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Donnerstag, 27.07.2017
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Patagonischer Kratersee gibt Geheimnisse preis

Forscher untersuchen Vulkanismus und Klimawandel im Süden Argentiniens

Wie ist der Kratersee „Laguna Potrok Aike“ in Südpatagonien entstanden? Welche Klimaveränderungen hat es in den letzten Jahrtausenden in Argentinien gegeben? Diese und viele andere Fragen beantworten soll demnächst das internationale Tiefbohrprogramm PASADO (Potrok Aike Maar Lake Sediment Archive Drilling Project), das im Herbst 2008 unter deutscher Leitung in Südamerika durchgeführt wird.
Laguna Potrok Aike

Laguna Potrok Aike

Bereits Ende August 2008 brechen die Wissenschaftler des Instituts für Geographie der Universität Bremen zur größten Expedition ihrer bisherigen Laufbahn auf. Wenn Bernd Zolitschka - Professor für Geomorphologie und Polarforschung - und seine Mitarbeiter vor Ort ankommen, warten bereits 21 Seecontainer mit einer kompletten schwimmenden Bohrplattform sowie umfangreicher wissenschaftlicher Ausrüstung am Ufer des Laguna Potrok Aike. Im Rahmen des „Internationalen kontinentalen Tiefbohrprogramms“ (ICDP) ist dieser See weltweit erst der achte, dessen Sedimentfüllung mit dieser Technik erbohrt wird. Ziel ist es dabei, Sedimentkerne bis zu einer Tiefe von 800 Metern unter dem Seespiegel und mit einer Gesamtlänge von 1,8 Kilometern zu bergen.

Ein Sedimentarchiv in der argentinischen Trockensteppe


Die Laguna Potrok Aike ist vor 700.000 Jahren bei vulkanischen Explosionen entstanden. Im Laufe der Zeit füllte sich der Krater mit Sedimenten und der Asche nahe gelegener Vulkane. Heute ist der Maarsee aufgrund seiner Wassertiefe von 100 Metern das einzige kontinuierliche Sedimentarchiv in der argentinischen Trockensteppe. Er ist daher ein besonders gut geeignetes Archiv, das präzise Informationen über die Entwicklung von Umwelt und Klima während der letzten Jahrtausende sowie vulkanologische Daten bereitstellt.

Denn erstmals in der Geschichte der Vulkanforschung wird in den Schlot eines jungen wasserbedeckten Maares gebohrt. Maare sind vulkanische Krater die entstehen, wenn glutflüssiges Gestein (Magma) beim Aufstieg zur Erdoberfläche in Kontakt mit Grundwasser gerät. Dabei erfolgen Wasserdampfexplosionen. Sie führen zu Kratern, die nicht nur in Patagonien sondern auch in der Vulkaneifel verbreitet vorkommen.


Klimawandel in Argentinien


Klimainformationen von der Südhalbkugel sind auch für Deutschland von Bedeutung, denn das Klima als globale Erscheinung beeinflusst unser Leben. In Patagonien ist der Klimawandel schon seit Jahrzehnten ein Thema. Während die ersten europäischen Siedler im 19. Jahrhundert in Argentinien auf saftige Wiesen und Hunderte von Seen gestoßen sind, die eine hervorragende Grundlage für die Schafzucht darstellten, änderte sich diese Situation ab Mitte des 20. Jahrhunderts dramatisch: Seen verlandeten und die Trockensteppe dehnte sich aus. Wie wird sich die Situation in Folge des durch den Menschen beschleunigten Klimawandels verändern? Diese und weitere Fragen werden durch die Sedimentkernanalyse beantwortet.

"Für derartig komplexe wissenschaftliche Projekte brauchen wir motivierte und engagierte Nachwuchswissenschaftler, die bereit sind, an vorderster Forschungsfront mitzuarbeiten. Dies ist immer auch mit hohem persönlichem Einsatz verbunden", erklärt der Quartärforscher Zolitschka und versteht darunter monatelange Forschungsexpeditionen im Ausland, aber auch langwierige Laboranalysen.

Logistischer Kraftakt


Bevor dieses international vernetzte Projekt starten kann, ist zunächst ein logistischer Kraftakt zu meistern. Da es im patagonischen Einsatzgebiet keinerlei Infrastruktur gibt, müssen Übernachtungsmöglichkeiten mit sanitären Einrichtungen sowie eine Küche zur Versorgung von bis zu 34 Wissenschaftlern ebenso wie die Labore aufgebaut werden. Der benötigte Strom wird mit einem Dieselaggregat bzw. einem Windrad vor Ort produziert. Wasser dagegen fördert man über einen eigens gebohrten 76 Meter tiefen Brunnen und die Verbindung zur Außenwelt gewährleistet eine satellitengestützte Internetverbindung.

Internationale Zusammenarbeit unter deutscher Leitung


Das international und interdisziplinär ausgerichtete Projekt PASADO ist das erste ICDP-Bohrprojekt in einem See unter deutscher Leitung. Beteiligt ist ein Team aus deutschen, argentinischen, kanadischen, schwedischen, schweizer und US-amerikanischen Geographen und Geowissenschaftlern.
(idw - Universität Bremen, 26.08.2008 - DLO)
 
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