• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 25.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Vorlieben der Fischfrauen beeinflussen männliche Maße

Sexuelle Selektion wirkt sich auf die Körpergröße der Männchen aus

Weibliche Zahnkärpflinge in Mexiko bevorzugen große Fischmännchen als Partner. Doch was passiert, wenn die Fischfrauen die Bewerber gar nicht sehen können – etwa, weil sie in dunklen Höhlen leben? Eine Antwort auf diese Frage hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam gefunden.
Poecilia latipinna

Poecilia latipinna

Zahnkärpflinge leben normalerweise in oberirdischen Flüssen und Seen. Weibchen dieser lebend gebärenden Art haben eine angeborene Vorliebe für große Männchen als Vater für ihre Nachkommen. Die Forscher vermuten, dass gutes Wachstum für sie ein Indikator für gute Gene ist. Diese sexuelle Selektion führt dazu, dass die Männchen größer werden.

Allerdings haben große Männchen auch Nachteile: Sie können sich erst später als ihre kleineren Artgenossen fortpflanzen, da die Fische erst nach Abschluss ihres Wachstums geschlechtsreif werden. Zudem fangen die Fraßfeinde der Fische, wie beispielsweise Reiher und größere Buntbarsche, bevorzugt große Exemplare. Diese natürliche Selektion wirkt also der sexuellen Selektion entgegen.

Aus dem Kräftespiel dieser beiden gegensätzlich wirkenden Mechanismen ergibt sich zum einen eine obere Grenze für das Größenwachstum der Männchen. Zum anderen führt es dazu, dass sowohl große als auch kleinere männliche Fische innerhalb einer Population vorkommen, da beide Strategien Vorteile haben.


Zahnkärpflinge in Höhlen entdeckt


Biologen haben nun auch in zwei Höhlen Populationen von Zahnkärpflingen entdeckt, die sich seit unbestimmter Zeit unabhängig voneinander und von ihren oberirdischen Vorfahren entwickelt haben.

Der Biologe Martin Plath von der Universität Potsdam und seine Kollegen haben diese Tiere näher untersucht. Dabei stellten sie überrascht fest, dass es zwar in der ersten Höhle sowohl größere als auch kleinere Männchen gab, in der zweiten Höhle aber ausschließlich kleine Männchen.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Fischweibchen in der ersten Höhle einen Weg gefunden haben, trotz der Finsternis die Größe von Vaterschaftsbewerbern zu erkennen. Dafür nutzen sie, so die These der Biologen, das für Fische typische Seitenlinienorgan. Es registriert Druckschwankungen, die entstehen, wenn die von den Flossen verursachten Wellen an Objekten reflektierte werden.

Echolot als Größenmesser


Ähnlich wie das Echolot der Fledermäuse liefert das Seitenlinienorgan den Fischen Hinweise auf die Beschaffenheit ihre Umgebung. Die Weibchen haben offenbar gelernt, mithilfe dieses Sinnesorgans Rückschlüsse auf die Größe männlicher Artgenossen zu ziehen. Ein unterschiedlicher Geruch der großen und kleinen Männchen könnte ihnen zusätzliche Hinweise liefern, so die Forscher. Durch diese noch näher zu erforschenden Fähigkeiten der Weibchen blieb der Selektionsdruck auf die Männchen, größer zu werden, in einer der beiden Höhlen erhalten.

Anders dagegen in der zweiten Höhle. Hier haben die Weibchen nicht die Fähigkeit entwickelt, über andere Sinneskanäle die Größe von Männchen fest zu stellen. In dieser Höhle hat Körpergröße also keinen Vorteil für Männchen, sondern nur Nachteile. Vom Druck des weiblichen Geschmacks befreit, sind deshalb alle Männchen in dieser Höhle klein.

Weitere Experimente bestätigen die Ergebnisse


Zusammen mit seinen Kollegen Michael Tobler, Texas A&M University und Ingo Schlupp, University of Oklahoma, konnte Plath nachweisen, dass tatsächlich die fehlende Möglichkeit, Größe wahrzunehmen, dafür verantwortlichen war und dass nicht etwa die Weibchen ihren Geschmack geändert hatten. Bei Tests in seinem beleuchteten Labor standen eindeutig wieder die großen Männchen in der Gunst der Höhlenweibchen.
(idw - Universität Potsdam, 25.08.2008 - DLO)
 
Printer IconShare Icon