Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 17.03.2010
Testosteron: 45 Minuten Ausdauertraining reichen
Optimale Wirkung schon bei mäßigem Kraft- und Ausdauertraining
Testosteron gilt als Inbegriff männlicher Stärke, als Potenzhormon und als Kraftspender - nicht nur bei den Olympischen Spielen. Um von den positiven Wirkungen des Geschlechtshormons zu profitieren, muss jedoch keine Dopingpille her: Mäßiges Kraft- oder Ausdauertraining sind optimal für den Testosteronwert, berichten Urologen.

In den Hoden produziert, und in weit geringeren Mengen bei Frauen in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde hergestellt, ist Testosteron im männlichen Organismus unter anderem zuständig für die Ausbildung der Geschlechtsorgane, Behaarung und Muskelmasse. In der Urologie wird es unter anderem eingesetzt, um Problemen des alternden Mannes zu begegnen.

Männliches Geschlechtshormon Testosteron
Männliches Geschlechtshormon Testosteron
© MMCD
Warnung vor Testosteron-Doping
In der Sportszene dagegen ist Testosteron eine wahre Modedroge geworden. Rund zehn bis zwölf Prozent aller Freizeitsportler dopen, um besser auszusehen, schätzen Experten. Sie warnen vor allem vor dem Testosteron aus dem Internetversandhandel. "Wer seiner Leistung und Virilität nachhelfen will und sich künstlich Testosteron zuführt, hat deutlich größere Chancen, seinem Körper zu schaden als auf dem Siegertreppchen zu landen", erklärt Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Weil der Körper sich daran gewöhnt, Testosteron zugeführt zu bekommen, wird die Eigenproduktion überflüssig und bleibt aus.

„Wenn das Mittel abgesetzt wird, hat der Körper Schwierigkeiten, die Produktion wieder anzuregen", so der Hamburger Urologe. „Doping mit Testosteron kann bei manchen Menschen ganz schnell zu Lebererkrankungen führen. Langfristig wird das ganze System gestört und kann sich nicht wieder regenerieren. Bei Frauen kann das sogar so weit gehen, dass sich die Klitoris in einen kleinen Penis umformt."

Ausdauertraining gut, Marathon kontraproduktiv
Um die Leistung zu steigern, empfiehlt er, bei niedrigen Werten den Testosteronspiegel auf natürlich Weise zu stimulieren: durch Sport. "Alle Ausdauersportarten um die 45 Minuten sind perfekt, um den Hormonhaushalt anzukurbeln", erklärt Sommer.

„Doch gerade weil der Körper auf Aktivität reagiert und die Hormonproduktion durch Sport angeregt wird, können lange Ausdauersportarten wie Marathonlaufen für die Athleten gesundheitsschädlich werden", erklärt der Experte, der aus seiner eigenen Praxis Fälle kennt, in denen Langstreckenläufer sich ihren Hormonhaushalt "kaputtgerannt" haben. Das Ergebnis bei einem seiner Patienten: eine hervorragende Platzierung beim Marathon, aber ansonsten Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine geminderte Libido.

Durch Training in den „grünen Bereich“
Ausdauersportler sollten deshalb ein- bis zweimal pro Jahr ihren Testosteronwert kontrollieren lassen, empfiehlt Sommer. Sollten die Werte zu niedrig sein - normal sind zwischen 3,5 und 8,6 Nanogramm pro Milliliter Blut -, könnte eine Umstellung des Trainingsprogramms erforderlich sein, um den Körper wieder in den "grünen Bereich" zu bringen.

Dieser "grüne Bereich" mag keinen Medaillenregen bringen, aber auf Dauer gesehen ist er ein größerer Sieg. "Männer, die regelmäßig ein nicht übermäßig langes Kraft- oder Ausdauertraining machen, haben einen guten Testosteronwert. Das Ergebnis: Sie sind frischer, dynamischer, schlafen besser - und die Libido profitiert auch."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Testosteron, Hormon, Sport, Doping, Training, Geschlechtshormon, Mann, Männer, Kraftsport, Ausdauer, Gesundheit, Missbrauch, Medizin
Weitere News zum Thema
Pestizid macht Froschmännchen weiblich (02.03.2010)
Unkrautvernichtungsmittel führt zur chemischen Kastration und gefährdet wildlebende Amphibien
Das Rätsel der sanften Männchen und "Macho"-Weibchen (18.02.2010)
Geschlechtsuntypisches Verhalten: Kein „Fehler“ sondern Anpassung an Umweltbedingungen?
Doping als Volkssport (21.12.2009)
Forscher: Mehr als eine Million Freizeitsportler begehen Medikamentenmissbrauch
Testosteron macht doch nicht streitlustig (09.12.2009)
Neue Experimente widerlegen Mythos um das Geschlechtshormon
Tango bringt Hormone durcheinander (02.10.2009)
Studie: Tanz hemmt Stresshormone und vermehrt Testosteron
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Die Macht der Hormone
Alleskönner, Jungbrunnen und Liebestrank?
Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
Functional Food
Fitmacher oder Mogelpackung?
Vitamine im Zwielicht
Nutzen und Schaden von Radikalfängern, Rauchervitaminen und Co.
News des Tages
Tropische Klimakapriolen machen Westantarktis warm
Schlaf selektiert unsere Erinnerungen
Kokain- Sucht baut Synapsen um
Testosteron: 45 Minuten Ausdauertraining reichen
Windfang gegen schmelzenden Gletscher
Pannenhelfer für die Antibiotika-Produktion entschlüsselt
Bücher zum Thema
Feuerwerk der Hormone
Warum Liebe blind macht und Schmerzen weh tun müssen von Marco Rauland
Die Menschen Macher
Sehnsucht nach Unsterblichkeit von Hans-Günter Gassen und Sabine Minol
Wir sind alle Neandertaler
Warum der Mensch nicht in die moderne Welt passt von Jürgen Brater
Wie dick muss ich werden, um kugelsicher zu sein?
von Mick O'Hare
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
3. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
4. Gehirn liebt keine Überraschungen
5. Schlafende Sonne kein Klimaretter