Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Geschwindigkeitsrekord für Magnetspeicher
Ballistisches Schalten macht schnelle Speicher mit Gedächtnis möglich
Forschern ist es erstmals gelungen, den physikalisch schnellstmöglichen Schaltprozess einer magnetischen Speicherzelle zu realisieren. Mithilfe dieses so genannten ballistischen Schaltprozesses könnten nichtflüchtige Magnetspeicher genauso schnell arbeiten wie die schnellsten flüchtigen Speicherbauteile, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“.

Konventioneller Computerchip
Konventioneller Computerchip
© SXC Konventioneller Computerchip
Die heute üblichen schnellen Computerspeicherchips wie DRAM und SRAM haben einen entscheidenden Nachteil: Bei Unterbrechung der Stromversorgung gehen die darauf gespeicherten Informationen unwiderruflich verloren. Abhilfe könnte das MRAM schaffen - das Magnetic Random Access Memory. In einem MRAM wird die digitale Information nicht in Form elektrischer Ladung gespeichert, sondern über die Richtung der Magnetisierung in magnetischen Speicherzellen.

Weltweite Forschung
Die neueste Generation der MRAM basiert auf dem so genannten Spin-Torque-Effekt. Er erlaubt die Richtung der Magnetisierung der Speicherzelle - und damit die Information „1“ oder „0“ - durch einen positiven oder negativen Strompuls durch die Zelle einzustellen und so den Speicher zu programmieren. Da Spin-Torque-MRAM auch eine sehr hohe Speicherdichte versprechen, arbeiten Wissenschaftler weltweit intensiv an ihrer Entwicklung.

Ein Strompuls durch eine Spin-Torque-Speicherzelle bewirkt eine Kreiselbewegung der Magnetisierung, die so genannte Präzession. Zum zuverlässigen Umschalten der Magnetisierung - und damit zum Programmieren des magnetischen Bit - mussten bislang stets mehrere dieser Präzessionsumdrehungen durchlaufen werden. Entsprechend dauert die Programmierung eines magnetischen Bit in einem heutigen MRAM-Prototyp etwa zehn Nanosekunden (ns).

Eine Präzessionsumdrehung reicht
In ihrem Experiment haben die Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) nun gezeigt, dass die Magnetisierung der Speicherzelle schon durch eine einzige Präzessionsumdrehung zuverlässig umgekehrt werden kann. Damit konnte der physikalisch schnellstmögliche Spin-Torque-Schaltvorgang realisiert werden. Im Experiment wurde dieses ballistische Schalten der Magnetisierung durch geschickte Wahl der Parameter des Strompulses in Kombination mit einem leichten statischen Magnetfeld erreicht.

Durch ballistisches Schalten könnten nach Ansicht der Forscher zukünftige Spin-Torque-MRAM mit Strompulsen von deutlich unter einer Nanosekunde programmiert werden. Damit hätte man einen nichtflüchtigen Speicherchip mit hoher Speicherdichte zur Verfügung, der in der Taktrate mit den schnellsten flüchtigen Speicherbauteilen, den SRAM, konkurrieren könnte.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Computer, Chips, Speicher, Magnetisierung, Spin-Torque-Effekt, Physik, Technik, Magnetspeicher, DRAM, MRAM, Bits
Weitere News zum Thema
Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler? (10.02.2012)
Können Kaltwasserkorallen der Versauerung des Meerwassers standhalten?
Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig (09.02.2012)
Hamburger Forscher sammeln neue Erkenntnisse für einen optischen Quantencomputer
Modellvergleich soll Klimafolgen besser abschätzen (08.02.2012)
Besseres Fundament für Weltklimabericht 2014
Warum der Mittelfinger so eine lange Leitung hat (08.02.2012)
Hemmung von den Nachbarnervenzellen bestimmt die Reaktionsgeschwindigkeit
Blick ins Hirn verrät Abschneiden im Reaktionstest (07.02.2012)
Hirnaktivität kann voraussagen, wie gut jemand ein Videospiel beherrscht
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Hightech
Quantencomputer
Zoom aufs Atom
Dossiers zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Quantencomputer
Tops und Flops beim Rechnen mit den kleinsten Teilchen
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Chips und Neuronen im Dialog
Verbindungen von Nervenzellen und Siliziumtechnologie
News des Tages
Antiker "Himmelscomputer" mit Olympiaberechner
Bienenvielfalt macht Kaffeeplantagen ergiebiger
Neuer Krebsauslöser in Pommes frites entdeckt
Ein Molekül im Rückwärtsgang
Geschwindigkeitsrekord für Magnetspeicher
Wie Antibiotika Bakterien lahm legen
Bücher zum Thema
Die Wunder maschine
Die unendliche Geschichte der Daten- verarbeitung von Herbert Matis
Das Affenpuzzle
Und weitere bad news aus der Computerwelt von David Harel
Donnerwetter - Physik
von Peter Häußler
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Die Geschwindigkeit des Honigs
Ungewöhnliche Erkenntnisse aus der Physik des Alltags von Jay Ingram
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes