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Donnerstag, 09.02.2012
Tropische Klimakapriolen machen Westantarktis warm
Eisbohrkerne enthüllen Zusammenhang zwischen El Nino-Phänomen und antarktischen Temperaturen
Wenn ein starker El Nino-Effekt den tropischen Pazifik in seinem Griff hält, dann reichen die Auswirkungen dieses Klimaphänomens bis in die Südpolarregion. Eisbohrkerne enthüllen, dass sich die Westantarktis immer dann besonders erwärmt, wenn die tropischen Klimakapriolen besonders stark ausgeprägt sind. Diese jetzt in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences” erschienen Erkenntnis liefert Klimaforschern wertvolle Hinweise auf die zukünftige Entwicklung der extrem sensibel auf den Klimawandel reagierenden Polarregion.

Meerestemperaturen und Luftdruck während eines El Nino
Meerestemperaturen und Luftdruck während eines El Nino
© Steve Deyo, UCAR Meerestemperaturen und Luftdruck während eines El Nino
Die Westantarktis steht zurzeit im Fokus der Klimaforscher – denn sie ist das am stärksten vom Klimawandel und einer Eisschmelze bedrohte Gebiet des eisigen Kontinents. Die brennendste Frage dabei: Wie schnell taut das Eis - geht es um Jahrzehnte oder doch Jahrhunderte? Die Antwort ist von globaler Bedeutung, denn immerhin bedeckt die knapp zwei Kilometer dicke Eisdecke eine Fläche der Größe Mexikos und könnte, wenn sie komplett abschmilzt, den Meeresspiegel weltweit um bis zu fünf Meter anheben.

Isotope im Eis enthüllen überraschenden Zusammenhang
Um mehr über die Faktoren zu erfahren, die die Klimaveränderungen der Westantarktis antreiben, analysierten Klimaforscher des amerikanischen National Center for Atmospheric Research (NCAR) und der Universität von Washington Eisbohrkerne, die 200 und 2002 an acht Standorten der Westantarktis entnommen worden waren. Aus den Anteilen von leichten und schweren Isotopen von Sauerstoff und Wasserstoff, den beiden Bausteinen des Eises, rekonstruierten sie die Klimaveränderungen der letzten hundert Jahre in diesem Gebiet. Finden sich mehr schwerere Isotope im Eis, deutet dies auf wärmere Perioden hin, leichtere auf kühlere.

Da die Kerne aus sehr schneereichen Gebieten stammten, lieferten sie eine ausreichend hohe zeitliche Auflösung, um sogar Temperaturveränderungen von einem Jahr zum nächsten erfassen zu können. Und genau das brachte eine überraschende Erkenntnis: Offenbar reagiert das Klima der Westantarktis hochsensibel nicht nur auf lokale Gegebenheiten, sondern auch auf das, was sich tausende von Kilometern entfernt im tropischen Pazifik abspielt.

Tropische „Klimaschaukel“ reicht bis in die Antarktis
„Wenn sich die Tropen erwärmen, tut dies auch die Westantarktis”, erklärt David Schneider, Klimaforscher am National Center for Atmospheric Research (NCAR), der gemeinsam mit seinem Kollegen Eric Steig von der Universität von Washington die Studie leitete. „Die Eisbohrkerne enthüllen, dass das Klima der Westantarktis durch atmosphärische und ozeanische Veränderungen beeinflusst wird, die sich tausende von Kilometern nördlich abspielen.“

So stiegen die Temperaturen der Westantarktis in den Jahren 1939 bis 1942 um gleich drei bis sechs Grad an, um anschließend innerhalb von zwei Jahren um fünf bis sieben Grad abzusinken. Diese extreme Schwankung trifft zeitlich mit einem besonders starken El Nino-Ereignis im Pazifik zusammen. Die Forscher sehen in dieser periodisch wiederkehrenden und von Meerestemperaturveränderungen begleiteten Luftdruckverschiebung den ausschlaggebenden Faktor für die antarktischen Schwankungen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler wirken die tropischen Klimakapriolen über einen „Wavetrain“, einen Wellenzug mit Gebieten von ungewöhnlich hohem oder niedrigem Luftdruck, bis in die Antarktis. Sie bringen ein Strömungsmuster in der oberen Atmosphäre hervor, das ungewöhnlich milde und feuchte Luft in die Antarktis transportiert und dort die kältere Polarluft zeitweise verdrängt.

“Diese Ergebnisse helfen uns dabei, die antarktischen Klimatrends in einen globalen Kontext zu bringen”, erklärt Schneider. Zukünftig können die Klimaforscher nun die kurzfristigeren, durch den El Nino verursachten Veränderungen besser von den langfristigen, durch die globale Erwärmung ausgelösten Entwicklungen trennen und so auch ihre Modelle und Prognosen verbessern.
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