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Mittwoch, 18.01.2017
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GEOTECHNOLOGIEN im Focus

Die nächste Eiszeit kommt bestimmt...

Die Erde wird immer wärmer – das zeigen die Messdaten der Klimaforscher inzwischen relativ eindeutig. Aber wie lange noch? Denn in klimatologischer Hinsicht wäre eigentlich demnächst die nächste Kaltzeit fällig. Was aber heißt das für das Klima der Zukunft? Wird es nun wärmer oder kälter? Oder kommt nach der großen Hitze vielleicht ganz schnell die große Kälte?
Wann kommt die nächste Kaltzeit?

Wann kommt die nächste Kaltzeit?

Die Warmzeit, in der wir heute leben, hält immerhin schon 11.500 Jahre an. Ihren relativ milden Temperaturen verdanken wir einen Großteil der rasanten Entwicklung unserer Kultur und Zivilisation. Doch noch die Neandertaler mussten sich mit ganz anderen Bedingungen herumschlagen: Eisige Kälte, ein fast das ganze Jahr anhaltender Winter, karge, baumlose Kältesteppen und wenig Nahrung.

Und der Blick in die Klimageschichte zeigt: Die nächste Kaltzeit kommt bestimmt. Immerhin dauerte in den letzten 1,6 Millionen Jahren keine Warmzeit mehr als 15.000 Jahre, einige sogar nur 7.000 Jahre. Sind wir heute daher längst „überfällig“ oder könnte es doch noch etwas länger dauern bis zur nächsten Kältewelle?

Kälteeinbrüchen auf der Spur


Dieser Frage gehen zur Zeit mehr als 100 Projekte im Rahmen des Deutschen Forschungsprogramms DEKLIM unter dem Dach von GEOTECHNOLOGIEN nach. Eines davon ist das Projekt Eem - Climate change at the very end of a warm stage. Die hier zusammengeschlossenen Klimaforscher wollen unter anderem wissen, wie stark die Länge der verschiedenen Warmzeiten auf der Nordhalbkugel schwankte, aber auch, wie schnell und in welcher Form sich das Klima an ihrem Ende abkühlte – und welche Rückschlüsse dies für unser zukünftiges Klima zulässt.


Zwar ist bekannt, dass bei einem Warm-Kaltwechsel die Temperaturen um bis zu zehn Grad im Winter und um immerhin noch vier Grad im Sommer fallen können und dass dieser Prozess durchaus bis zu mehreren Tausend Jahren dauern kann. Aber noch weiß niemand so genau, ob nicht auch plötzliche Kälteeinbrüche und andere Klimakapriolen dabei die Regel sind.

Grifff in den Schlamm


Um diese Fragen beantworten zu können, sind die Wissenschaftler auf möglichst genaue und hoch aufgelöste Daten über die Klimaverläufe der Vergangenheit angewiesen. Um diese zu finden, erheben sie sich nicht nur in die Luft, um beispielsweise Staubproben aus der Atmosphäre zu analysieren, sondern greifen auch tief in den Schlamm: In das Sediment von Seen.

Warvenchronologie

Warvenchronologie

Denn hier sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende alles abgelagert, was irgendwann einmal seinen Weg ins Seewasser fand: Organische Reste von Algen und Wasserpflanzen unterschiedlichster Art, aber auch von ins Wasser gefallenem Herbstlaub, Pollen oder anderen Pflanzenteilen findet sich hier ebenso wie die Relikte von tierischen Wasserbewohnern und mineralische Komponenten. Die Menge und Art dieser Einträge und Ablagerungen variiert je nach klimatischen Bedingungen. Diese Schwankungen werden dabei so fein aufgezeichnet, dass sogar die einzelnen Jahreszeiten deutlich voneinander unterscheidbar sind.

Sedimente quer durch Europa


Eine Arbeitsgruppe um Tanja Böttger vom Umweltforschungszentrum Leipzig ist beispielsweise gerade dabei, systematisch die Klimaaufzeichnungen der Seesedimente aus Deutschland, Polen und Russland für den Übergang der letzten Warmzeit, dem Eem, zur letzten Kaltzeit, der Weichseleiszeit, zu analysieren. Pollen, Minerale und Isotopenverteilung, aber auch Vergleiche mit Modellrechnungen und bisherigen Klimasimulationen, sollen Aufschluss darüber geben, wie genau der Klimawechsel verlief und auch, welchen Einfluss dabei die Meeresströmungen des Nordatlantiks auf verschiedenen europäische Regionen hatten.

Noch ist hier, wie auch bei den anderen Eem-Projekten, die letzten Probe nicht genommen und das letzte Wort nicht gesprochen. Aber das letztendliche Ergebnis wird einen entscheidenden Einfluss darauf haben, welches Bild wir uns vom Klima der Zukunft machen...
(DEKLIM, Eem-Projekt, 19.05.2004 - NPO)
 
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