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Montag, 18.12.2017
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Grippepandemie: Immunität noch nach 90 Jahren

Aktive antikörperproduzierende Zellen aus Überlebenden des Ausbruchs von 1918 isoliert

90 Jahre nach der verheerenden Grippepandemie von 1918 haben Wissenschaftler Antikörper gegen den Erreger isoliert – aus Überlebenden des damaligen Ausbruchs. Überraschenderweise verleihen sie ihren Trägern bis heute Immunität gegen die Grippeviren. Wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten, könnten diese Antikörper beim Ausbruch eines ähnlichen Virus zur Entwicklung effektiver Behandlungen beitragen.
Influenza-Virus

Influenza-Virus

Die Grippepandemie von 1918 gehört zu den verheerendsten Seuchen der Neuzeit. Mehr als 50 Millionen Menschen starben weltweit. Wissenschaftler der Mount Sinai School of Medicine und der Vanderbilt Universität in den USA untersuchten Blutproben von 32 Überlebenden der damaligen Seuche, um herauszufinden, ob diese noch Antikörper gegen den Erreger in sich tragen. Überraschenderweise wurden die Forscher nicht nur fündig, die Antikörper stellten sich auch als noch hoch aktiv gegen das Virus heraus:

Überraschend langes Immungedächtnis


„Neunzig Jahre nach dem die Überlebenden mit dem Virus der Epidemie von 1918 in Berührung kamen, gewannen wir Antikörperproduzierende B-Zellen von ihnen“, erklärt Christopher Basler, Professor für Mikrobiologie an der Mount Sinai School of Medicine. Sein Kollege James Crowe Jr., Leiter des Impfforschungsprogramms an der Vanderbilt Universität ergänzt. „Diese B-Zellen haben mindestens 60 Jahre wenn nicht sogar 90 Jahre darauf gewartet, dass die Grippe wiederkommt. Das ist erstaunlich, denn es ist das längste Immungedächtnis, das jemals jemand demonstriert hat.“

Das Team von Crowe isolierte die B-Zellen aus acht dieser Proben und züchtete sie in Kultur. Als die Forscher diese Zellen mit einem Virusprotein des damaligen Erregers konfrontierten, produzierten die Zellen sofort die passenden Antikörper. Ganz offensichtlich waren die Immunsystem der Überlebenden noch immer in Bereitschaft für die Abwehr gegen eine zweite Epidemie. Dies deutet darauf hin, dass eine antikörperbasierte Immunität bedeutend länger anhalten kann, als bisher angenommen.


Effektiver Schutz gegen Infektion


„Die Antikörper, die von diesen B-Zellen erzeugt wurden, erwiesen sich als bemerkenswert effektiv gegen eine Infektion mit dem 1918er Virus in Mäusen“, erklärt Basler. „Selbst neun Dekaden nach der Infektion behalten die Überlebenden damit einen Schutz.“ „Obwohl im Alter normalerweise die Immunität nachlässt, sind dies die potentesten Antikörper gegen ein Virus , die jemals isoliert worden sind“, so Crowe. „Das sind die besten Antikörper, die ich jemals gesehen habe.“

Für die Wissenschaftler ist dies ein wertvoller Ansatzpunkt, um neue Therapien und Impfungen gegen eine erneute Epidemie entwickeln zu können. Die Antikörper könnten gegen ein ähnliches Influenzavirus eingesetzt werden, mit der Technologie wäre aber auch die Entwicklung von Mitteln gegen andere Viren wie HIV denkbar.
(The Mount Sinai Hospital / Mount Sinai School of Medicine / Vanderbilt University Medical Center, 18.08.2008 - NPO)
 
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