enger mit Europa verwandt ist als mit Nordamerika“, so der Geologe Karsten Piepjohn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Zusammen mit seinem Kollegen Detlef Damaske hat Piepjohn die sehr erfolgreiche Expedition CASE 11 geleitet. Erst letzte Woche kehrten die Forscher von ihrer knapp dreieinhalb Monate dauernden Forschungsreise zurück - mit fast 2,5 Tonnen Gesteinsproben und einer Vielzahl von Geländedaten im Gepäck.

Im Mittelpunkt der Expedition standen die Erforschung des geologischen Aufbaues und der erdgeschichtlichen Entwicklung des Erdkrustenfragments „Pearya“. „Auf beiden geowissenschaftlichen Feldern hat uns die Expedition wichtige Aufschlüsse geliefert“, erklärten Damaske und Piepjohn nach ihrer Ankunft in Deutschland.

Flug über Ellesmere Island

Flug über Ellesmere Island

Erfolgreiche aeromagnetischen Vermessungen


„Bisher gab es noch keine Informationen über den Aufbau der Erdkruste in den von Eis und Wasser bedeckten Gebieten unserer Expedition. Mit Hilfe der Daten unserer aeromagnetischen Vermessung sind wir jetzt in der Lage, Aussagen über geologische Strukturen auf dem Kontinentalschelf zu machen“, so BGR-Geophysiker Damaske. Um an die Ergebnisse zu gelangen, hatten die Forscher insgesamt 12.000 Quadratkilometer Land- und Wasserfläche an der Polarmeer-Küste aus der Luft mit einer am Hubschrauber befestigten Sonde vermessen.


Von großem wissenschaftlichen Wert sind auch die Resultate der Forschungsarbeiten von CASE 11 an Land. „In den Gesteinen und Strukturen des 300 Kilometer langen und 100 Kilometer breiten Krusten-Fragments fanden wir erste Hinweise darauf, dass ‚Pearya’ die Fortsetzung des westlichen Teils von Spitzbergen sein könnte“, so BGR-Geologe Piepjohn. Weitere Belege dafür erwarten die Forscher von der Auswertung des umfangreichen Probenmaterials, die allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Als sich vor etwa 100 Millionen Jahren das Polarmeer durch die Kontinentaldrift zu öffnen begann, und vor 50 Millionen Jahren Europa und Nordamerika voneinander getrennt wurden, blieb Pearya der Theorie zufolge an der Nordspitze Amerikas hängen. Seitdem ist es fester Bestandteil des nordamerikanischen Kontinents. „Diese Zusammenhänge sind nicht nur wissenschaftlich von Interesse, sondern auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Frage nach dem Potenzial möglicher Rohstoffe in der Arktis“, betonte Piepjohn.

Yelverton Glacier

Yelverton Glacier

Basislager am 83. Breitengrad


Zur Expedition CASE 11 gehörten insgesamt 34 Wissenschaftler, Techniker und logistisches Personal. Sechs Inuit schützten die Expedition vor Eisbären und Moschusochsen. Das Basislager lag am Taconite Inlet am 83. Breitengrad, knapp 800 Kilometer vom Nordpol und 650 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt. Beteiligt an der Expedition waren neben der BGR der Geologische Dienst von Kanada, die Universitäten von Bremen, Erlangen, Münster und Idaho (USA) sowie das Naturkundemuseum Berlin und das Geologische Museum Dresden.
(Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), 29.08.2008 - DLO)
 
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