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Sonntag, 28.08.2016
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Ökolandbau ist kein Klimaretter

Landwirtschaft nur bei verringerter Fleisch-Produktion klimafreundlicher

Ein Bio-Schweineschnitzel kann sogar klimaschädlicher produziert sein als ein konventionelles. Das ist das erstaunliche Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin, die die Verbraucherorganisation foodwatch am Montag vorstellte. Eine Umstellung auf Ökolandbau kann daher zwar Treibhausgas-Emissionen einsparen, reicht aber allein nicht aus.
Schwein

Schwein

Mit 133 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr stößt die deutsche Landwirtschaft fast ebensoviel Treibhausgase aus wie der Straßenverkehr, so ergab die Studie. Durch Umstellung auf Ökolandbau könnten durchschnittlich 15 bis 20 Prozent der Treibhausgase in der Landwirtschaft eingespart werden. Diese Reduktion allein reicht aber nicht aus, denn langfristig muss der Ausstoß von Klimagasen um mehr als 50 Prozent sinken. Zudem würde eine vollständige Umstellung auf Ökolandbau 70 Prozent
mehr Fläche erfordern, etwa 10 Millionen Hektar. Da diese Fläche weder in Deutschland, noch in Europa verfügbar ist, müssen vor allem Produktion und Konsum von Rindfleisch und Milch drastisch zurückgehen.

Die Wissenschaftler des IÖW haben erstmals die Klimawirkungen für Weizen, Milch,
Schweine- und Rindfleisch vergleichend in typischen herkömmlichen und ökologischen Betrieben berechnet und nennen konkrete Reduktionspotentiale. „Es gibt sehr große Einsparmöglichkeiten für Klimagase in der Landwirtschaft. Darum muss die Landwirtschaft Teil der Klimapolitik werden", forderte Thomas Korbun, wissenschaftlicher Geschäftsführer des IÖW.

Biofleisch mit schlechter Klimabilanz


Für Verbraucher nennt die Studie den Klimaeffekt verschiedener Lebensmittel. Nicht immer ist die Klimabilanz von Bio-Lebensmitteln besser als bei herkömmlicher Produktion. Bio-Fleisch aus der Rindermast etwa kann bis zu 60 Prozent mehr CO2 verursachen als konventionell hergestelltes. "Das Biosiegel liefert keinen ausreichenden Hinweis für einen klimafreundlichen Konsum von
Lebensmitteln", sagte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.


Ausschlaggebend sei vielmehr die Ernährungsweise, nämlich wie viel Rindfleisch und Milchprodukte der Einzelne verzehrt. Die Herstellung von einem Kilogramm konventionellen Schweinefleisch verursacht so viel CO2 wie ein Mittelklassewagen, der 26 Kilometer fährt. Ein Kilogramm herkömmliches Rindfleisch aus der Mast schädigt das Klima wie eine 71 - Kilometer-Fahrt.

Urbarmachung von Mooren extrem klimaschädlich


Auf entwässerten Moorböden und Feuchtwiesen macht Landwirtschaft nur acht Prozent der genutzten Fläche aus, doch hier entstehen rund 30 Prozent aller Treibhausgase. Der Grund: Intakte Moore wirken wie ein Tresor, in dem Klimagase sicher weggeschlossen sind. Werden Moore entwässert, kommt der
Torfboden in Kontakt mit Sauerstoff und zersetzt sich. Dabei entstehen hochwirksame Klimagase. "Die Agrarpolitik muss deshalb handeln und die weitere Entwässerung der Moore für die Landwirtschaft stoppen", forderte Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. "Moorschutz ist Klima- und Naturschutz gleichzeitig. Moore sind für Wildtiere da - und nicht
für die Landwirte."
(Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, 26.08.2008 - NPO)
 
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